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Teltow-Fläming Barrierefreie Artilleriekaserne in Jüterbog
Lokales Teltow-Fläming Barrierefreie Artilleriekaserne in Jüterbog
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05:10 14.04.2016
Ein historisches Mannschaftsgebäude in Jüterbog II, bekannt als „Expo“-Kaserne, wird denkmalgerecht für altersgerechte Wohnungen der Arbeiterwohlfahrt umgebaut. Quelle: Peter Degener
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Jüterbog

Zehn Mann und ein Unteroffizier drängten sich ursprünglich in einer Stube des Kasernengebäudes an der Tauentzienstraße in Jüterbog II. Statt kameradschaftlicher Enge soll schon im Frühjahr 2017 geräumiges und vor allem altersgerechtes Wohnen in den Räumen des einstigen Mannschaftsgebäudes des „Lehrregiments der Feldartillerie-Schießschule“ herrschen. Seit kurzem entstehen dort 60 Wohnungen. Die meisten davon sind 50 Quadratmeter groß, haben ein Zimmer sowie Küche und Bad.

Neben Wohnungen finden seniorengerechte Angebote Platz im Haus

Auf den 3500 Quadratmetern Gesamtfläche werden neben den Wohnungen eine Physiotherapie, ein Friseur und ein Kosmetiker sowie ein Arzt Platz finden. Außerdem soll es im Erdgeschoss einen Kiosk sowie im Dachgeschoss Gemeinschaftsräume und zwei Terrassen geben. Mit zwei Fahrstühlen und einem Treppenlift am Haupteingang wird das Haus barrierefrei erschlossen. Bereits Ende Mai soll eine Musterwohnung fertiggestellt sein.

Rainer Pfau aus Berlin ist Generalplaner des Umbaus und einer der Investoren des Projekts. Quelle: Peter Degener

Entwickelt wurde das Projekt von einer früheren Eigentümergesellschaft, welche die fertigen Pläne samt Baugenehmigung Ende 2015 an den jetzigen Bauherrn verkauft hat. Dieser nennt sich „Jüterboger Seniorenprojekt GbR“, hat seinen Sitz in Berlin und ist „ein Zusammenschluss verschiedener Leute, hauptsächlich Ärzte“, sagt Rainer Pfau. Der Berliner Ingenieur ist nicht nur der Generalplaner des Umbaus, sondern auch selbst einer der Investoren. Der Umbau kostet die Gruppe „einen mehrstelligen Millionenbetrag“, über die genaue Summe schweigt Pfau sich aus. Mit der Arbeiterwohlfahrt (Awo) in Potsdam haben sie bereits einen Vertrag als künftigen Generalmieter geschlossen. Für die Awo sind zudem Tagungsräume vorgesehen.

Die Denkmalpflege lobt den Umbau

Im Inneren finden derzeit Abbrucharbeiten statt – etwa in den Duschräumen aus der Nutzung durch sowjetische Truppen. Im Umfeld werden gefällte Bäume zerkleinert, doch der Bauleiter verspricht, dass viele der großen Bäume rund um das Haus stehen bleiben. In den nächsten Tagen rücken die Zimmermannsleute an, um den Dachstuhl denkmalgerecht zu sanieren.

Die Denkmalschützer äußern sich lobend über den Umbau. „Die Eigentümer haben die historische Bedeutung erkannt, selbst dazu recherchiert und alle relevanten Dinge mit eingebracht“, sagt Rita Mohr de Pérez, Leiterin der Unteren Denkmalschutzbehörde des Kreises. Die Struktur der langen Flure bleibt bestehen, alte Türen werden aufgearbeitet und die Fenster nach historischem Vorbild neu angefertigt. Im Haupteingang werden Putzornamente wie der Gardestern des Schwarzen Adlerordens erhalten.

Aus der Geschichte

Über 100 Jahre lang wurde in Jüterbog das Schießen mit Artillerie geübt. Ab 1890 entstand der heutige Stadtteil Jüterbog II, da die Artillerie-Schießschule des preußischen Heeres aus Berlin nach Jüterbog verlegt wurde.

An zwei getrennten Schulen für sogenannte Feldartillerie und Fußartillerie lernten Offiziere und Mannschaften den Umgang mit der immer komplexeren Kriegstechnik.

Nach preußischer Armee, Reichswehr und Wehrmacht waren ab 1945 sowjetische und russische Truppen dort. Seit 1991 stehen die Häuser nördlich der Tauentzienstraße leer.

„Das Haus war eigentlich in einem erstaunlich guten Zustand. Die Decken und Wände sind komplett tragfähig“, sagt Pfau über den Bau des Berliner Militärarchitekten Ernst August Roßteuscher, der die Kaserne um 1898 entwarf. Nur im Dach sind manche Balken aufgrund undichter Stellen und Fäulnis stark beschädigt.

Ein Lichtblick für den Stadtteil Jüterbog II

Im Haupteingang existiert noch preußischer Deckenschmuck. Quelle: Peter Degener

Der Umbau ist ein Lichtblick für den Jüterboger Stadtteil, der gerade in das Förderprogramm Soziale Stadt aufgenommen worden ist. Entlang der Tauentzienstraße stehen noch eine Reihe weiterer Gebäude der früheren Feldartillerie-Schießschule, denen man 25 Jahre Leerstand deutlich ansieht. „Vieles hier ist in einem wirklich schlechten Zustand. Da hätte man mit wenig Geld viel schützen können“, schätzt Pfau. Wollen er und die Investorengemeinschaft auch dort aktiv werden? „Erstmal noch nicht“, sagt Pfau.

Von Peter Degener

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