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BER-Schallschutz soll deutlich teurer werden

Architekt im MAZ-Gespräch BER-Schallschutz soll deutlich teurer werden

Die Kosten für den Schallschutz am neuen Hauptstadtflughafen BER in Schönefeld liegen deutlich höher als derzeit angenommen. Das sagt der Vizepräsident der Brandenburgischen Architektenkammer, Andreas Rieger, im MAZ-Gespräch. Rieger kennt auch die Gründe dafür.

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Andreas Rieger

Quelle: SAH-PHOTO Simone Ahrend

Schönefeld. Die Kosten für den Schallschutz liegen wohl deutlich höher, als stets angenommen. Das sagt jedenfalls der Architekt Andreas Rieger.


MAZ:
Herr Rieger, Sie haben sich mit den Problemen von Lärm-Betroffenen am BER, dem Spektrum der baulichen Schallschutzmaßnahmen und Widersprüchen in den Anspruchsermittlungen beschäftigt. Jetzt warnen Sie betroffene Bauherren vor Kosten.

Andreas Rieger: Bei der Auflistung von Schallschutzmaßnahmen fehlt die Ermittlung der Nebenkosten für die objektbezogene Ausführungsplanung und Bauüberwachung. Das heißt konkret, dass der meist sachunkundige Bürger den oft umfangreichen Auftrag für Schallschutzmaßnahmen bei einer Fachfirma selbst auslösen, die Arbeiten kontrollieren und überwachen soll. Sucht er da Hilfe, muss er die Kosten selbst tragen. Weil das viele Bauherren nicht übernehmen, drohen Bauschäden. Bauen ohne Bauüberwachung durch einen Sachkundigen funktioniert in der Regel nicht. Es wäre fair, wenn die Fachleute, die im Auftrag des Flughafens tätig sind, darüber informieren würden.

Hat die Architektenkammer dieses Thema inzwischen im Dialogforum oder mit Schallschutzexperten der Flughäfen angesprochen?

Rieger: Vor reichlich einem halben Jahr haben wir als Architektenkammer mit dem Flughafen gegenseitig unsere Positionen ausgetauscht. Dabei ging es aber nicht um einzelne Arten der Bauausführungen oder individuelle Fragen, sondern um die Grundlage der vom Flughafen vorgeschlagenen Maßnahmen. Die ist für den Flughafen der Planfeststellungsbeschluss und sind nicht die DIN-Normen oder die anerkannten Regeln der Technik. Daher enthalten die Anspruchsermittlungen oft gar nicht alle notwendigen Bauleistungen, die für ein zielführendes Ergebnis erforderlich sind. Es wäre gegenüber den Betroffenen angemessenen, wenigstens über diesen Umstand zu informieren. Mitglieder der Architektenkammer wurden dazu eingeladen, sich intensiv in die Beratungen des Dialogforums einzubringen. Das haben wir gemacht, nur spiegeln die Protokolle der Arbeitsgruppe die Bedenken nicht wider. Wir bleiben an diesem wichtigen Thema dran. Denn aus unserer Sicht müsste eine bürgernahe Beratung auch über Fragen der fachgerechten Bauüberwachung und die dafür anfallenden Kosten sowie zusätzlich notwendige Maßnahmen wegen der Bauphysik, der Gestaltung oder der Nutzung des Gebäudes informieren, auch wenn diese nicht durch den Flughafen übernommen werden.

Warum ist es aus Ihrer Sicht so wichtig, dass der Bauherr von unabhängigen Fachleuten beraten wird, wenn er Aufträge auslöst, die Bauausführung kontrolliert und gegebenenfalls reklamiert?

Rieger: Weil die Anspruchsermittlungen nicht die tatsächliche Gebäudesituation insbesondere in Bezug auf die Bauphysik und die Haustechnik widerspiegeln, sondern nur die theoretisch nötigen Schallschutzmaßnahmen zur Erreichung des vorgegebenen Schutzziels. Es gibt viel mehr Fragen zu einem Haus als Baukörper zu beantworten als die im Rahmen der Anspruchsermittlungen. Da ist Beratung wichtig. Letztlich ist ein Bauherr immer für die Baumaßnahme selbst verantwortlich und kann dies auch nicht delegieren.

Haben Sie ein Beispiel?

Rieger: Zum Beispiel muss entschieden werden, ob eine Innen- oder Außendämmung am Gebäude vorteilhaft ist. Jede dieser Maßnahmen hat Vor- und Nachteile. Mit den Anspruchsermittlungen wird scheinbar vermittelt, dass zum Beispiel beim Einbau der Innendämmung und der Ausstattung mit Zuluft-Lüftern auch die bauphysikalischen Bedingungen eingehalten werden. Richtig ist vielmehr, dass negative Nebenwirkungen bei bestimmten Gebäuden zu erwarten sind, wenn die Abluftsituation oder die Nutzung der Wand- oder Deckenaufbau in Bezug auf seine bauphysikalischen Eigenschaften nicht hinreichend berücksichtigt wird. Auch über neue Erkenntnisse sollte der Bauherr informiert werden.

Teilen Sie die Meinung, dass der Einbau der Schallschutzmaßnahmen Handwerker, Ingenieure und Architekten der Region noch auf mehrere Jahre beschäftigen wird, weil die Kapazitäten fehlen?

Rieger: Das Bauvolumen ist inzwischen so hoch, dass für die Umsetzung tatsächlich Kapazitäten bei den Fachfirmen fehlen. Hinzu kommt, dass der Schallschutz vermutlich viel teurer wird als kalkuliert, da die Nebenkosten für die Bauüberwachung und notwendige zusätzliche Leistungen bisher nicht berücksichtigt worden sind.


Von Uta Schmidt

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