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Aus dem Nähkästchen geplaudert

Modepapst Klaus Ehrlich in Ludwigsfelde Aus dem Nähkästchen geplaudert

Er war mit den Größen des internationalen Modegeschäfts per Du und ließ in Schwerin die Wüste Namib nachstellen: Am Freitag stellte Klaus Ehrlich in Ludwigsfelde seine Biografie aus und unterhielt sein Publikum mit Anekdoten aus seinem bewegten Leben. Praktisch wurde es, als Friseurmeisterin Ute Gaertner auf der Bühne ihrem Modell die Haare machte.

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Seine Mode-Filme machten ihn in der DDR bekannt: Klaus Ehrlich, der am Freitag in Ludwigsfelde seine Biografie vorstellte.

Quelle: Gudrun Ott

Ludwigsfelde. Der Abend versprach unterhaltsam zu werden. Angesagt hatte sich Klaus Ehrlich, der einzige Modefilmer der DDR. Er war angetreten, die Frauen im Osten ein bisschen schicker zu machen. Im Ludwigsfelder Klubhaus stellte er am Freitag seine Biografie „So ehrlich wie möglich“ vor, plauderte zwischendurch in heiterer Gelassenheit von seinen Erlebnissen als Leibregisseur der unvergessenen Helga Hahnemann, erzählte von ihrer gemeinsamen Reise nach Westberlin und wie die Grenzsoldaten der DDR ihn genauestens kontrollierten, die prominente Künstlerin aber mit einem Lächeln durchwinkten.

Um eine Mode-Safari möglichst naturnah zu drehen, nutzte er einen riesigen Sandberg eines Neubaugebietes bei Schwerin. Eine tiefergestellte Kamera machte aus dem Sand ein Wüstenszenario, das den gewaltigen Dünen der Namib ziemlich nahe kam. Knöcheltief sanken die Mannequins ein, stapften und hüpften in schicken Safari-Klamotten fröhlich lachend durch eine scheinbar exotische Dünenlandschaft. Um das Ganze aufzupeppen, ließ Ehrlich Bilder von Krokodilen, Schlangen, Spinnen und anderem Getier in den Film montieren. Ein Parcours der besonderen Art, der den, der die Hintergründe kennt, an das Problem der untergegangenen DDR und seiner Menschen erinnerte. Es gab wenig Luxus, aber man wusste sich zu helfen. So saßen die Mannequins in den Drehpausen aus Mangel an dicken hölzernen Stricknadeln mit angespitzten Kochlöffeln, um sich so die angesagten grobmaschigen, lockeren Pullover zu stricken. Ehrlichs Sendungen strahlte das DDR-Fernsehen immer um die Weihnachtszeit aus, Muntermacher und Lichtblick fürs eigene Volk und Spiegelbild Richtung Westen. Der Großteil des Publikums im Klubhaus war dem Alter nach denen zuzurechnen, die Ehrlichs Modesendungen eigentlich aus DDR-Zeiten gekannt haben müssten. 1974 kam sein erster Film ins Fernsehen, danach durfte er jedes Jahr einen neuen produzieren. Er berichtete aus Paris, trifft Modemacher wie Karl Lagerfeld. Sehr witzig klingt die anekdotische Geschichte, als Klaus Ehrlich sich in feinem Kaschmirmantel und Seidenschal auf solch eine Begegnung vorbereitet und von seinem Pariser Kameramann statt in der erwarteten Limousine mit einem Motorrad abgeholt wird. Er erlebte verrückte Shows vom deutschen Modedesigner Harald Glööckler, „raining men’s“, bei denen es Männer regnete. Überhaupt versteht der Regisseur, der mal Schauspieler werden wollte, wunderbar charmant zu erzählen. Lebendig und abwechslungsreich wurde der Abend durch die eingespielten alten Filmsequenzen, von der Werbesendung Tausend-Tele-Tipps bis hin zum Streifen am FKK- Strand, wo Anhänger der nackten Körperkultur beiderlei Geschlechts begeistert und völlig ungehemmt den Mannequins zuschauen, die hier Strandmode präsentieren. Aus Luckenwalde war die Stylistin und Friseurmeisterin Ute Gaertner mit zwei Modellen angereist, die sie von einem Vorher in ein Nachher verwandelte. Vorgeführt wurden Haare - gefärbt im 3 D-Effekt, asymmetrische Schnitte, Freizeit- und Abendmode. Aus Schönefeld saßen Karin und Reinhardt Hesse im Publikum. Sie hatten die Karten für die Lesung bei der MAZ gewonnen. Reinhardt Hesse gehörte zu den drei, vier Männern, die ihre Frauen hierher begleiteten. Lachend sagte er zur Ungleichheit der anwesenden Geschlechter: „Männer brauchen nicht diese Art von Modeberatung, sie haben ja schließlich ihre Frauen.“ Die wiederum standen an, um sich ihr Buch von Klaus Ehrlich persönlich signieren zu lassen.

Von Gudrun Ott

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