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Teltow-Fläming Diese Wehr schon 24 Waldbrände gelöscht
Lokales Teltow-Fläming Diese Wehr schon 24 Waldbrände gelöscht
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01:15 30.07.2018
Auf dem Weg zum Einsatz: ein Löschfahrzeug der Baruther Wehr. Quelle: Oliver Fischer
Baruth

Den 23. Waldbrand des Jahres begrüßt Marcel Jezierski mit einem kräftigen „Och nee!“. Er kommt ungelegen.

Es ist Mittwoch, kurz nach 18 Uhr, das Gerätehaus der Baruther Feuerwehr ist fast leer. Zwei Kameraden pusseln noch am Material herum, ein Dritter hat sich gerade verabschiedet. Das Abendessen ruft, die Familie, es wäre sogar noch Zeit für einen Sprung ins Wasser. Es sind 33 Grad draußen, auch am frühen Abend noch.

Aber wiederum war es erstaunlich ruhig in den vergangenen Tagen. Am Sonntag brannte ein Waldstück zwischen Glashütte und Friedrichshof. Montag und Dienstag war nichts, was bei der Hitze schon fast verdächtig ist. Jetzt also Feuer in Radeland.

Stiefel, Hose, Jacke, Helm – schnell!

Jezierski, stellvertretender Stadtbrandmeister von Baruth und damit heute Chef in der Wache, hadert nur einen Augenblick mit der Gesamtsituation. Dann geht die Sirene, er greift seinen Helm und schwingt sich in das Löschfahrzeug. Während noch aus allen Richtungen Feuerwehrleute auf den Hof gerast kommen, treibt er die Besatzung des ersten Löschfahrzeugs an. „Schnell anziehen. Stiefel, Hose, Jacke, Helm. Wer weiß, was uns da im Wald wieder erwartet.“

Waldbrand, das ist in diesem Jahr für fast alle Feuerwehren der Region Normalzustand. Die großen Brände gehen durch die Medien. 200 Hektar bei Jüterbog, 200 Hektar bei Lieberose, 50 Hektar bei Beelitz, aber das ist nur die Spitze des Eisberges.

Knapp 90 Waldbrände in LDS und TF

Die andauernde Trockenheit hatte die Wälder schon im April in leicht entflammbares Material verwandelt, seither hat es kaum geregnet, in Baruth eigentlich nur einmal. Knapp 90 Waldbrände hat die Forst in diesem Jahr schon registriert – allein in den Landkreisen Teltow-Fläming und Dahme-Spreewald. Die Baruther Wehr musste bis zu diesem Abend 22 Mal in die Wälder ausrücken, für die Region ist das Rekord.

Eine Stunde vor dem 23. Einsatz sitzen Marcel Jezierski und Ortswehrführer Gerd Mydaß noch in der Küche des Feuerwehrhauses und versuchen zu erklären, was eine Saison wie diese für die Wehr bedeutet und was sie mit den Feuerwehrleuten macht. Freilich sind Waldbrände für Baruth nichts ungewöhnliches. Die Stadt ist eingebettet in große Kiefernwälder. In einem Teil übten Armeen Jahrzehnte lang Artilleriebeschuss, in einem anderen Teil tobten Ausläufer der Halber Kesselschlacht. Der Boden ist voll mit Sprengstoffen und Phosphor, der sich bei 25 Grad selbst entzündet. Klar, dass da immer mal was brennt.

In den letzten 20 Jahren mehr Brände

Gerd Mydaß, seit 1974 bei der Wehr, hat Waldbrände früher noch mit Spaten und Feuerpatschen ausgeschlagen. „Waldbrände gab es immer. Aber in den letzten 20 Jahren sind es mehr geworden“, sagt er. Und in diesem Jahr, sagt Marcel Jezierski „war es zwischenzeitlich nicht mehr normal“.

Im Mai und Juni brach über Wochen fast täglich irgendwo ein Waldbrand aus. Dann brannte auch eine Scheune, die erst nach 24 Stunden gelöscht werden konnte. Hinzu kamen Unfälle, Ölspuren, das übliche Geschäft. An manchen Tagen ging der Pieper dreimal am Tag. „Da ist die Belastung für Mensch und Technik extrem“, sagt Mydaß.

Dass eine sei die physische Belastung: Im Wald müssen die Schläuche durch unwegsames Gelände gezogen werden. Von oben drückt die Sonne. Mydaß: „Die Luft steht im Wald, überall ist Qualm, mitunter wird Atemschutz getragen.“ Zumindest beim ersten Löschangriff hat auch der kiloschwere Helm auf dem Kopf zu sitzen. „Ich finde allerdings, dass man bei solchen Temperaturen Erleichterung gewähren muss. Der Kraftverlust ist immens, und es bringt niemandem etwas, wenn die Kameraden beim Einsatz kollabieren“, sagt Jezierski. Wenn es vertretbar ist, lässt er deshalb irgendwann Jacken und Helme ausziehen. Denn in der Regel dauern Einsätze auch bei kleineren Waldbränden mehrere Stunden.

Ablösung nach acht bis zehn Stunden

Bei Großbränden werden die Feuerwehrleute nach Möglichkeit spätestens nach acht bis zehn Stunden abgelöst. „Man versucht immer, eine Reserve zu haben. Im Zweifel wird Verstärkung aus anderen Wehren nachgefordert“, sagt Marcel Jezierski.

In diesem Jahr fingen die Baruther Feuerwehrleute irgendwann auch an, ihre rußigen und verdreckten Schläuche wieder selber zu waschen, weil das Feuerwehrtechnische Zentrum in Luckenwalde damit nicht mehr hinterherkam. „Da fast alle Wehren im Landkreis Einsätze hatten, war das dort nicht mehr zu schaffen“, sagt Marcel Jezierski. Auch das kostet natürlich Zeit.

Familie muss es mitmachen

Zu dieser Art von Belastung kommen die familiäre und die berufliche Seite. Hunderte Male ist Gerd Mydaß vom Abendbrottisch aufgesprungen, hat Familienfeste verlassen, Verabredungen versäumt, weil der Alarm ging. Mydaß: „Die Familie muss das mitmachen. Sobald du in der Familie Probleme hast, bist du auch im Kopf nicht mehr beim Einsatz.“ Ähnliches gilt für den Arbeitgeber – auch der muss mitspielen.

Feuerwehr, das ist speziell in der Waldbrandsaison ein unbezahlter Knochenjob, physisch und psychisch hoch belastend. Und die Ba-ruther Ortswehr wird als Stützpunktwehr auch stets gerufen, wenn es in einem der vielen Ortsteile brennt. Das stemmt sie mit 32 Aktiven, von denen gerade mal rund 20 zum festen Kern gehören. „Eigentlich müssten wir mindestens 54 sein, um das abfangen zu können“, sagt Mydaß. Aber alles Werben zeige nur langsam Wirkung. Aktuell funktioniere es nur mit Zusammenhalt und guter Stimmung.

Diesmal ist es ein kleiner Brand

Immerhin stellt sich Waldbrand Nummer 23 später als Winzling heraus. Am Rand einer Waldstraße züngelt auf höchstens zehn Quadratmetern trockenes Gras und Astwerk, nach wenigen Minuten ist nur noch eine Pfütze auf verkohltem Boden zu sehen.

Den Feuerwehrleuten bleibt an diesem Abend doch noch Zeit für die Familie. Aber Waldbrand Nummer 24 wird wieder größer werden. Er lodert am Freitag. 4000 Quadratmeter brennen in Dornswalde

Von Oliver Fischer

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