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Ausgelassene Stimmung

Zempern in Ließen Ausgelassene Stimmung

Auf Fastnachtstanz folgt in Ließen Zempern. Dieser Tradition gemäß zogen am Sonntag bis zu 40 bunt kostümierte Frauen und Männer, Mädchen und Jungen in ausgelassener Stimmung durchs Dorf und sammelten Kulinarisches sowie Geld für das Wohl der Dorfgemeinschaft ein

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Bunt kostümiert und bei bester Laune zogen die Ließener am Sonntagmorgen los zum Zempern.

Quelle: Matthias Butsch

Ließen. Im „Gasthaus zum kühlen Grunde“ ging es beim Fastnachtstanz von Samstagabend bis weit in den Sonntag hinein hoch her. Am Sonntag um 9.30 Uhr standen einige Ließener schon wieder in mehr oder weniger Entfernung um den Tresen herum, um sich zum traditionellen Zempern zu versammeln. Und vorerst 20 Frauen und Männer, Mädchen und Jungen, zumeist in lustiger Verkleidung, waren dem Weckruf gefolgt. Im Laufe des Tages kamen weitere dazu, so dass schließlich an die 40 fröhliche Leute mit lautem Hallo und fröhlichem Gesang durchs Dorf zogen.

Der Tradition nach sollen mit Masken, Verkleidung und lauten Rufen Geister und Gespenster vertrieben und der Winter hinweggefegt werden. Da aber schon lange keiner mehr an Dämonen glaubt und es für den Frühling doch etwas zu früh ist, ging es auch in diesem Jahr beim Zempern darum, Speisen, Getränke und so manches Scheinchen für das Wohl der Dorfgemeinschaft einzusammeln. „Mit dem fröhlichen Zempern wollen wir erreichen, dass die Dorfgemeinschaft noch ein Stück näher zusammenrückt“, sagte der Ortsvorsteher und Vorsitzende des Traditionsvereins Ließen, Steffen Petzold. An diesem Sonntag gelang das auch. Bis zum späten Nachmittag ging es von Haus zu Haus in dem rund 70-Einwohner-Dorf mit seinen 38 Haushalten. Überall wurde die illustre Schar schon erwartet und freudig begrüßt.

Bei Jeserigs gleich neben dem Gasthaus gab es nicht nur Buletten, sondern auch saure Gurken, die bei so manchem als Katerfrühstück nach der feuchtfröhlichen Nacht besonders begehrt waren. Die ersten Hochprozentigen wurden erst eingeschenkt, nachdem die Bittsteller gemeinsam die Brandenburg-Hymne gesungen hatten. So stieg schließlich der rote Adler auf. Bei Lenneke und Hans Strey-Froom nebenan wurde schon das Münchener Hofbräuhaus besungen und irgendwann war dann auch von Hawaii die Rede, wo es angeblich überhaupt kein Bier gibt. „Ich finde das Zempern nach wie vor schön, obwohl ich schon lange nicht mehr mitgehe“, sagte Elfriede Paschke. Die 85-Jährige erinnerte sich an ihre Zempertouren in der Jugendzeit und freute sich, dass heute unter den Zemperern ihre Kinder und Enkelkinder sind.

Roland Claus wusste zu berichten, dass Fastnachtsfeiern und das Zempern eine uralte Tradition auch in Ließen sind. „Nur während und nach dem Zweiten Weltkrieg gab es mal eine Unterbrechung“, erzählte der Ortschronist, „und danach haben wir heute immerhin schon wieder unseren 67. Zemper-Umzug.“ Und von einer etwas neueren Tradition bleiben auch die Durchreisenden in Ließen nicht verschont: Jedes Auto wird angehalten und von den Insassen wird Wege-Zoll für die Ließener Gemeinschaftskasse verlangt. Die meisten Autofahrer machen mit und ihre Gesichter werden heller, wenn sie als Gegenleistung ein paar Klemmkuchen oder Süßigkeiten und einen Freifahrtschein für die eventuelle Rückfahrt durchs Dorf erhalten.

Von Matthias Butsch

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