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Auslöser für die Spaltung der Kirche

Jüterbog Auslöser für die Spaltung der Kirche

Martin Luther war zwar nie selbst in Jüterbog, sein Gegenspieler Johann Tetzel aber sehrwohl. Hinweise dafür gibt es noch heute. In der Südkapelle der Nikolaikirche stehen drei Dinge, die den Ablasshandel Tetzels fassbar machen.

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Dieser massiv gesicherte Geldkasten in der Jüterboger Nikolaikirche ließ schon vor 500 Jahren die Münzen klingeln.

Quelle: Peter Degener

Jüterbog. Martin Luther hat nie märkischen Boden betreten. Doch in Jüterbog, nur rund 40 Kilometer von seiner Gemeinde in Wittenberg entfernt, bahnte sich im Jahr 1517 die bis heute andauernde Spaltung der Christenheit an, die so eng mit seinem Namen verbunden ist.

Denn vor dem Thesenanschlag Luthers, der am Reformationstag gefeiert wird, stand sein Zorn auf Johann Tetzel, der in Jüterbog ein Geschäft mit Ablässen machte. „Luther war selbst Beichtvater und erfuhr dadurch von den Wittenbergern, dass ihnen andernorts ihre Sünden bereits vergeben worden waren. Sie lasen ihm aus den Ablassbriefen vor und das brachte ihn auf die Palme“, fasst der frühere Jüterboger Superintendent Hans-Jochem Göbel zusammen, was Jüterbog zur „Stadt des Anstoßes“ zur Reformation gemacht hat.

Tetzel in der Nikolaikirche

In der Jüterboger Nikolaikirche soll Tetzel damals gepredigt und die Freibriefe ins Paradies verkauft haben. Kraft „der mir hierfür übertragenen Vollmacht spreche ich Dich los von den kirchlichen Zensuren, ebenso von allen Sünden, Vergehen und noch so schweren Gesetzesübertretungen, die bis jetzt von dir begangen worden sind“, wird der Inhalt überliefert. Dem Käufer sollen „beim Absterben die Tore der Strafen verschlossen und geöffnet sein die Pforten zu den Freuden des Paradieses“. Damit ließ Tetzel die bisherige Praxis der Vergebung weit hinter sich.

In der Südkapelle der Nikolaikirche stehen drei Dinge, die den Ablasshandel Tetzels bis heute fassbar machen. Der „ Tetzelkasten“ ist das bekannteste Objekt, diente vermutlich aber nie als Tresor, sondern nur als Aktenschrank. Ein prächtiger Cranach-Altar zeigt das Fegefeuer und stellt drastisch die Strafen dar, die sich per Ablass vermeiden ließen. Durch zahlreiche Kratzspuren auf dem Kunstwerk wird aber auch der Streit um den Glauben sichtbar, der fortan in Gemeinden und schließlich in zerstörerischen Kriegen ausgefochten wurde.

Geldtruhe könnte Tetzel beim Ablasshandel gedient haben

Recht unscheinbar, aber dick gepanzert steht zudem eine Geldtruhe im Raum. „Die stammt aus der Zeit Tetzels und könnte ihm beim Ablasshandel gedient haben“, sagt Pfarrer Bernhard Gutsche. Ein schweres Schloss und auf der Oberseite ein Münzschlitz machen die Truhe zum wahren Tetzelkasten. „Tetzel hat den Flächenbrand ausgelöst, das ist nicht zu leugnen. Er war aber eben auch nur der Auslöser und nicht der Grund“, sagt Gutsche mit Blick auf die Vielzahl der Thesen Luthers und frühere Reformbewegungen der Kirche. Für Göbel war Tetzel „ein sehr eifriger Katholik, der unbedingt persönlichen Erfolg haben wollte.“

Die unmittelbaren Folgen der Reformation für die Stadt haben wiederum mit der Nähe zu Wittenberg zu tun. „Dort studierten die Söhne der Ratsherrren und Kaufleute. Sie trugen in ihre Familien das Gedankengut Luthers hinein und die Stimmung kippte schnell“, sagt Göbel. Doch weil die Stadt vom Erzbistum Magdeburg abhängig war und von dort mit dem Verlust der Gerichtsbarkeit gedroht wurde, dauerte es lange, bis der erste evangelische Pfarrer angestellt wurde. „Erst 1540 hat sich Jüterbog die Freigabe des Bekenntnisses erkauft und wurde selbst eine protestantische Stadt“, sagt Göbel.

Von Peter Degener

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