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Teltow-Fläming Auszeit vom Fluglärm: Stiller Himmel über Mahlow
Lokales Teltow-Fläming Auszeit vom Fluglärm: Stiller Himmel über Mahlow
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00:17 17.03.2017
So flugzeugfrei ist der Himmel über dem Haus von Gudrun Claus üblicherweise nicht. Hier fliegen sonst die Maschinen nach Schönefeld im Landeanflug entlang. Quelle: Johannes Zimmermann
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Mahlow

Es ist ruhig über den Dächern von Mahlow. Die Straßen im Zentrum sind dicht befahren, alle 20 Minuten rattert die S2 über die Gleise. Ein Geräusch, das sonst eher untergeht – gerade ist es wohl das lauteste in dem Ort. Denn der Himmel ist quasi verkehrsberuhigt. Wegen des erneuten Streiks am Flughafen Schönefeld fliegen seit Montag keine Flugzeuge über den, der normalerweise zu den am stärksten vom Fluglärm betroffenen Bereichen gehört.

Den einen fehlt was, die anderen können endlich durchschlafen

„Wenn man morgens im Bett liegt, merkt man, dass was fehlt“, sagt Annika Röming. Sie lebt in Mahlow und ist die Flieger gewohnt. Normalerweise gehe es ja morgens um sechs Uhr schon los. Dass gestern etwas anders war, hat sie gemerkt, sagt sie. So geht es auch Gudrun Claus. Sie wohnt in Glasow, etwa zwei Kilometer vom Beginn der neuen Süd-Landebahn entfernt, genau im Flugkorridor. Seit Jahren kämpft sie für die Umsiedlung der Anwohner am Kienitzberg. „Heute hört man endlich auch mal wieder die Vögel piepsen“, erzählt sie. Sie könne die Ruhe tatsächlich genießen. Die Nacht auf Montag hat Gudrun Claus richtig durchgeschlafen, ausnahmsweise. „Ich bin so gepolt, dass ich bei jedem Flieger aufwache“, sagt sie. Im Sommer, wenn das Fenster nachts auf ist, kann sie nur mit Ohrstöpseln schlafen. Man könne sich an den Flughafen auch nicht gewöhnen wie an eine S-Bahn, sagt sie. Die fahre im regelmäßigen Takt mit immer denselben Fahrzeugen. Das sei bei den Flugzeugen natürlich nicht so.

Nicht jeder bemerkt die Ruhe

Allerdings merkt nicht jeder, dass es ruhiger ist als sonst in Mahlow. Manchen fällt die Ruhe erst auf, als sie darauf angesprochen werden. „Herrlich!“, sagt Tim Willis da. Das Fernsehgucken und Telefonieren sei bei offenem Fenster üblicherweise sehr schwierig. Beim Schlafen stören die Flugzeuge ihn jedoch nicht. „Bei uns in der Familie schlafen wir alle wie Steine“, sagt Sohn Felix Willis. Auch Ingrid Thiele stört der Fluglärm normalerweise ebenfalls nicht so viel. Sie hört die großen Maschinen höchstens mal im Garten, sagt sie.

Ferienhaus derzeit nicht nutzbar

Heidemarie und Eberhard Schmidt haben ein Ferienhaus in Mahlow, der Flughafen ist nicht weit. Dennoch finden sie den Verkehr, der aktuell in Schönefeld anfällt, in Ordnung. Sie hätten das Grundstück schon zu DDR-Zeiten gekauft und kannten den Fluglärm somit von Anfang an, sagt Heidemarie Schmidt. „Wäre jetzt Sommer, dann wären diese zwei Tage Ruhe natürlich traumhaft schön.“ Doch wegen der Jahreszeit ist ihr Anwesen derzeit weniger nutzbar und so merkt das Ehepaar nicht viel vom flugzeugfreien Himmel über Mahlow.

„Wundere mich immer, warum sich alle so aufspielen“

Und es gibt weitere Menschen, die die Aufregung rund um den Flughafen und den damit einhergehenden Lärm nicht teilen. „Ich wundere mich immer, dass sich alle so aufspielen und sich aufregen. Man muss doch mal die Kirche im Dorf lassen“, sagt Ilona Hennig. Sie bezeichnet sich selbst als leidenschaftliche Mahlowerin. Wer vor 20 oder 30 Jahren hierher gezogen sei, der habe doch gewusst, was auf ihn zukomme, sagt sie. Die DDR-Propellermaschinen seien früher noch deutlich lauter gewesen. Ihr Ehemann Hans Hennig ist der Meinung, ein Nachtflugverbot sollte in jedem Fall eingeführt werden. „Aber tagsüber zu jammern geht nicht, da muss man dann schon wegziehen“, sagt er. Ähnlicher Meinung ist Christel Matzke, die den Fluglärm noch vom alten Flughafen in Berlin-Tempelhof kennt. „Da hatten wir auch keinen Lärmschutz“, sagt sie.

Viele nutzen die Ruhe

Die Ruhe jetzt nutzen aber viele: Wem es zeitlich passt, der hat sich für die Streiktage nette Außenaktivitäten gesucht. Diethard Günther aus Mahlow nutzt die kurzfristige Ruhe zur entspannten Gartenarbeit. „Die Sonne scheint, das ist doch ein schöner Zufall“, sagt er. Denn gerade draußen, außerhalb von Räumen mit Lärmschutzfenstern, empfindet er den Fluglärm über seinem Haus ansonsten als besonders schlimm.

Lärmstation registriert nur wenige Flieger

Der Rentner betreibt eine Lärmstation, am vergangenen Freitag – dem ersten Streiktag – zählte diese nur 15 anstelle von 120 bis 130 Flugzeugen. „Der Unterschied ist deutlich zu spüren“, sagt Diethard Günther. Für ihn könnte es gerne weiter so bleiben. „Die paar Stunden ohne Flugbetrieb sind zwar schön, doch langfristig hilft es uns hier natürlich überhaupt nicht weiter“, sagt er mit Blick auf die Zeit nach dem Streik.

BVBB: Nachtflugverbot bewegt uns mehr als der Streik

Das sieht auch Christine Dorn, Vorsitzende der Berliner und Brandenburger Bürgerinitiative gegen Fluglärm (BVBB) so. „Uns bewegt das Nachtflugverbot viel mehr, als wenn wir hier mal zwei Tage Ruhe wegen des Streiks haben“, sagt die Bohnsdorferin. Natürlich hätte sie die neugewonnene Ruhe gern dauerhaft. „Doch wenn es so vorübergehend und nicht-planbar wie bei einem Streik ist, bringt mir das nicht viel.“ Christine Dorn würde sich eher über ruhige Tage am Oster- oder Pfingstwochenende freuen. „Während des Streiks muss ich jedoch arbeiten und habe dementsprechend gar nicht so viel davon.“

Dorn: Höhere Ticketpreise würden Kapazitätsproblem lösen

Sowohl für Christine Dorn als auch für Diethard Günther sind die Gründe des Streiks wichtiger, als die kurze Ruhe über ihren Häusern. „Für so einen niedrigen Lohn kann man einfach keinen zuverlässigen und sicheren Service vom Bodenpersonal verlangen“, sagt Christine Dorn. Ihrer Meinung nach müssten die Ticketpreise deutlich höher sein, um eine angemessene Bezahlung der Flughafenmitarbeiter zu gewährleisten. „Wenn das mal irgendwann ankäme, würden wohl auch viele Wochenend-Rucksackreisende wegfallen“, sagt sie. „Und damit würde sich das Kapazitätsproblem am Flughafen erübrigen.“

Fröhlich: Ohne Fluglärm wäre es richtig lauschig

Auch Alexander Fröhlich, Referent des Bürgermeisters von Blankenfelde-Mahlow, könnte sich an die Ruhephase gewöhnen. „Ich wohne direkt in der Einflugschneise, deshalb nehme ich den Fluglärm sehr intensiv wahr.“ An Tagen wie diesen falle ihm immer wieder auf, wie schön die Gemeinde Blankenfelde-Mahlow eigentlich sein könnte – besonders im Frühling, wenn man das Zwitschern der Vögel lauter hört, als das Brummen der Flugmotoren. „Wenn es keinen Fluglärm gäbe, wäre es hier bei uns richtig lauschig“, sagt er. Diese Erkenntnis helfe allerdings auch nicht richtig weiter. Denn: „Mit der bevorstehenden Öffnung des BER droht uns hier ja noch einmal eine vierfache Lärmbelastung.“

Von Johannes Zimmermann und Anja Meyer

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