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Asyl: Die Ängste der Wünsdorfer

Bürgermeisterin Michaela Schreiber im Gespräch Asyl: Die Ängste der Wünsdorfer

1200 Flüchtlinge: Die geplante Erstaufnahmestelle für Asylbewerber im Zossener Ortsteil Wünsdorf-Waldstadt (Teltow-Fläming) stellt Bürger und Kommune vor große Herausforderungen. Viele Bürger haben Ängste. Zossens Bürgermeisterin Michaela Schreiber kennt die Sorgen der Anwohner - und möchte sich ihnen stellen.

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Michaela Schreiber steht als Zossens Bürgermeisterin vor der Herausforderung "Erstaufnahmestelle" in Wünsdorf-Waldstadt.

Quelle: MAZ/Archiv

Wünsdorf-Waldstadt. Die Entscheidung ist längst gefallen und daran gibt es auch nichts mehr zu rütteln: In Wünsdorf-Waldstadt entsteht eine Erstaufnahmestelle für bis zu 1200 Flüchtlinge. Eingerichtet wird die im Verwaltungszentrum B, die ansässigen Behörden ziehen um.

Kürzlich fand dazu  eine Infoveranstaltung für unmittelbar betroffene Anwohner statt. Was dort geklärt wurde, waren Ängste und Sorgen: Furcht vor sexuellen Übergriffen, das Bangen um Hab und Gut oder auch die Befürchtungen, es würden deutlich mehr Asylsuchende aufgenommen, als bisher vom Innenministerium angeben.

Es sind Ängste, die Brandenburgs Innenminister Karl-Heinz Schröter verstehen kann. Näher an den Bürgern dran ist allerdings Michaela Schreiber, Zossens Bürgermeisterin. Sie hatte schon im Vorfeld Informationsveranstaltungen angeboten. Die seien gut angenommen worden, sagte sie und relativiert damit die Annahme, ihre Sprechstunden seien gefloppt. „Die Sprechstunde ist keine Massenabfertigung“, sagt Pressesprecher Fred Hasselmann. Jede Frage würde individuell beantwortet und beanspruche daher Zeit.

Die Bürger als wichtiger Part der Zukunft

Eines wird deutlich, als Michaela Schreiber mit MAZonline spricht: Sie ist stolz auf ihre Bürger. Und sie ist optimistisch, was die Zukunft betrifft. „Ich gehe davon aus, dass wir uns als Stadt dem stellen und das auch bewältigen werden“, sagt die Stadtchefin, „die Bürger werden dabei ein ganz wichtiger Partner sein.“ In der Vergangenheit hätten sie auf Sachlichkeit gesetzt.

Immerhin ein Lichtblick für die Frau, die derzeit stark kritisiert wird. Sie soll zahlreiche Aufträge in Zossen ohne Ausschreibungen vergeben haben. Die EU-Komission ermittelt deshalb gegen die Stadt - und das kann für die gesamte Bundesrepublik richtig teuer werden.

Sorgen und Ängste wollen ausgeräumt werden. Drei Themen wurden in der Sprechstunde, aber auch während der Informationsveranstaltung immer wieder angesprochen.

1. Die Sicherheit

„Bin ich überhaupt noch sicher“, ist die Frage, die sich wohl die meisten Anwohner stellen. Der 35-jährige Denny Schiefelbein ist einer von ihnen. Seine Frau ist schwanger, gemeinsam wohnen sie direkt an der geplanten Aufnahmestelle in Wünsdorf-Waldstadt. Während Innenminister Schröter darauf verweist, dass es keine vermehrten Konflikte in vergleichbaren Städten und Situationen gäbe, geht Zossens Bürgermeisterin das Thema anders an. Eigentlich sollte der Polizeistandort Zossen gestrichen werden. Doch mit der Einrichtung einer Erstaufnahmestelle vergewisserte sich Schreiber, „dass keine Wache in Zossen“ geschlossen werde. Sie geht sogar noch einen Schritt weiter und ist überzeugt, dass es weiteres Personal geben könnte. Was daraus wird, bleibt abzuwarten.

2. Die Behördenstandorte

Oft sind weite Wege zu Behördenstandorten auf dem Land ein Problem für die Bürger. Das Verwaltungszentrum B war bisher gut zu erreichen – mit Fahrrad, sogar zu Fuß. Nun sollen sie umziehen. Das beunruhigte die Anwohner. Doch die Lösung klingt erst einmal einfach. Statt Verwaltungszentrum B wird die Anlaufstelle künftig das Verwaltungszentrum C sein. Lediglich das Grundbuchamt zieht nach Zossen zum Amtsgericht.

3. Die innere Organisation der Erstaufnahmestelle

Die Fragen zur inneren Organisation sind vielfältig. Verpflegung, Betreuung, Sperrzeiten? Schreiber betont, dass eine Erstaufnahmestelle nur eine Übergangslösung sei. Die Aufenthaltsdauer: Maximal drei Monate. „Es ist das allererste Ankommen im Land“, sagt sie. Da gäbe es kaum Zeit für Integration. Deshalb haben Schulen und Kindertagesstätten beispielsweise keine Berührung mit den Flüchtlingskindern. Sie werden intern betreut und bekommen einen ersten Sprachkurs. Auch die Versorgung erfolgt intern.

Ähnliche Sorgen in allen Ländern

„Die Sorgen sind die Gleichen, wie in Rheinland-Pfalz oder Nordrhein-Westfalen“, erklärt Pressesprecher Fred Hasselmann. Trotzdem müsse man sie ernst nehmen. Deshalb gäbe es weitere Sprechstunden mit der Bürgermeisterin. Auf der Internetseite werde über die Termine informiert. Außerdem können sich Anwohner auch per Mail an die Stadt wenden. Dazu wurde eine gesonderte Mailadresse eingerichtet: VL-EAW@SVZossen.Brandenburg.de

Im Januar 2016 sollen die ersten Flüchtlinge in Wünsdorf-Waldstadt aufgenommen werden. Bis dahin bleibt Zeit – für Umbaumaßnahmen, für Fragen, für das Ausräumen der Ängste.

Von MAZonline

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