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Auf den Spuren jüdischen Lebens

Luckenwalde Auf den Spuren jüdischen Lebens

Am Jahrestag der Reichspogromnacht trafen sich am 9. November einige Luckenwalder Bürger auf dem jüdischen Friedhof, um einstiger jüdischer Mitbürger zu gedenken, die hier lebten und teilweise von hier in die Konzentrationslager deportiert wurden. Bei einem Stadtrundgang wurde auch an die hiesige Widerstandsgruppe „Gemeinschaft für Frieden und Aufbau“ erinnert.

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Die Gedenktafel am Bahnhof für die Luckenwalder Widerstandsgruppe „Gemeinschaft für Frieden und Aufbau“ war eine der Stationen.

Quelle: Hartmut F. Reck

Luckenwalde. Es war ausgerechnet Martin Luthers 458. Geburtstag, als im ganzen Deutschen Reich die Synagogen brannten. So, wie es der große Reformator am Ende seines Lebens aus Wut über die unbelehrbaren Juden empfohlen hatte, die nicht seinem Glauben folgen wollten. Nur in Luckenwalde brannte die Synagoge in der Nacht vom 9. zum 10. November 1938 nicht. Hier hatte es die Polizei wegen der Reihenbebauung verboten. Zu leicht hätten die Flammen auf nichtjüdische Gebäude übergreifen können.

Erinnerung an Hans und Emil Goldschmidt sowie Mendel Bienenstock

Zum Gedenken an die einstigen Luckenwalder Juden, traf man sich wieder am Abend des 9. November auf dem jüdischen Friedhof im Grünen Weg und lief anschließend einige Stationen jüdischen Lebens ab. Pfarrer Detlev Riemer, der viel zur Geschichte der Luckenwalder Juden geforscht hat und dies nun im Ruhestand immer noch tut, hatte die Route ausgearbeitet, konnte diesmal aber nicht dabei sein. So übernahm seine Nachfolgerin Stephanie Hennings die Leitung. Auf dem Friedhof erinnerte sie an Hans Goldschmidt, der 1912 als junger Arzt gestorben war und hier beerdigt wurde. In der Neuen Bussestraße 6 lebte Mendel Bienenstock, der als polnischer Jude wieder in den Osten abgeschoben wurde, wo sich seine Spur verliert. In der Heinrich-Zille-Straße hatte Emil Goldschmidt ein Damenkonfektionsgeschäft.

Film „Die Unsichtbaren“ erzählt auch das Schicksal von Erich Friede

Vor dem Bahnhof machte man Halt an der Gedenktafel für die Luckenwalder Widerstandsgruppe „Gemeinschaft für Frieden und Aufbau“, die sich auch um versteckte Juden kümmerte. „In den Kinos läuft gerade der spannende Film ,Die Unsichtbaren’ über vier Berliner Juden“, so Hennings, „die die Nazi-Zeit im Versteck überlebt haben.“ Einer davon – Erich Friede – fand in Luckenwalde sein Versteck.

Eine weitere Station auf dem Gedenkrundgang war die ehemalige Luckenwalder Synagoge

Eine weitere Station auf dem Gedenkrundgang war die ehemalige Luckenwalder Synagoge. Sie wurde nicht angezündet, weil die Polizei es aus brandschutztechnischen Gründen verboten hatte. Wegen der Reihenbebauung wären auch die Nachbargebäude gefährdet gewesen.

Quelle: Hartmut F. Reck

Gedenken an Max Pincoff und Ruth Boche

Nach einem Abstecher zur ehemaligen Synagoge in der Puschkinstraße erinnerte man sich am Volltuchgelände an Max Pincoff, der in der Tuchfabrik gearbeitet hatte und im KZ Auschwitz umkam. Vor der Poststraße 13 liegt ein Stolperstein, der an Gerhard Boche erinnert. Hier erinnerte man sich aber am Donnerstagabend an seine Schwester Ruth, die als 19-Jährige wegen „Wehrkraftzersetzung“ zu vier Jahren Zuchthaus verurteilt wurde.

Evangelische Geistliche gaben dem Treiben der Nazis ihren Segen

Von dieser Station war es nicht weit bis zur Johanniskirche, wo man die Menora, den siebenarmigen Kerzenleuchte – eins der wichtigsten jüdisch-religiösen Symbole – entzündete und am Vorabend von Luthers 534. Geburtstag an dessen antijüdischen Äußerungen erinnerte sowie an die Verstrickung evangelischer Geistlicher, die 1938 die Judenverfolgung unterstützen und den Nazis damit praktisch ihren Segen gaben.

Von Hartmut F. Reck

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