Volltextsuche über das Angebot:

1 ° / -3 ° Nebel

Navigation:
Auf dem Weg des Ankommens

Flüchtlinge in Blankenfelde Auf dem Weg des Ankommens

250 Menschen leben in der ehemaligen Blankenfelder Kaserne. Sie sind aus Krisengebieten wie Syrien, Afghanistan und Iran geflohen. Trotz einiger Störungen klappe das Zusammenleben überwiegend gut, was sicher auch an den Regeln des privaten Betreibers liegt. Dafür gibt es viel Lob von der Gemeinde.

Voriger Artikel
Umfrage: Mehr Angebote für Jugendliche
Nächster Artikel
Probleme mit der Einsatzbereitschaft

Deutschkurs: Lehrer Mohammed Abu-Daher (im gestreiften Pullover) bringt den Flüchtlingen Deutsch bei. Hani Alkasem (l.) ist einer von drei Sozialarbeitern, die sich um die alltäglichen Probleme der 250 Bewohner kümmern.

Quelle: Christian Zielke

Blankenfelde. Hani Alkasem ist schon ein paar Stunden auf Arbeit. Gefrühstückt hat er noch nicht. „Das mache ich meistens erst am Nachmittag“, sagt er. Hani Alkasem ist einer von drei Sozialarbeitern in der Flüchtlingsunterkunft in Blankenfelde. Er ist der Mann für alles, besorgt Arzttermine oder verhandelt mit Universitäten über Möglichkeiten, wie die Bewohner ihr Studium fortsetzen können.

253 Menschen leben seit Anfang Dezember in der ehemaligen Kaserne am Jühnsdorfer Weg. Alkasem spricht deutsch und arabisch. Seine Kollegen sprechen persisch und russisch. „Damit decken wir fast das gesamte Spektrum ab“, sagt Armin Weichert, der Leiter der Einrichtung.

Heimleiter: „Viele kritische Nachfragen“

Die meisten Bewohner sind aus Syrien, Afghanistan, dem Iran und Tschetschenien geflohen. Nicht bei allen Blankenfeldern stieß die Nachricht, dass die ehemalige Kaserne zur Flüchtlingsunterkunft wird, auf Begeisterung. „Wir hatten viele Neugierige mit kritischen Fragen“, erinnert sich Weichert an den Tag der offenen Tür Anfang Dezember. Mittlerweile hätte sich die Situation beruhigt.

Die Asylbewerber sind zum festen Bestandteil im Blankenfelder Ortsbild geworden. Weichert, der eigentlich gelernter Bankfachwirt ist und zuvor in der Immobilienverwaltung tätig war, hat klare Erwartungen an die Bewohner. „Sie sollen nicht nur die deutsche Sprache lernen, sondern auch deutsche Umgangsformen“, sagt er. Dazu gehöre auch, dass Männer auf der Straße nicht anderen Frauen hinterherschauen. „Das ist wahrscheinlich keine böse Absicht. Für viele Bewohner ist es einfach nicht vorstellbar, dass eine Frau allein aus dem Haus geht“, sagt er.

Hintergrund

Außer den 250 Flüchtlingen in der Kaserne leben in Blankenfelde noch 120 Menschen in der ehemaligen Kita in der Kollwitz-Straße.

Laut Vize-Bürgermeisterin Marion Dzikowski sind derzeit keine Neuaufnahmen in der Gemeinde vorgesehen.

Bis Ende des Jahres muss Blankenfelde-Mahlow 920 Plätze für Flüchtlinge bereitstellen.

Dass es auch innerhalb der Einrichtung hin und wieder Probleme gibt, will er nicht verschweigen. Vor allem die jungen Männer, die allein und auf eigene Faust den Weg nach Deutschland angetreten haben, seien voller Energie, die hin und wieder die geordneten Bahnen verlässt. Drei von ihnen sind am Wochenende auf eigene Kosten wieder zurück in den Iran gereist. „Manche kommen mit hohen Erwartungen. Sie glauben, dass ihnen sofort Wohnung und Arbeit angeboten werden“, sagt Weichert. Dass sie in den ersten Monaten in Deutschland vor allem warten müssen, frustriere viele.

Eine große blonde Frau verschafft sich Respekt

Wenn Sheila Brause durch die ehemalige Kaserne geht, klingelt ihr Telefon alle paar Minuten. Die groß gewachsene Frau mit den blonden Haaren und der strengen Brille strahlt schon von weitem Respekt aus. Dass sie türkisch und arabisch spricht, hilft ihr im Alltag. Insgesamt funktionierte das Zusammenleben in der Unterkunft, sagt sie. Oft sind es Kleinigkeiten wie der junge Mann aus Afghanistan, der schon mehrfach beim Rauchen in seinem Zimmer erwischt wurde. „Wer gegen die Hausordnung verstößt, zahlt ein Bußgeld“, sagt sie und man zweifelt nicht, dass sie die Strafe auch vollstreckt.

Die meisten Bewohner sehnen sich nach Ruhe, sie wollen sich in Deutschland ein neues Leben aufbauen. Vor allem die Kinder gäben ihr Hoffnung, sagt Sheila Brause. Sie verstünden sich untereinander, weil sie keinen Wert auf die Herkunft legten. Etwa 70 Minderjährige sind es insgesamt. Einige sollen demnächst in die Schule gehen, wenn sie alle ärztlichen Untersuchungen hinter sich haben.

Ärzte kommen in die Unterkunft

Seit kurzem sind einmal in der Woche ein Arzt und ein Kinderarzt vor Ort. Diejenigen, die noch nicht im Schulalter sind, sollen in der Unterkunft betreut werden. Dazu gebe es gerade Gespräche mit der Gemeindeverwaltung.

Wie in jeder Flüchtlingseinrichtung funktioniert auch in Blankenfelde nichts ohne Ehrenamtliche. Michael Wolny vom Verein Hominum International und Sonja Hochow von der evangelischen Kirchengemeinde Mahlow helfen mehrmals in der Woche in der Kleiderkammer aus. Derzeit sind winterfeste Schuhe und Sachen für Männer gefragt. „Vor allem in kleinen Größen“, sagt Sonja Hochow.

Marion Dzikowski, die stellvertretende Bürgermeisterin, ist einmal in der Woche vor Ort, um über Probleme und die Zusammenarbeit zwischen Gemeinde und dem privaten Heimbetreiber Imrex zu sprechen. „Es funktioniert sehr gut“, sagt sie. Der Betreiber sei „sehr gut organisiert und lösungsorientiert. Man merkt, da ist Struktur drin.“

Von Christian Zielke

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Teltow-Fläming
57811e88-cc1d-11e5-9fb5-3858ea6ed044
Babys aus Oberhavel (6)

Babys aus Oberhavel, Januar/Februar 2016

Die olympischen Spiele werden künftig nicht mehr bei ARD und ZDF übertragen - eine gute Entscheidung?

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg