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Auf Kante genäht

MAZ-Reporterin testet ihr Geschick im Nähkurs Auf Kante genäht

MAZ macht mit: Unsere Reporterin Margrit Hahn hat sich hinter die Nähmaschine gesetzt und drauf losgestochen. Unterstützt hat sie dabei Maxi Günzl, sie leitet an der Luckenwalder Volkshochschule Nähkurse. Nach einem Tag geht Margrit Hahn ohne zerstochene Finger und mit selbstgenähter Tasche nach Hause.

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Schneidermeisterin Maxi Günzl (r.) zeigt MAZ-Reporterin Margrit Hahn, wie man mit der Nähmaschine hantiert.

Quelle: privat

Luckenwalde. Es ist nie zu spät, etwas Neues zu lernen. Bei mir ist es das Nähen. Dafür habe ich eine gute Seele – meine Mutter –, die Reparaturen an meiner Garderobe vornimmt, und das 1A, kostenlos und ruck, zuck. Trotzdem: Ich melde mich für einen Nähkurs bei der Volkshochschule an. Am Ende soll eine ganz persönliche Tasche dabei herauskommen, erfahre ich bereits am Telefon. Stoffe und Nähzubehör seien mitzubringen, würden bei Bedarf aber auch gestellt.

Ich habe noch nie zuvor an einer Nähmaschine gesessen. Meine letzten ernsthaften Versuche als Designerin war „Nadelarbeit“ in der Schule. Die Schürze, die damals entstand, habe ich einmal im Werkunterricht getragen, danach nie wieder. Ich besitze zwar eine Nähmaschine, die ist allerdings schon über 100 Jahre alt und dient nur der Dekoration.

In der Werkstatt in der Dessauer Straße in Luckenwalde begrüßt mich Maxi Günzl. Außer mir hätten sich fünf Teilnehmer angemeldet, berichtet sie. Zwei davon sind blutige Anfänger – ich bin also nicht allein. Beruhigend.

Beruhigend ist auch die Ausstrahlung von Maxi Günzl. Die Schneidermeisterin, die vor zehn Jahren von der Nordsee an die Nuthe kam und sich in Luckenwalde selbstständig machte, bringt sowohl eine Engelsgeduld als auch jede Menge Ideen mit. Sie zeigt mir Fotos, die mich staunen lassen, was alles an einer heimischen Nähmaschine möglich ist. Die Taschen sehen toll aus. Und es sieht gar nicht so schwierig aus, sie herzustellen.

Die selbstgenähte Tasche der MAZ-Reporterin.

Quelle: Margrit Hahn

Mittlerweile treffen auch die anderen Teilnehmer ein. „Wir duzen uns hier“, sagt Maxi Günzl gleich zum Auftakt. Mir fallen gleich Simone und ihre Tochter Maria auf. Die Rangsdorferinnen kommen mit viel Gepäck, unter anderem mit ihren eigenen Nähmaschinen. Sie haben Erfahrung. Für ihre geplanten Taschen haben sie sich Stoffe ausgesucht, die wasserdicht sind. Meiner ist das nicht. Trotzdem gefällt er mir. Dunkelblau mit kleinen Sternchen, das hat doch was. Daraus möchte ich das in Falten gelegte Taschenmodell „Annaida“ nähen.

Maxi hat den Schnittmusterbogen vorbereitet. Auch Anke aus Jänickendorf wählt dieses Modell. Sie ist die zweite Anfängerin. Während sich alle anderen an die Maschinen setzen, beginnen für uns beide zuerst Trockenübungen. Ohne Faden soll uns auf Papier eine möglichst gerade Naht (nur aus Stichen) gelingen. „Genau so fangen Schneiderlehrlinge im ersten Ausbildungsjahr an“, erklärt Maxi. Es klappt so einigermaßen. Hin und wieder drifte ich ein wenig ab. Dann soll ich exakt entlang einer Schlangenlinie und einer Spirale nähen. Anke und ich sind uns einig: Am schwierigsten ist es, die Kurven zu kriegen. Doch Maxi weiß, wie man Anfänger motiviert. Sie lobt uns. Und die anderen Kursteilnehmer sagen uns, dass jeder mal so angefangen hat.

Nun wird es ernst. Das Taschenprojekt beginnt. Fünf Arbeitsschritte sind in der Vorlage angegeben. Die Kursleiterin erklärt, dass Baumwollstoffe ihre Festigkeit durch Einlage bekommen. Also muss ich nicht nur den Stoff zuschneiden, sondern auch die Einlagen und den Futterstoff. Ich bin froh: Nicht ich allein brauche jetzt viel Hilfe von Maxi, sondern alle fragen sie um Rat. Sie erklärt und erklärt und erklärt...

Nachdem ich meinen Stoff zugeschnitten haben, bügle ich das Vlies auf – und lerne gleich wieder dazu. Dabei dachte ich, wenigstens das Bügeln zu beherrschen. Maxi zeigt, wie es geht: immer von oben nach unten oder von einer zu anderen Seite, aber nie diagonal.

Ich setze mich mit meinem blauen Sternchenstoff zu Bernina, so heißt die Nähmaschine. Ich trete aufs Pedal und die Nähmaschine saust im Eiltempo los. Die einzelnen Arbeitsschritte sind ungewohnt. Den Fußhebel betätigen, das Handrad drehen und zwischendurch das Füßchen heben und dabei immer aufpassen, Ober- und Unterfaden nicht zu verlieren. Es dauert keine zehn Minuten bis zum ersten Fadensalat.

Silke aus Rangsdorf kommt mir zu Hilfe. Dabei hat sie selbst genug zu tun, denn sie näht sich einen Mantel. Von solch schwierigen Stücken bin ich noch weit entfernt. Ich bin froh, wenn ich heute Abend eine fertige Tasche mit nach Hause nehmen kann. Maxi spricht von „in aller Ruhe und ohne Zeitnot“. Ich hingegen blicke schon ein wenig unruhig auf die Uhr. Doch Eile nützt nichts. So ruhig Maxi ist, so genau ist sie auch. Eine Naht, die mir nicht so recht gelingt, muss ich wieder auftrennen. Da gibt’s kein Pardon.

Nach einer guten Stunde werde ich optimistischer. Ein wenig ist schon zu erkennen, dass es eine Tasche wird. Als nächstes muss ich mit dem Innenfutter noch einmal dasselbe machen wie mit dem Außenstoff. Zuschneiden, nähen und dann kommt er Moment, der am meisten Spaß macht: Beide Teile werden ineinander gesteckt, dann nähe ich sie zusammen und atme durch: Die Tasche ist fertig. Mein erstes selbst genähtes Stück mit der Nähmaschine.

Meine Befürchtung, mir die Finger zu zerstechen, ist zum Glück nicht wahr geworden. Obwohl Anke und meine Tasche dasselbe Schnittmuster haben, sehen sie doch völlig anders aus. Dafür haben sie eine andere Gemeinsamkeit: Unsere Männer hatten die Stoffe dafür ausgesucht. Und Maxi lobt, dass sie das ganz fantastisch gemacht hätten. Sie hätten Stoffe gewählt, die man gut verarbeiten konnte.

Für Maxi steht fest, dass ich wiederkommen sollte, um mir eine zweite Tasche zu machen. Denn für die erste gibt es bereits eine Anwärterin – meine Tochter. Sie wirddas gute Stück auf jeden Fall öfter tragen, als ich es tun würde. Mein wichtigstes Accessoire ist eben doch mein Fotokoffer.

Von Margrit Hahn

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