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Teltow-Fläming Azubis führen Regie auf der Krankenhaus-Station
Lokales Teltow-Fläming Azubis führen Regie auf der Krankenhaus-Station
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10:43 27.02.2018
Azubi Sarah Lublow (2.v.r.) misst bei Christin Goldenbaum den Blutdruck. Fachkraft Isabel Abicht (l.) und Lehrerin Aileen Wernicke stehen ihr zur Seite. Quelle: Elinor Wenke
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Luckenwalde

Auf Station A – der allgemein-chirurgischen Abteilung im Luckenwalder DRK-Krankenhaus – herrscht in diesen Tagen besonderes Gewusel und trotzdem geordnete Betriebsamkeit. Viel mehr Personal als sonst ist dort unterwegs und kann sich um die Patienten kümmern. Das hat seinen guten Grund: Hier läuft das bewährte Projekt Schulstation. Die außergewöhnliche Aktion endet am Freitag.

Die Azubis Kathleen Weigmann, Hannes Meske, Sarah Lublow und Charlene Koberstein (v.l.) mit ihrer Lehrerin Aileen Wernicke (r.). Quelle: Elinor Wenke

15 angehende Gesundheits- und Krankenpfleger, darunter auch vier junge Männer, hatten hier drei Wochen lang das Sagen und leiteten die Station in eigener Regie. „Wir haben uns zuvor in drei Arbeitsgruppen eingeteilt“, berichtet die 22-jährige Sarah Lublow. Eine Gruppe hat Mitarbeiter und Patienten mit Flyern über das Experiment informiert, eine andere hat die Dienstpläne erstellt und die dritte Gruppe hat die Schüler im Unterricht auf die Aufgaben der Station vorbereitet.

„Wir sind verantwortlich für die gesamte Pflege“, erklärt Sarah Lublow, „von der Patientenaufnahme bis zur Entlassung.“ Die künftigen Fachkräfte bereiten die Patienten auf Operationen und Untersuchungen vor und kümmern sich nach dem Eingriff um sie, sind bei der Chefarztvisite dabei, dokumentieren jeden Handgriff. Blutdruckmessen und Spritzen gehören ebenso dazu wie die Verabreichung von Medikamenten und der Verbandswechsel. Zwischendurch bedienen sie das Telefon, sprechen mit Angehörigen und haben für die Patienten ein aufmunterndes Wort übrig. Auch wenig appetitliche Arbeiten wie die Entsorgung von Enten und Schiebern gehören dazu. „Aber das kennen wir schon seit dem 1. Lehrjahr“, sagt Sarah Lublow, „das macht mir nichts mehr aus.“

Zum Projekt Schulstation

Das Projekt Schulstation wird im Luckenwalder DRK-Krankenhaus zum dritten Mal durchgeführt.

Drei Wochen lang übernehmen Auszubildende des 3. Lehrjahres der Schule für Gesundheitsberufe die komplette pflegerische Leitung für eine Station.

Ziel ist, dass die Azubis eigenverantwortlich in der Praxis arbeiten und sich optimal auf die bevorstehende Abschlussprüfung vorbereiten.

Die Gesundheitsschüler sind für alle Tätigkeiten im Stationsalltag verantwortlich.

Die Azubis werden während der Zeit von examinierten Pflegekräften der Station und den Lehrern begleitet.

Die 22-Jährige hat in der Gesundheits- und Krankenpflegeausbildung ihren Traumberuf gefunden. „Praxis war bisher immer dabei, aber jetzt können wir ganz kompakt erleben, wie der Stationsalltag läuft“, sagt sie. Am ersten Tag hatte sie gleich Spätdienst und ihr war etwas flau im Magen, doch es lief alles gut. „Besonders gefällt mir die Nähe zum Patienten. Und man darf selbst den Ton angeben und Arbeiten delegieren“, sagt sie.

Am schwersten ist Sarah Lublow die Auswertung der Visiten gefallen, also die Anweisungen der Ärzte sofort umzusetzen. „Man muss Prioritäten setzen. Und außerdem kann man die Schrift der Ärzte manchmal kaum entziffern“, sagt sie.

Aileen Wernicke, Lehrerin an der Schule für Gesundheitsberufe, hat ihren Schützlingen über die Schulter geschaut. „Nach den Prüfungen beginnt für sie im Herbst der ernste Berufsalltag“, sagt die 35-Jährige, „aber sie haben das schon sehr souverän gemeistert und dabei alle drei Schichten abgedeckt, auch in der Nacht.“ Laut Aileen Wernicke wird die Schulstation jedes Jahr in einer anderen Abteilung eingerichtet. „Die einzelnen Stationen können ihren Bedarf anmelden und sich bewerben“, erklärt die Lehrerin.

Für 25 Betten voll verantwortlich

Von den insgesamt 35 Betten der Station waren die Azubis für 25 voll verantwortlich. 70 bis 80 Patienten sind immerhin durch ihre Hände gegangen, rechnet Sarah Lublow aus. „Eine Patientin fühlte sich so gut betreut, dass sie gar nicht mehr nach Hause wollte“, sagt Sarah Lublow.

Auch Enrico Ukrow, Kaufmännischer Direktor des Krankenhauses, begrüßt die Verjüngung auf der Station. „Als Verwaltung unterstützen wird das Projekt und wollen es zu einem festen Bestandteil machen“, sagt er. „Und vielleicht freuen sich auch die alten Hasen über die Unterstützung und den frischen Wind auf der Station“, so Ukrow.

Geteiltes Echo der „alten Hasen“

Das Echo der „alten Hasen“ fällt zweigeteilt aus. Einerseits habe man zusätzliches Personal, andererseits die Belastung, alles zu überwachen, zu kontrollieren und zu begutachten. „Beim Zeitmanagement und bei der Dokumentation gibt es noch Nachholbedarf“, räumt Kranken- und Gesundheitspflegerin Isabel Abicht ein und relativiert zugleich die Aussage: „In der letzten Woche hat es schon viel besser geklappt als in der ersten und 90 Prozent der Schüler wissen, wie ein Tag auf Station laufen muss.“

Patienten profitieren vom Zusatz-Personal

Die Patienten jedenfalls sind zufrieden. Sie profitieren vom zusätzlichen Personal und der Zeit, die ihnen gewidmet wird. Christin Goldenbaum findet es gut, dass die Azubis nicht nur die Theorie, sondern auch die Praxis im Krankenhaus lernen. „Sie kamen meistens zu zweit ins Zimmer. Das war schön, da konnte man auch mal ein bisschen quatschen“, erzählt die 26-Jährige.

Die Patienten konnten ihre Meinungen und Einschätzungen schwarz auf weiß in eine Zettelbox verfrachten. Das Ergebnis war eindeutig: Die Azubis erhielten die Schulnoten 1 bis 2.

Von Elinor Wenke

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