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Ausstellung: Augen voller Kriegsangst

Kloster Zinna Ausstellung: Augen voller Kriegsangst

In der Kirche in Kloster Zinna bringen Fotos von Claudia Bachmann in einer Ausstellung die persönlichen Schicksale von Flüchtlingen näher. Sie hat Asylbewerber interviewt und fotografierte ihre Augen, als sie ihre Erlebnisse schilderten, die sie zur Flucht bewegten.

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Fotos, die Augen von Kriegsflüchtlingen zeigen, von Claudia Bachmann sind in der Klosterkirche Zinna zu sehen.

Quelle: ngela Rändel

Kloster Zinna. Ergreifende Fotoaufnahmen zum Flüchtlingsthema sind seit Karfreitag in der Kirche von Kloster Zinna zu sehen. Pfarrerin Mechthild Falk rang bei ihrer Andacht, die mit der Ausstellungseröffnung verbunden war, mit den Worten, als sie über die Opfer des jüngsten Giftgasangriffes in Syrien sprach. Das Engagement der Theologin für Schutzbedürftige ist längst weit über Jüterbogs Grenzen hinaus bekannt.

Pfarrerin und Fotografin lernen sich kennen

Darüber kam sie auch mit der Künstlerin Claudia Bachmann in Kontakt. Die beiden engagierten Frauen lernten sich in einem Berliner Seminar zur Flüchtlingshilfe kennen. Die Regisseurin, Malerin und Fotografin suchte sich einen eigenen Zugang, um mehr über die Menschen zu erfahren, die in Todesangst fliehen mussten. Sie fand, dass deren Schicksal in der Bilderflut von Krieg und Terror untergegangen und über Debatten zu Obergrenzen und Abschiebehaft vergessen worden ist.

Claudia Bachmann befragte die Geflüchteten vorwiegend in einer Flüchtlingsunterkunft in Reinickendorf. „Ich versuchte ein überschaubares Projekt zu machen, bei dem ich in Kontakt mit geflüchteten Menschen komme, um genau dieser Frage, warum sie geflüchtet sind, auf den Grund zu gehen“, berichtet sie, „meine Haltung war: Ich weiß gar nichts und höre zu. Für die Gespräche nahm ich mir sehr viel Zeit, dadurch entstand Nähe. Mich interessierte vor allem der konkrete Auslöser, der dazu führte, dass die Familien aufbrachen und alles hinter sich ließen.“

Postkartenprojekt „Blick zurück“ initiiert

Sie realisierte das Postkartenprojekt „Blick zurück“ mit Fotografien, deren Fokus auf den Augen der Portraitierten liegt. In sie hat sich das Grauen des Krieges eingeschrieben. Ein knapper Text erhellt den Grund zur Flucht – etwa bei einem sunnitischen General aus dem Irak: „Vier Leute in Zivil kamen in unser Haus und überbrachten einen Brief von der ISIS: ,Da Sie für das Militär arbeiten und damit die Ungläubigen unterstützen, wurde beschlossen, dass Sie und Ihre Familie geköpft werden.’“ In den Augen des Generals wird die Erinnerung an den Moment wach, als er die Entscheidung traf, alles aufzugeben und mit der Familie zu fliehen.

Am Karfreitag standen die Aufnahmen vor dem Altar der Klosterkirche Zinna. Selbst das riesige Baugerüst konnte die Intensität der Fotos nicht schmälern. Die Bilder fordern auf, genau hinzusehen und innezuhalten. Die Todesfurcht der Menschen wahrzunehmen. „Ich wollte Fotos machen, bei denen die Dargestellten ganz bei sich und ihrer Erinnerung sind“, sagt Bachmann, „die Fotos sollten keine Aufforderung an den Betrachter stellen, sondern die Möglichkeit geben hinzusehen, Empathie zu entwickeln.“

Die Ausstellung und die Andacht knüpften damit an die politische Lage vor zwei Jahren an. Damals auf dem Höhepunkt der Flüchtlingsströme in Richtung Deutschland rief Bundeskanzlerin Angela Merkel zur Willkommenskultur auf. Eine Mehrheit der Deutschen half damals Kriegsflüchtlingen. Doch die Stimmung ist gekippt. Inzwischen sind viele verunsichert und unterscheiden kaum zwischen Asylsuchenden, Wirtschaftsflüchtlingen und Terroristen. Falk warnte vor dem diffusen Unbehagen gegenüber Fremdem und ermunterte: „Schaut nicht weg!“

Von Angela Rändel

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