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Teltow-Fläming Auf den Spuren Luthers
Lokales Teltow-Fläming Auf den Spuren Luthers
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05:28 16.08.2014
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Jüterbog

Das Faltblatt zum Luther-Tetzel-Weg stellt zwar die Kirchen am Wegesrand vor, zur Radtour selbst sagt es aber wenig. Dabei ist die sehr zu empfehlen. Jüterboger etwa können vom Damm aus auf der Fläming-Skate über Rohrbeck bis Dennewitz radeln, sofern die Schwäne am Blanken Teich dies erlauben. Sie rasten gern am Ufer und wegen der Familiengröße auch schon mal auf dem Radweg. Gern beißen die großen Schwäne in Radlerbeine.

Der Luther-Tetzel-Weg

  • Die Tour beginnt in Jüterbog mit der Besichtigung der Nikolai- und der Liebfrauenkriche.
  • Unterwegs können die Gotteshäuser in Dennewitz, Gölsdorf, Seehausen, Naundorf, Zahna und die Schlosskirche zu Wittenberg besucht werden.
  • Anlass für den Namen des Pilgerwegs war Ablasshandel, der vor 500 Jahren die Reformation ausgelöst hat.
  • Ablass wurde zunächst für jene gewährt, die sich auf Pilgerreise begaben. Die war beschwerlich. So wurde der Ablass gegen Geld erteilt.
  • Der Mönch Johann Tetzel durfte im Erzbistum Magdeburg, wozu Jüterbog zählte, Ablassbriefe auch für künftige Sünden verkaufen, um den Bau des Petersdoms in Rom zu finanzieren.
  • Martin Luther löste mit den 95 Thesen den Theologenstreit und dann die Reformation aus.

Pflaumen hinter der Hochzeitsmühle

Kurz vor Dennewitz hat der Sturm einen Teil eines Pflaumenbaums umgeworfen. Hinter der Hochzeitsmühle wachsen große Eierpflaumen. Kleine gelbe und rote Pflaumen sind fast bis Zahna zu pflücken. Gegenüber der Hochzeitsmühle Dennewitz am Friedhof steht ein mobiles Toilettenhäuschen. Es ist offen und – oh Wunder – sauber. Im Dorf soll die gotische Feldsteinkirche besucht werden, ebenso in Gölsdorf. Der Weg führt zwar über diese Dörfer, doch die Hinweise sind rar. An der „Kiekebank“ fällt der Blick auf das Logo der Luther-Tetzel-Tour – es klebt halb versteckt unter dem Radweg-Schild Berlin-Leipzig.

Die Hochzeits-Mühle in Dennewitz ist ein beliebtes Fotomotiv. Quelle: Behrendt

Ein Blick durchs Kirchenfenster

Von der Bank ist es nur noch ein Kilometer bis Seehausen. Nun geht es direkt durch den hübschen Ort mit der spätromanischen Feldsteinkirche. In Naundorf, auf einer Karte der Fläming-Skate steht „Naudorf“, hat ein Schaf Zuflucht vor der Sonne in einer Hundehütte gefunden. Dahinter grasen Strauße. Sie gehören zur Farm Schlüterhof. Ein Schild vor dem Hoftor informiert über Sehenswürdigkeiten im Ort. Wer es nicht gelesen hat, wird ratlos am spätromanischen Gotteshaus blicken. Die Kirche steht direkt am Weg und ist verschlossen, aber ein Blick durchs Fenster auf das Inventar ist möglich, wenn die Spinnweben beiseite geschoben werden. Beim Rundgang ums gesamte Haus ist kein Hinweis zu entdecken, wer die Schlüssel hat. Auskünfte gibt es im Schlüterhof.

Weiter geht es in Richtung Zahna. Naundorf ist das erste Dorf auf der Tour im Bundesland Sachsen-Anhalt. Von der Grenze an gibt es richtige, gut sichtbar angebrachte Schilder für den Luther-Tetzel-Weg. Der teilt sich den Asphalt mit dem Radweg Berlin-Leipzig. Das ist kein Problem. Auf den 47 Kilometern trifft man gelegentlich auf andere Radler, etwa ein Paar aus Holland und eine deutsche Familie.

Nicht zu übersehen: Das Bauernmuseum in Zahna am Radweg Berlin–Leipzig. Quelle: Behrendt

Besuch im "kleinsten Dorf Deutschlands"

In Zahna wird an der großen Marienkirche gebaut, das Dach wird neu gedeckt. Zuvor ist ein Halt in Ottmannsdorf Pflicht. Der Rastplatz ist gemütlich eingerichtet mit frischen Blumen und Deckchen auf dem Tisch. Vorn auf dem Gästebuch steht, der Ort sei das kleinste Dorf Deutschlands. So klein, dass es von Randalierern und Dieben gemieden wird? Leider nein. Zwei Frauen bringen frische Blumen und erzählen, dass das Gästebuch und die Blumen schon einmal gestohlen worden sind. Namentlich wollen sie nicht erwähnt werden, weil sie nicht zu der Gruppe gehören, die täglich zum Rastplatz kommt, ihn pflegt, dort gemeinsam Kaffee trinkt und plaudert. Dass Touristen das Engagement dieser „Platzwarte“ schätzen, ist in vielen Gästebuch-Einträgen nachzulesen.

Ein Bauernmuseum steht am Eingang von Zahna direkt am Radweg, gleich mit Öffnungszeiten. Landwirtschaftliche Geräte und ein wunderschöner Hof sind schon von draußen zu sehen. Im Gotteshaus der Stadt haben derzeit die Bauarbeiter das Sagen, es ist rundherum eingerüstet. Gegenüber wohnen Störche. Das Kopfsteinpflaster auf der Straße und den Gehwegen versetzen den Besucher in die Vergangenheit zurück. Dem Schild, das geradeaus über den Parkplatz des Nettomarktes weist, ist zu folgen. Am Ende des Platzes geht es nach Bülzig.

Luthers "Thesentür" als großes Ziel

Von abwechslungsreichen Feldern mit frischem Leinsamen und vielen Wildblumen wie Wegwarte und Schafgarbe führt die Route jetzt eineinhalb Kilometer durch den düsteren Wald. Dann ist der 1993 eingerichtete Skulpturenpark erreicht. Junge Künstler bauten damals auf 20 Hektar Kirchenacker unter dem Arbeitstitel „Gastmahl der Engel“ ihre Werke auf. Kreuze aus Eisenbahnschwellen, Metallfiguren und Holzpfähle regen zu Interpretationen an.

Der Skulpturenpark in Bülzig besteht seit 1993. Die Eisenbahnschwellen erinnern an Kreuze. Auch Werke aus Metall und Stein regen die Phantasie auf dem 20 Hektar großen Kunstgelände an. Quelle: Behrendt

Bis Wittenberg ist es von dort aus nicht mehr weit. In Labetz hätte noch ein Hinweis stehen können. In der Friedrichstraße der Lutherstadt ist zu sehen, dass der Weg noch richtig ist. Die Schlosskirche grüßt von weitem. Die Thesentür ist das Ziel. Für das Lutherhaus sollten mehrere Stunden eingeplant werden. Die Stadt ist nicht an einem Tag zu erkunden.

Von Gertraud Behrendt

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