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Bei Anruf Facharzttermin

Gesundheit Bei Anruf Facharzttermin

Seit Ende Januar können sich Patienten mit akuten Beschwerden bei den Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) einen Facharzttermin vermitteln lassen – innerhalb von vier Wochen. Einzige Voraussetzung ist ein Überweisungscode vom Hausarzt. Patientenvertreter begrüßen das neue System, aber Mediziner in der Region Dahmeland-Fläming haben ihre Zweifel.

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Schneller einen Facharzttermin bekommen, das versprechen die Termin-Service-Stellen bei den Kassenärztlichen Vereinigungen. Seit Ende Januar gibt es dieses Angebot.

Quelle: dpa

Dahmeland-Fläming. Vier Wochen können eine lange Zeit sein, wenn der Hexenschuss plagt oder einem die Gräte im Halse steckt. Doch in solchen Notfällen bieten die zuständigen Fachärzte schnelle Hilfe, ob der Patient nun einen Termin hat, oder nicht. Für Menschen mit nicht ganz so schlimmen, aber immer noch akuten Beschwerden gibt es zudem seit knapp einem Monat die sogenannten Termin-Service-Stellen bei den Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) – Mediziner aus der Region halten die neue Einrichtung allerdings für wenig hilfreich.

Aber von Anfang an: Seit dem 25. Januar können sich Patienten direkt von der zuständigen KV einen Facharzt-Termin vermitteln lassen (siehe Infokasten). Die Initiative zu den Termin-Service-Stellen ging von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) aus. Die Voraussetzung für eine Terminvermittlung ist die Feststellung des Hausarztes, dass der Patient dringenden Behandlungsbedarf hat. Der Patient erhält dann vom Hausarzt einen Code, den der Patient der Termin-Service-Stelle am Telefon mitteilt. Dort wird dem Patienten dann ein Facharzttermin innerhalb der nächsten vier Wochen gegeben.

Die freien Termine entnehmen die Mitarbeiter der Service-Stellen einer Datenbank, die von den Fachärzten gefüttert und regelmäßig aktualisiert wird. Wenn es partout keinen freien Termin bei einem Facharzt gibt, der mit maximal 60 Minuten Fahrzeit zu erreichen ist, wird der Patient zur ambulanten Behandlung an ein Krankenhaus verwiesen. Eine Ausnahme bilden Augen- und Frauenärzte: Für die brauchen Patienten nicht einmal einen Überweisungscode, um bei den Service-Stellen einen Termin zu bekommen. Künftig sollen auch Zahnärzte und Psychotherapeuten in die Vermittlung einbezogen werden, bislang sind sie nicht Teil des Systems.

Brandenburgische Besonderheiten

In Brandenburg gibt es noch weitere Besonderheiten: Um das System zu entlasten, sollen die Fachärzte mit Geld überzeugt werden, dringende Patienten schneller anzunehmen. Das funktioniert mit speziellen Aufklebern, die die Hausärzte auf die Überweisungsscheine ihrer Akut-Patienten pappen. Kommt nun ein Patient mit einem derart markierten Überweisungsschein in seine Praxis, weiß der Facharzt, dass er diesem Patienten einen Termin innerhalb von vier Wochen anzubieten hat, damit aber auch eine zusätzliche Vergütung einheimsen kann. Die liegt allerdings bei maximal fünf Euro pro Patient. In Brandenburg hat man zudem die 60-Minuten-Regel angesichts des schwachen öffentlichen Verkehrssystems in eine 60-Kilometer-Regel geändert.

Eine erste Bilanz will die Kassenärztliche Vereinigung Brandenburg (KVBB) am Dienstag in Potsdam ziehen, aber soviel ist jetzt schon klar: Die Freude hält sich in Grenzen. „Die Einführung der Service-Stellen ist überflüssig und reine Symbolpolitik“, sagt Christian Wehry, der Pressesprecher der KVBB. „Die Frist von vier Wochen ist medizinisch außerdem gar nicht notwendig.“ Zumal das Problem langer Wartezeiten in Brandenburg gar kein großes Thema sei, so Wehry. In den ersten vier Wochen dürfte die Service-Stelle der KVBB eine Zahl von Anrufen im „mittleren dreistelligen Bereich“ erhalten haben. Etwa die Hälfte der Anrufer habe allerdings gar keinen Überweisungscode gehabt oder lediglich einen früheren Termin haben wollen. „Von der anderen Hälfte der Anrufer wurden weit über 90 Prozent ein fristgerechter Termin vermittelt, berichtet Christian Wehry.

Skeptische Fachärzte

Auch die Fachärzte in der Region sind von dem neuen System nicht überzeugt. „Für uns ist das Entscheidende eine gute Zusammenarbeit mit den Hausärzten“, sagt der Orthopäde Guntram Falk aus Luckenwalde. „Wir haben mit den Allgemeinmedizinern hier in der Region verabredet, dass sie in akuten Fällen sofort Bescheid sagen. Und wenn das funktioniert, dauert es auch nicht so lange mit einem Termin.“ Ihm wurde bislang noch kein Patient über das neue System vermittelt worden, so Guntram Falk.

Dasselbe gilt für Anja Erdmann, Hals-Nasen-Ohren-Ärztin in Jüterbog. „In unserer Fachrichtung spielt das mit den langen Wartezeiten aber auch keine so eine große Rolle“, sagt Erdmann. Akut-Patienten würden ohnehin am selben Tag behandelt. „Und wenn jemand seit 20 Jahren Schwierigkeiten beim Atmen hat, muss das vielleicht auch nicht am gleich am nächsten Tag operiert werden.“ Sie hält das neue System für Symbolpolitik.

Der Unmut der Ärzte ist wenig verwunderlich, schließlich haben sie nun zusätzlichen Aufwand und tragen die Kosten für die Service-Stellen. Die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) ist da zuversichtlicher: „Wenn die Initiative richtig umgesetzt wird, kann das für die Patienten durchaus Abhilfe schaffen“, sagt Thorben Krumwiede, der UPD-Geschäftsführer. „Gerade auf dem Land ist es oft schwierig, schnell einen Facharzttermin zu bekommen. Und da sind die KV auf jeden Fall gefragt, die haben schließlich den Zugriff auf die Fachärzte.“ Nun müsse sich das System aber erst einmal bewähren.

Von Martin Küper

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