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Baruth trällert seit 173 Jahren

Rekorde-Serie in Dahmeland-Fläming Baruth trällert seit 173 Jahren

Die Goersch’sche Chorgemeinschaft aus Baruth, gegründet 1842, hat als Gesangsverein die älteste Tradition in der Region Dahmeland-Fläming. Unter den gegenwärtig 29 aktiven Mitgliedern befinden sich aber nur sechs Männer, der Altersdurchschnitt ist hoch und auch Nachwuchssorgen könnten den Verein in Zukunft belasten.

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Die Goersch’sche Chorgemeinschaft während eines Auftritts in Glashütte 2014.

Quelle: foto: privat

Baruth/Mark. Sie singen, sie trällen, sie summen – ob allein, im Kanon oder alle zusammen. Chorleiterin Ingeborg Noack legt vor, die Sänger der Goersch’schen Chorgemeinschaft ziehen nach. Während auf der Straße vor dem Vereinslokal in Baruth Stille herrscht, erklingen drinnen die Stimmen des ältesten Chors der Region.

Das Gründungsdatum der Goersch’schen Chorgemeinschaft liegt 173 Jahre zurück. Friedrich August Goersch rief den damaligen „Männergesang-Verein“ am 26. November 1842 in Baruth ins Leben. Damit ist dieser Chor der älteste in der Region. Noch länger besteht nur die Lübbener Liedertafel südlich des Verbreitungsgebietes (seit 1827). Engste Konkurrenten aus der Region sind der Männerchor Dahme/Mark (1846) und der Männerchor in Zeuthen (1891).

Die Frauen bringen die Power in den Gesang

Einst als reiner Männerchor gegründet, lebt der Gesangsverein heute von der Stimmgewalt seiner Frauen. Denn bei 29 aktiven Mitgliedern, die hauptsächlich Laien sind, zählt der Verein nur sechs Männer. Die Vorsitzende Kerstin Zierath kennt die Gründe: „Als es noch ein Männerchor war, sind die Ehefrauen meist mitgekommen. Heute haben wir nur noch zwei, drei Ehepaare im Verein.“ Allein kämen die Männer selten zum Singen.

Das älteste aktive Chormitglied ist 83 Jahre alt, das jüngste 41. Mehr als die Hälfte sind Rentner. Sie kommen nicht nur aus Baruth, sondern auch aus den umliegenden zwölf Ortsteilen. „Für viele sind die Wege weit und aufgrund des Alters irgendwann nicht mehr zu bewältigen“, sagt Zierath. Viele kleinere Chöre auf dem Land lösen sich deshalb und auch weil zu wenig Nachwuchs kommt auf. Davon ist die Goersch’sche Chorgemeinschaft zwar nicht betroffen, dennoch bemüht sich der Vorstand um Nachwuchsförderung. Kürzlich wurde der Verein von vier neuen Mitgliedern verstärkt, allesamt Frauen. Mit Aktionen, wie dem offenen Weihnachtssingen oder Chorproben in der Aula, will man auch Männer für sich gewinnen.

Finanzielle Unterstützung erhält der Chor jährlich von der Stadt und über Spenden von örtlichen Unternehmen. Sechs bis sieben Mal tritt der Chor jährlich auf, vor allem zur Weihnachtszeit. Neben eigens organisierten Konzerten erhalten sie Anfragen für Weihnachtsfeiern, wie aus Seniorenheimen. „Wir nehmen keinen Eintritt für unsere Konzerte, sondern hoffen auf Spenden“, sagt Ute Thiele, Sängerin und Schriftführerin des Chors. Das reicht nicht aus, um ihre laufenden Kosten zu decken.

Chronik exisitert nicht

Eine Chronik des Chors existiert nicht mehr, weil diese während eines großen Feuers verbrannte. „Im Zweiten Weltkrieg brach der Chor ein, weil die Männer in den Krieg zogen“, sagt Zierath. 1971 wurde der Frauenchor, der in Ba­ruth bis dahin separat bestand, mit dem Männerchor zusammengelegt. Zierath erinnert sich an Blütezeiten, als der Chor 45 Mitglieder zählte und man vierstimmig sang. Steffen Bölter, ein Musiklehrer aus Jüterbog, leitete den Chor 18 Jahre lang. Nach seinem Abschied war es schwer, die Position neu zu besetzen. Auch zur Wendezeit blieb der Chor ohne Leiter und die Gemeinschaft wäre beinahe auseinandergebrochen.

Ingeborg Noack hat seit 2013 den Taktstock in der Hand. Angefangen bei Volksliedern, über Klassik bis zu Kirchenstücken bieten die Sänger ein breites Repertoire. „Wir singen alles, was uns Spaß macht“, sagt Ute Thiele. Seit 1923 trifft sich der Chor in seinem Vereinslokal, der Gaststätte „Lindenhof“ in Baruth. In einem gesonderten Raum proben sie immer montags von 19.30 bis 21.30 Uhr.

Während Lokalbesitzer Hoffmann den Sängern Apfelschorle, Bier und Schnaps bringt, beginnen die Proben für ein Treffen mit dem Partnerchor aus Büren in Westfalen. Plötzlich wird es laut im Raum. Vereinte Stimmen hallen von einer Ecke in die andere, hohe und tiefe, kräftige und zarte. Noack zeichnet Wellen mit ihrer Hand und gibt den Takt vor. „Alleweil ein wenig lustig, alleweil ein wenig durstig“, singen erst die Frauen, dann die Männer. Als es wieder still ist, korrigiert Noack: „Die Herren versuchen mal bitte im Tempo zu bleiben.“ Die Angesprochenen diskutieren, die Anweisungen aber gibt die Chorleiterin. „Das Einzige, was ihr machen müsst, ist singen.“

Von Luise Fröhlich

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