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Teltow-Fläming Auf Tuchfühlung mit 70 000 Bienen
Lokales Teltow-Fläming Auf Tuchfühlung mit 70 000 Bienen
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20:10 10.07.2016
Imkerin Beate Dalitz begutachtet die erste Wabe. Quelle: G.I.
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Königs Wusterhausen

Überall um mich herum summt es. Ich versuche, die knapp 70 000 Bienen zu vergessen, die in den beiden Stöcken leben, an denen ich mich gerade zu schaffen mache. Doch es geht nicht. Ich bekomme eine leichte Panik, würde am liebsten wegrennen, so wie immer, wenn irgendwas um mich herumfliegt. Ich schwitze. Mein Herz klopft.

Gute Vorbereitung macht auch beim Imkern viel aus

Eine Stunde vorher: Ich stehe vor dem Haus von Beate Dalitz in Königs Wusterhausen. Sie möchte mir an diesem Tag zeigen, was es bedeutet, ein richtiger Imker zu sein. „Und? Sind sie gut vorbereitet?“, fragt sie mich und lacht dabei. „Ja“, antworte ich. Denn zumindest äußerlich bin ich gut vorbereitet. Stichfeste Handschuhe, geschlossene Schuhe und eine lange Hose. Alles, worum sie mich gebeten hatte, habe ich dabei. Aber innerlich bin ich doch mehr schlecht als recht vorbereitet auf das, was mich bald erwarten soll. Doch ich behalte meine Unsicherheit für mich. Ich will ja nicht gleich wie ein Angsthase dastehen.

Zuerst werden die Bienen mit dem Smoker eingeräuchert. Quelle: G.I.

Wir würden gleich zu Pflanzen Kölle fahren, sagt sie. Den Bienen dort würde es gut gehen. Dort könnten wir noch reichlich Honig ernten. Bienen im Baumarkt? Klingt für mich erstmal ungewöhnlich. Smoker, Imkerhaube und Besen. Alles was wir heute brauchen, liegt schon im Auto. Es kann also losgehen.

Die Bienen leben auf dem Gelände eines Baumarktes

Mit sämtlichen Imker-Utensilien in einem Einkaufwagen laufen wir durch den Baumarkt. Langsam werde ich nervös. Denn weit kann es nun nicht mehr sein. Ich muss kurz an meinen ersten Termin für die MAZ denken. Das war 2011 und ich war Praktikant. Ich sollte einen Artikel über einen Imker schreiben, der Schulklassen durch seinen „Bienengarten“ führt. Als die Kinder gegangen waren, bot er mir ein Bier an. Es war erst kurz vor elf. Damals lehnte ich ab. „Nein danke, ich muss noch arbeiten“, sagte ich. Heute wäre ein Bier vielleicht gar nicht schlecht. Es würde auf jeden Fall meine Nerven beruhigen.

Die Königin umgeben von ihren Arbeiterbienen. Quelle: G.I.

Wir laufen durch den Modellgarten. Und da sind sie. Zwei Stöcke links des Weges. Bienen sehe ich nur vereinzelt. Trotzdem steigt mein Puls. Beate Dalitz zündet die getrocknete Weide im Smoker an. Dadurch entsteht Rauch, mit dem wir uns die Bienen vom Leib halten wollen. Ich ziehe mir lieber schon mal meine Imkerhaube über den Kopf. Sicher ist sicher.

Mit dem Smoker simulieren wir ein Feuer

Jetzt wird es ernst. „Als erstes müssen wir das Dach abnehmen“, erklärt Beate Dalitz. Es schützt die Bienenstöcke vor Regen. Mit dem Smoker blase ich etwas Rauch in den ersten Stock. „Wir spielen den Bienen jetzt vor, es würde ein Feuer geben“, erklärt mir die Imkerin das Prinzip. Die Bienen würden sich nun in ihren Stock zurückziehen, um ihre Honigblasen vollzusaugen, und uns erstmal in Ruhe lassen. Das klingt gut. Beate Dalitz nimmt eine der Waben heraus. Sie ist voller Honig. Die nächste Wabe soll ich mir etwas genauer anschauen. Doch ich kann mich nur schwer konzentrieren. Ob es eine gute Honigwabe ist oder nicht, kann ich nicht beurteilen. Ich schaue ständig nach unten, ob irgendwo an mir eine Biene sitzt.

Mit einem Besen werden die Bienen vorsichtig von der Wabe gestrichen. Quelle: G.I.

Wir nehmen den Bienenstock immer weiter auseinander. Inzwischen sind wir in der zweiten Etage angekommen. Hier befinden sich die Brut- und Futterwaben der Bienen. Und irgendwo hier muss auch die Königin sein. Denn die möchte Imkerin Beate Dalitz gerne markieren. Jede einzelne Wabe nehmen wir heraus und schauen, ob irgendwo die Königin zu sehen ist. Diese sei deutlich an ihrer Größe zu erkennen. „Die Königin hat einen großen Hinterleib“, erklärt Beate Dalitz. Doch ich sehe nichts. Abgesehen davon, dass ich die Königin wahrscheinlich grundsätzlich nicht erkennen würde, da für mich jede Biene gleich aussieht, gibt es noch einen anderen Grund: Es sind einfach viel zu viele Bienen auf einer einzelnen Wabe. Und die krabbeln hin und her. Ich sehe die Wabe vor lauter Bienen nicht mehr.

Die Varroamilbe ist der große Feind

Doch wir sind nicht nur auf der Suche nach der Königin. Da die Honigernte im Grunde schon vorbei ist, muss sich Imkerin Beate Dalitz nun auch um die Winterbrut kümmern. Diese Tiere werden den Stock durch die kalte Jahreszeit bringen. „Wir haben häufig Probleme mit der Varroamilbe, dagegen müssen wir was tun“, sagt sie. Das perfekte Mittel gegen die ungeliebten Milben sei Armeisensäure. Diese füllt Beate Dalitz in eine spezielle Vorrichtung, die ich anschließend in den Stock stellen soll. In einen Trichter füllt sie die Säure, die anschließend im Stock verdunstet und so jede Biene – oder besser gesagt jede Milbe – erreichen soll. Hier komme es besonders darauf an, die richtige Füllmenge abzuschätzen, erklärt sie mir.

Mit einem Spachtel entfernt man überschüssiges Wachs, damit der Kasten gut schließt. Quelle: G.I.

Nun machen wir uns an den zweiten Bienenstock. Alles von vorne. Waben kontrollieren und Königin suchen. Und da ist sie. Beate Dalitz hat sie sofort erkannt. Und auch ich sehe sie jetzt. In der Tat ist sie deutlich größer als die anderen. Mit einem Röhrchen fängt Dalitz die Königin ganz vorsichtig ein. Diese Aufgabe sei nichts für einen Laien, sagt sie. Zu hoch sei die Gefahr, die Bienenkönigin zu verletzen. Daher schaue ich lieber zu und überlasse der Expertin die Arbeit. Nachdem die Königin mit einer Nummer markiert wurde, kann sie wieder in den Stock zurück. Sofort stürzen sich unzählige andere Bienen auf die Rückkehrerin. „Die hat jetzt einen neuen Duft und muss erst einmal wieder angenommen werden“, erklärt Beate Dalitz. Nachdem wir auch in diesen Stock die Armeisensäure eingesetzt haben, können wir den Stock langsam wieder schließen. Doch die vollen Honigwaben möchte Beate Dalitz mitnehmen.

Dalitz: „Für die Imkerei muss man geboren sein“

Meine Aufgabe: Die Waben von den Bienen befreien. Und damit wären wir wieder am Anfang der Geschichte. Mit einem Besen fege ich die Bienen langsam und behutsam von der Wabe. Zu behutsam allerdings. Während ich die eine Seite abfege, setzen sich die Bienen schon wieder auf die andere. Eine fast endlose Angelegenheit. Ich sei zu langsam, sagt Beate Dalitz. Doch ich habe Angst, die Bienen zu verletzen. Und nicht zu vergessen: Überall um mich herum summt es. Von den knapp 50 000 Bienen, die allein in dem rechten Bienenstock leben, fliegt gerade gefühlt die Hälfte vor meinem Gesicht herum. Nach zwei Waben gebe ich auf. Beate Dalitz übernimmt. „Für die Imkerei muss man geboren sein“, sagt Beate Dalitz, als wir endlich fertig sind. Sie hat das Handwerk schon von ihrem Vater gelernt. Für mich ist das nichts. Aber zumindest wurde ich nicht gestochen.

Von Danilo Hafer

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