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Aus Liebe zum alten Trecker

Gölsdorfer restauriert einen Stock Aus Liebe zum alten Trecker

Helmut Pielicke aus Gölsdorf hat einen alten Trecker der Marke Stock restauriert. Er selbst kannte den Typ noch aus seiner Kindheit und Jugend auf dem Bauernhof der Eltern. Mit dem restaurierten Stück macht er gern mal Ausfahrten – sehr zur Freude von Urenkel Theo

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Helmut Pielicke mit Urenkel Theo im Stock-Trecker.

Quelle: H.-Dieter Kunze

Gölsdorf. Dass ältere Menschen einen Stock brauchen, ist etwas ganz normales. Aufsehen erregt damit keiner. Es sei denn, es handelt sich um Helmut Pielicke aus Gölsdorf. Der rüstige Achtzigjährige leistet sich nämlich einen Stock der besonderen Art – mit vier Rädern und einem tuckernden Motor. Es ist ein Trecker der einst renommierten Landtechnikfirma Stock aus Berlin.

Der Traktor wurde 1938 gebaut, da war Helmut Pielicke, der gebürtige Gölsdorfer, gerade mal drei Jahre älter. Seine Eltern hatten eine Landwirtschaft. Ein großer Vierseithof lässt noch heute die Dimensionen – und damit verbunden das schier unerschöpfliche Arbeitspensum – erahnen. Da kam ein für damalige Verhältnisse moderner Kleintrecker gerade recht. Findig waren die Werbestrategen schon damals. Sie regten die Bauern zum Nachrechnen an: Pferde brauchen Unmengen an Hafer, um ihre Arbeit zu schaffen. Ein Stock dagegen komme mit maximal zwei Reichsmark für Diesel pro Arbeitstag aus.

Historischer Traktor der Marke Stock bei einer Oldtimer-Show

Historischer Traktor der Marke Stock bei einer Oldtimer-Show.

Quelle: Chr. Späth

Nicht nur deswegen schafften sich Helmut Pielickes Eltern einen solchen Trecker an; zumindest die Feldarbeit wurde etwas leichter. Ab 1955 leistete ein weiterer kleiner, 20 PS starker Stock treue Dienste auf den Gölsdorfer Schlägen. Der Sohn hatte die Wirtschaft übernommen – da zogen „dunkle Wolken“ auf. Die Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG) wurden in der DDR propagiert und die Kollektivierung rigoros durchgesetzt. „Die Kolchose kriegt den Stock niemals!“, schwor sich Helmut Pielicke. In einer Nacht- und Nebelaktion verkaufte er 1960 das gute Stück kurzerhand an einen Privatmann.

Das landwirtschaftliche Leben ging weiter. Mit schwerer, moderner Landtechnik aus LPG-Beständen. Aber ohne Stock fehlte etwas auf dem Pielicke-Hof. Die Kinder waren längst herangewachsen, es folgten Enkel und alle hatten von Helmut Pielicke die Technikbegeisterung geerbt. 2011 etwa machte der Landwirt im Ruhestand ernst: In Thüringen fand er einen Stock. Er holte „den Kleinen“ ab und sich damit eine Menge Arbeit „an den Hals“.

Aber mit Hilfe gleichgesinnter Senioren restaurierte er den Trecker. „Eine Werkstatt haben die Oldtimer nicht gesehen, wir haben alles selbst gemacht“, sagt Helmut Pielicke stolz. Etwa sechs historische Traktoren schraubten sich die Technikfreaks aus mehreren Orten der Gemeinde Niedergörsdorf zusammen. Bei jeder Ausfahrt, die sie nun gemeinsam unternehmen, sind ihnen bewundernde Blicke sicher und bei jedem Treffen wird ausgiebig gefachsimpelt.

So auch kürzlich beim Kartoffelfest in Mark Zwuschen bei Seyda. Da interessierte sich noch jemand brennend für den Stock – der zweieinhalb Jahre alte Theo Pielicke. „Der Junge ist förmlich vernarrt in den Trecker“, sagte der Uropa amüsiert. Stolz saß der Junge am schmucken Lenkrad aus Buchenholz. Mit dem Fahren wird Theo noch etwas warten müssen. Aber neben Uropa kann er ja üben.

Von H.-Dieter Kunze

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