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Beats im Tunnel

Kultur Beats im Tunnel

An 364 Tagen im Jahr ist die Mahlower Fußgängerunterführung ein ganz normaler Tunnel. Samstagnacht aber haben die Brüder Kaufmann aus dem eigentlich eher tristen Bauwerk eine „Höhle der vielen Stimmen“ gemacht. Sie gaben ein Konzert im Halbdunkel, während über ihnen der Verkehr rauschte.

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Band ohne Namen: Vier Musiker spielen im Mahlower Tunnel.

Quelle: Orth

Mahlow. Die Motten tanzen um das fahle Licht, oben huscht der Verkehr über die B96. Sören Kaufmann greift in die Gitarre. Das Publikum hat sich mit Decken, Klappstühlen und Verpflegung ausgerüstet. Es ist Samstagnacht. Vor dem Tunnel am Mahlower Grenzweg steht mit Kreide geschrieben die Einladung zum dritten Sommerkonzert, und rund 100 Nachtschwärmer haben sich tatsächlich eingefunden.

„Höhle der vielen Stimmen“ haben die Musiker um Sören und Christian Kaufmann die Fußgängerunterführung unter der Bundesstraße getauft. Für eine Nacht verwandelt sich dieser Tunnel in einen Konzertsaal. Im Kerzenschein spielt die Gruppe gefühlvolle Popmusik. Einen Namen hat sie nicht. „Wir sind eher ein Projekt unter Freunden“, sagt Christian Kaufmann. Die Gruppe besteht aus Hobbymusikern. Gitarrist Mike ist sein Nachbar, Sängerin Dana eine Freundin der Familie. Ziel ist es, mit möglichst vielen Gleichgesinnten eine musikalische Sommernacht zu verbringen. Auch andere Musiker sind eingeladen. So spielten die befreundeten Musiker„Lama Blanc“ aus Dessau mit Ethno und Rock auf.

Seit März haben die Musiker um die Gebrüder Kaufmann gemeinsam für ihren Auftritt in der Wohnung von Sören geübt. „Wir wollen mit den Menschen Musik teilen“, sagt Christian Kaufmann. „Jeder wünscht sich drei Songs“, erklärt der Sänger und Gitarrist das Konzept. Die Stücke werden zusammengetragen und für den Auftritt arrangiert.

Organisiert hat die Band alles selbst. Sie nehmen auch keinen Eintritt, alles wird aus der eigenen Tasche bestritten. Für Christian Kaufmann steht Geld nicht im Vordergrund. Er schätzt vielmehr die einmalige Stimmung in dem Tunnel. „Die macht das Publikum“, sagt er. „Wir möchten an diesem Ort eine kleine Tradition aufbauen,“ sagt er.

Die Idee, unter der Brücke zu musizieren, ist ihm bei einem Spaziergang mit seinem Sohn Jonas gekommen. Der einmalige Hall des Tunnels habe ihn darauf gebracht, erzählt er.

Das grelle Licht der Lampen ist zum Teil abgeschirmt von Pappkartons, auf denen Zitate verewigt sind. Im vorigen Jahr hat Christoph Kaufmann noch Gedichte vorgetragen, diesmal verzichtete er darauf. Die emotionalen Ausrufezeichen setzte stattdessen Sören Kaufmann am Piano. Er spielte sein eigenes Stück „When Dreams Learn to Fly“. Seit drei bis vier Jahren spielt er erst Klavier, wie er sagt, autodidaktisch erlernt. Mit seiner Musik möchte er die Menschen aus ihrem Alltag reißen.

„Wir wussten schon, was auf uns zukommt“, sagen Angelika Bläschke und Doris Wilhelm aus Mahlow. Die beiden Freundinnen haben sich Campingstühle mitgebracht. Brot und Wein teilen sie mit den Leuten auf der Nachbardecke. Sie waren bisher bei jeder Sommernacht dabei. Auf das erste Konzert waren sie damals über einen gemalten Handzettel aufmerksam geworden. Jetzt wissen sie, dass die Konzerte immer im August stattfinden – und sie wollen auch im nächsten Jahr wiederkommen. „Die Musik ist so liebevoll zusammengetragen“, sagt Angelika Bläschke.

Auf einem der Pappschilder steht: „O Liebe! Den Schwachen stärkst du, und den Starken wirfst du nieder.“ Für eine Nacht hat sich der Tunnel in die Höhle der vielen Stimmen verwandelt.

Von Krischan Orth

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