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Jüterbog: Zwei Waldbrände binnen kurzer Zeit

Bürgermeister kritisiert Brandschutz Jüterbog: Zwei Waldbrände binnen kurzer Zeit

Die Hitze der vergangenen Tage setzt dem alten Schießplatz in Jüterbog schwer zu. Bereits am Wochenende hat es dort gebrannt. Am Dienstag ist dort wieder ein Feuer entfacht worden. Jüterbogs Bürgermeister hat einen möglichen Schuldigen bereits ausgemacht.

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Unwetter trifft vor allem Brandenburgs Süden

Die Feuerwehr ist wieder auf dem ehemaligen Militärgelände in der Nähe von Altes Lager im Einsatz.

Quelle: Martina Burghardt

Jüterbog. Erneut stehen Waldflächen auf dem alten Jüterboger Schießplatz in Flammen. Erst in der Nacht zu Montag hatte ein Großaufgebot von Feuerwehren aus dem ganzen Kreis Teltow-Fläming gegen die Flammen auf dem mit Munition belasteten Gelände angekämpft. Dienstagmittag ertönten schon wieder die Alarmsirenen in Jüterbog. Binnen weniger Stunden hatten sich die Flammen auf circa 15 Hektar ausgedehnt. Bis zum Abend waren etwa 100 Hektar Fläche im Naturschutzgebiet betroffen. Ein Ende des Feuers war nicht absehbar.

122 Feuerwehrmänner im Einsatz

Feuerwehren aus den Kreisen Teltow-Fläming und Potsdam-Mittelmark waren mit 23 Fahrzeugen, zwei Rettungswagen und 122 Brandschützern im Einsatz. Unterstützt wurden sie von acht Traktoren mit großen Wasserbehältern – denn die Versorgung mit Löschwasser ist eines der größten Probleme bei Großbränden auf dem Areal. Die nächsten Löschwasserstellen sind außerhalb in den Orten Altes Lager und Tiefenbrunnen. Das bedeutet Fahrzeiten von mindestens 30 Minuten.

Vorrang hatte die Sicherung der Umgebung vor einem unkontrollierten Ausbreiten des Feuers. Auf dem Gelände ließ die Stiftung Naturlandschaften Brandenburg in den vergangenen Jahren bis zu 30 Meter breite Brandschutzstreifen anlegen. Die Brandstelle befand sich in der „roten Zone“, die wegen ihrer Belastung mit Altmunition nicht betreten werden darf. Feuerwehren müssen einen Sicherheitsabstand einhalten.

Viel Altmunition liegt auf dem Gelände

Die Brandursache stand bis Dienstagabend noch nicht fest. Wahrscheinlich hat sich in der Sommerhitze Altmunition entzündet, die aus Preußen-, Nazi- und Sowjetzeiten im Boden des alten Artillerieübungsplatzes steckt. So ein Einsatz sei „eine extreme Belastung für jeden Kameraden“, sagt Jüterbogs Feuerwehrchef Lutz Selent: „Bei den Arbeiten in voller Sonneneinstrahlung und starker Rauch- und Staubentwicklung werden Temperaturen von über 50 Grad erreicht.“ Die Stadtverwaltung von Jüterbog versorgte die Brandschützer mit Wasser und Mahlzeiten.

Wie weit sich das Feuer noch ausbreiten kann, stand bis Redaktionsschluss nicht fest. Große Sorgen bereitete Einsatzleiter Tino Gausche die Unwetterwarnung. Am Sonntagabend hatten orkanartige Böen das Feuer, das schon unter Kontrolle schien, erneut entfacht. Am Ende waren 105 Hektar abgebrannt. .

System-Kritik: Bürgermeister fordert Berufsfeuerwehren

Bereits am Montagabend hatte Raue im Hauptausschuss der Stadt Kritik am Brandschutz-System geäußert. Anlass war der jüngste Großbrand. Die Feuerwehren der Flämingstadt und ihrer Ortsteile – fast ausschließlich ehrenamtlich aktiv – seien wegen Personalknappheit überfordert. „Ich schätze die Arbeit der Kameraden und habe höchsten Respekt“, sagte er. Aber das System könne im Hinblick auf die eingeschränkte Einsatzbereitschaft und die Demografie nicht die Lösung sein. Er fordert eine Debatte um Berufsfeuerwehren. „Wenn man es bei klassischem Brandschutz lässt, bekommen wir irgendwann ernsthafte Probleme, nämlich dass die Flammen Gebäude erreichen.“ Hauptsächlich tagsüber seien viele Kameraden arbeiten und deshalb nicht einsatzbereit.

Große Brände auf dem Artillerieplatz

21. April 2015: Es brennen 60 Hektar in der Nähe eines Windparks am Löffelberg bei Altes Lager.

11. Juli 2010: Der heiße Sommer führt zum bislang größten Waldbrand auf dem Gelände. Auf 230 Hektar brennen Wald- und Heideflächen.

22. August 2009: Knapp 12 Hektar Heide brennen, können aber schnell gelöscht werden.

9. Juni 2008: Ein Feuer wütet auf 220 Hektar Fläche.

4. August 2003: Feuer auf 40 Hektar.

Arne Raue malte ein düsteres Szenario vom vergangenen Sonntag. „Hätte es in der Nacht nicht geregnet, wären wir nicht in der Lage gewesen, dass Feuer einzudämmen“, sagte er. Löschen wäre sowieso nicht möglich, weil die sogenannte rote Zone – besonders munitionsverseucht und Wildnisgebiet – nicht betreten werden darf. Bereits bei Amtsantritt habe er auf die Gefahren aufmerksam gemacht. Daraufhin habe das Innenministerium empfohlen, sich wegen der Explosionsgefahr den Flammen nicht mehr als auf 1000 Meter Entfernung zu nähern. Der Bürgermeister und auch Stadtverordnete kündigten an, die Landesregierung erneut mit der Situation zu konfrontieren. „Das Land hat 95 Prozent der Flächen übertragen und ist damit die Verantwortung los, es versteckt sich hinter pauschalen Zuweisungen“, sagte er. „So lange der örtliche Brandschutz funktioniert, wird sich nichts ändern.“

Weitere kleinere Feuer in der Region ausgebrochen

Wie die Kreisverwaltung mitteilt, sind weitere Brände in der Region gemeldet worden. Aktuell ist ein Feuer zwischen Werbig und Borgisdorf gelöscht worden. Dort brannte ein Getreidefeld auf 15 Hektar. Zwischen Rohrbeck und Jüterbog war ebenfalls ein Feuer gemeldet worden, das sich aber als Fehlmeldung entpuppte. Im Laufe des Tages wurde auch ein Feuer auf dem Heidehof, dem zweiten Schießplatz der Region, gemeldet

Von Alexander Engels

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