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Teltow-Fläming Baumkletter-Duo entlastet den Stadthaushalt
Lokales Teltow-Fläming Baumkletter-Duo entlastet den Stadthaushalt
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04:25 06.08.2016
Sorgfältig und exakt verbindet Oliver Lose (r.) jeden Karabiner, jedes Seil.
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Ludwigsfelde

Nicht ganz wie Tarzan, aber doch sich hoch oben von Baum zu Baum schwingen  – das machen zwei Stadtangestellte in Ludwigsfelde. Oliver Lose und Benjamin Richter arbeiten auf dem stadteigenen Friedhof an der Siethener Straße. Immer wieder hatten sie Baumkletterer von Fremdfirmen bei der Arbeit beobachtet, wenn Totholz aus dem Geäst geholt werden musste, das niemandem auf den Kopf fallen darf. Als wieder ein besonders teurer Auftrag anfiel, nahmen die beiden Stadtarbeiter ihren Mut zusammen und fragten Vorgesetzte nach einer Qualifikation.

Gearbeitet wird immer zu zweit

Sie stießen auf offene Ohren. Die Argumente der beiden überzeugten, und nun hat Ludwigsfelde als wohl eine der ersten Kommunen im Land eigene Baumkletterer. Benjamin Richter ist der jüngere von beiden. Er hatte den Kollegen überzeugt. „Einem allein wäre das nicht genehmigt worden“, erzählt er. „Denn Bedingung für solche Arbeiten ist, dass immer zwei in Sichtweite unterwegs sind, damit im Notfall Hilfe geholt werden kann.“ Außerdem seien sie beide Feuerwehrleute. „Da haben wir sowieso keine Höhenangst und sind körperlich fit“, sagt Richter. Lose erklärt: „Aber jeden Tag eine ganze Woche lang kann man nicht klettern, das ist richtig schwere Arbeit.“

Benjamin Richter bugsiert die Wurfleine auf einen Ast in 17 Metern Höhe Quelle: Abromeit

Das merkten die beiden bei der einwöchigen Ausbildung im März. In der Gartenbauschule Großbeeren lernten sie bei einer Münchener Firma, wie zuerst eine Wurfleine auf den günstigsten und haltbaren Ast geworfen werden muss, um ein „Standseil“ in den Baum bringen zu können. Sie lernten die richtigen Knoten an die richtigen Stellen zu bringen, lernten die Ausrüstung anzulegen, die richtigen Karabiner an die passenden großen Ösen zu bringen und die leicht gebogene Säge stets nach hinten zu halten, um nicht versehentlich eines der straff gespannten Seile, an denen sie hängen, ungewollt zu kappen. Außerdem wissen sie heute, welche Schuhe die richtigen für diese Arbeit sind. „Und man muss lernen, dem Material zu vertrauen“, sagt Oliver Lose.

Basumkletterer Oliver Lose beim Aufstieg

Alle beide geben gern zu, dass es nicht nur der finanzielle Nutzen für die Stadt war, der sie nach der Baumkletterei fragen ließ. „Na klar ist es auch Abwechslung in der Alltagsarbeit“, sagt der eine; der andere ergänzt: „Und ein bisschen Abenteuer.“ Die frisch gebackenen Baumkletterer hoffen, dass ihre neuen Qualitäten künftig nicht nur beim Totholz-Beseitigen gefragt sind. „Die Bäume hier auf dem Friedhof brauchen auch mal einen Pflegeschnitt oder eine Kronensicherung“, sagt Richter. Er ist gelernter Landwirt. Der Kerzendorfer hofft: „Wenn die Stadt für sowas jetzt nicht Extra-Kosten bei einer Fremdfirma hat, dann lässt der Arbeitstag das vielleicht zu.“

Auf ihr Material müssen sich die Baumkletterer verlassen können. Quelle: Abromeit

Für ihn und seinen Kollegen liegen weitere Vorteile auf der Hand: Es müssen keine Durchfahrten für Hebebühnen geschaffen werden, sie verursachen anders als Maschinen keinen Lärm und keine Abgase. Das alles in der Summe lohne sich bei jährlich rund 800 Bäumen, die die Stadt auf Ludwigsfelder Friedhöfen zum Erfüllen der Verkehrssicherungspflicht zu kontrollieren hat.

Arbeiten an 60 Bäumen im Jahr nötig

In jedem Jahr wird an bis zu 60 Bäumen festgestellt, dass weitere Arbeiten nötig sind, erklärt Evelyn Stöber, die Vorgesetzte der beiden Männer und Chefin des Kommunalservice im Rathaus. „Bisher wurden für diese Arbeiten von Firmen mit speziell ausgebildeten Baumkletterern jährlich mehrere Tausend Euro eingeplant. Mit der geplanten Friedhofserweiterung und der künftigen Beisetzung von Urnen in einem Bestattungswald erhöhten sich Anforderungen und mögliche finanzielle Ausgaben erheblich, so Stöber.

Nur für Arbeiten mit Kettensägen werden Firmen beauftragt

Mit den beiden Baumkletterern könne ein hoher Anteil dieser Arbeiten nun eigenständig bewältigt werden, sagt sie. Das betreffe besonders die Totholz-Entnahme und ausgewählte Baumpflegemaßnahmen, die mit Handsägen erledigt werden können, so die Sachgebietsleiterin. Für andere Arbeiten, die ausschließlich mit der Kettensäge zu leisten sind, würden weiterhin Fremdfirmen verpflichtet. „In welchem Maße das sein wird, das werden die diesjährigen ersten Erfahrungen mit den beiden qualifizierten Männern zeigen“, sagt Evelyn Stöber.

Von Jutta Abromeit

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