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Baustopp für Bettenhaus und Schloss

Denkmalschutzbehörde und Investor kreuzen in Zossen die Klingen Baustopp für Bettenhaus und Schloss

Baustopp hat die Denkmalschutzbehörde für den Umbau des Bettenhauses und die Sanierung des Schlosses in Zossen verhängt. Damit sind zwei millionenschwere Projekte von Dirk-Henner Wellershoff ins Stocken geraten. Beim Bettenhaus streiten sich Behörde und Investor um gut 40 alte Doppelkastenfenster, am Schloss sollen falsche Materialien verbaut worden sein.

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Baustopp besteht auch für das alte Zossener Schloss. Nach der Sanierung will hier unter anderem das Kreisgrundbuchamt als Mieter einziehen.

Zossen.
Einen Baustopp hat die Kreisdenkmalschutzbehörde für zwei Zossener Projekte des Berliner Immobilienentwicklers Dirk-Henner Wellershoff verhängt. Dabei handelt es sich einerseits um den mit rund zwei Millionen Euro veranschlagten Umbau des alten Bettenhauses auf dem ehemaligen Kreiskrankenhaus-Gelände in eine Pflegeeinrichtung. Andererseits geht es um die zwei bis drei Millionen Euro teure Sanierung des Schlosses. In beiden Fällen wirft der Denkmalschutz dem Investor vor, gravierend gegen Auflagen verstoßen zu haben. Darüber ist Wellershoff wütend.

Den Baustopp für das Bettenhaus empfindet Wellershoff „als unangemessene Abstrafung. Damit gefährdet die Behörde mutwillig das ganze Projekt.“ Wellershoff möchte das Kreiskrankenhaus-Areal wiederbeleben. Auf dem rund 18 000 Quadratmeter großen, parkartigen Anwesen soll eine Stadt in der Stadt entstehen, wo gesunde und pflegebedürftige Menschen generationsübergreifend wohnen, arbeiten und leben. Das erste Teilprojekt für den Gesundheitscampus ist die im Bettenhaus geplante Pflegeeinrichtung „Therapeutisch Intensives Wohnen“ (TIW). „Wir wollen elf Schwerstpflegebedürftige betreuen, die im Wachkoma liegen oder an ein Beatmungsgerät angeschlossen sind“, so TIW-Geschäftsführerin Judith Daniel. Allerdings drohe das Vorhaben zu scheitern, weil die Denkmalschutzbehörde die 1957 im Bettenhaus eingebauten gut 40 Doppelkastenfenster als angemessen betrachte. Allerdings seien diese Fenster für Wachkoma-Patienten ungeeignet. „Da handelt es sich um Menschen, die nicht allein entscheiden können, wann ein Fenster geöffnet oder geschlossen wird“, erklärt Daniel. Wenn Doppelkasten-Fensterflügel nach einem Windstoß aneinander schlagen, „dann ist das für einen Wachkoma-Patienten die Hölle“. Nachdem Wellershoff in diesem strittigen Punkt keine Einigung mit der Denkmalschutzbehörde erzielen konnte, ließ er die Doppelkastenfenster aus und dafür isoverglaste Holzfenster einbauen. „In der Erwartung, dass das von der Denkmalschutzbehörde toleriert wird.“

Dem ist nicht so. „Die Auflage war, alle Fenster zu erhalten und aufzuarbeiten“, so Rita Mohr de Pérez, Sachgebietsleiterin für Denkmalschutz in der Kreisverwaltung. Zumal es sich Mohr de Pérez zufolge um Krankenhausfenster mit einer speziellen Kippvorrichtung gehandelt habe. Diese Vorrichtung habe es ermöglicht, Zimmer oben zu belüften, ohne dass es unten zieht. Allerdings seien fast alle alten Fenster ausgebaut und zerkleinert worden. Damit habe Wellershoff einfach die Auflagen ignoriert und vollendete Tatsachen geschaffen. Deshalb habe man den Baustopp verhängt und ihn damit beauflagt, „die Doppelkastenfenster nachzubauen. Das ist die einzige Chance, um bei dem Projekt voranzukommen“.

Nun steht Judith Daniel das Wasser bis zum Haus. Spätestens Anfang Juni wollte die TIW-Geschäftsführerin ihre Pflegestation eröffnen. „Dieser Termin ist nun völlig illusorisch“, sagt Daniel. Eigentlich habe die Denkmalschutzbehörde auch einen Ermessensspielraum, den sie hier scheinbar nicht anwendet, um der beabsichtigten neuen Nutzung des Bettenhauses gerecht zu werden.

„Das ist der große Konflikt“, sagt der Baruther Architekt Matthias Reckers. Er wurde von Dirk-Henner Wellershoff, sowohl mit dem Umbau des Bettenhauses, als auch der Sanierung des Schlosses beauftragt. Das Schloss war früher Sitz der Zossener Altkreis-Verwaltung. Nachdem das Gebäude lange leer stand, kaufte es Wellershoff der Struktur und Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Landkreises Teltow-Fläming (SWFG) ab. Viele Jahre habe die SWFG das Schloss der Verwahrlosung preis gegeben, so Wellershoff. „Kaum kommt ein privater Projektentwickler und versucht eine wirtschaftliche Nutzung für das Schloss zu finden, da wird eine Denkmalschutz-Diskussion entfacht, die dazu führt, dass man das Bauvorhaben nicht beenden kann.“ Eigentlich habe man nur die einsturzgefährdete Fassade sichern wollen, sagt Architekt Matthias Reckers. „Allerdings hat uns die Denkmalschutzbehörde mitgeteilt, dass wir dafür die falschen Ziegel verbaut haben.“ Am Schloss seien Kalksand- und Porothonsteine verbaut und Beton dahinter gekippt worden, sagt Rita Mohr de Pérez. Damit habe der Investor gegen eine Anordnung verstoßen, begründet die Denkmaschützerin den Baustopp.

Von Frank Pechhold

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