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Bei laufendem Verkehr: Rohr unter A10 verlegt

Ludwigsfelde Bei laufendem Verkehr: Rohr unter A10 verlegt

Bei Ludwigsfelde wurde am Donnerstag ein Stahlrohr für eine neue Gasleitung unter die A10 gezogen – und das Ganze ohne Sperrung der viel befahrenen Autobahn. Ob diese technische Meisterleistung auf Anhieb klappte, erzählt ein Spezialist für grabenlose Rohrverlegungen.

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Oben donnert der Verkehr, unten bohrt sich das Rohr durch.

Quelle: Jutta Abromeit

Ludwigsfelde. Unablässig donnern tausende Fahrzeuge über den Berliner Autobahn-Südring. Keiner der Fahrer ahnte, dass am Donnerstag im Erdreich unter ihnen an der Abfahrt Ludwigsfelde Ost eine spektakuläre Ingenieurleistung vollbracht wurde: Ohne Sperrung dieser viel befahrenen und international wichtigen Trasse wurde ein 30 Zentimeter starkes Stahlschutzrohr für eine neue Gasleitung unter dem Straßenbett hindurch gezogen. Damit sollen die Gasnetze von Ludwigsfelde und Genshagen direkt verbunden werden. Wichtig ist die neue Gasversorgung auch für das künftige Industriegebiet Eichspitze zwischen B 101, Autobahn und Birkengrund, eines der letzten großen Gewerbe-Areale im Flughafenumfeld.

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Ohne Sperrung des viel befahrenen Autobahn-Südrings wird an der Abfahrt Ludwigsfelde Ost zurzeit eine neue Gasleitung unter der Trasse durchgezogen. Wir zeigen Bilder dieser ingenieurtechnischen Meisterleistung.

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Bis zu zehn Meter tief hatten die Ingenieure von Tief- und Rohrleitungsbaufirmen auf einer Gesamtlänge von 190 Metern ins Erdreich gehen müssen. Das war nötig, damit die mit allen Auf- und Abfahrtsspuren insgesamt 13 Fahrbahnen unterquert werden konnten. Gegen Mittag verbinden Tiefbauer, Ingenieure und Rohrleitungsfachleute das Ankergestänge, mit dem das gelbe Schutzrohr unter dem Autobahndamm hindurchgezogen wird. Eine Stunde früher als gedacht ist der Zugbohrer fest, es geht los: Er dreht sich, mit Lehmfontänen verschwindet das Schutzrohr im Erdreich.

„Rohr drin, alles klargegangen“

Am späten Nachmittag sagt Falk Schmidt, Niederlassungsleiter der Demminer Bohrfirma Beermann: „Rohr ist drin, alles klargegangen.“ Die Erleichterung ist dem Norddeutschen anzumerken. „Alles hat wie geplant geklappt. Heute Abend gehen wir zusammen essen“, sagt er. Das machten er und sein im ganzen Bundesgebiet eingesetzter Trupp für grabenlose Rohrverlegungen immer nach solchen Tagen mit besonderen Herausforderungen.

Haben den Hut auf beim Legen der neuen Gastrasse

Haben den Hut auf beim Legen der neuen Gastrasse: Norbert Perau von den Stadtwerken Ludwigsfelde und Beermann-Niederlassungsleiter Falko Schmidt

Quelle: Jutta Abromeit

Zu diesem Trupp von lediglich fünf Mitarbeitern gehört Jens Teske. Er bedient das Horizontalbohrgerät. Damit wurde zuerst eine gesteuerte Pilotbohrung unter den Autobahndamm gesetzt, 160 Millimeter stark. „Man kann ja da nicht gleich ein dickes Rohr durchdrücken“, erklärt Falko Schmidt. Bei dieser ersten Bohrung waren die Männer auf einige Steinnester im Autobahn-Untergrund gestoßen. „Die müssen einfach langsam durchbohrt werden, wir können sie ja nicht rausholen“, so der Niederlassungsleiter. Für solche Böden, in denen märkischer Sand, Mergelschichten und Steine dicht beieinander liegen, gibt es Universalbohrköpfe. „Die werden mit lockerem Boden und Steinen fertig“, sagt Schmidt. Schwerere Technik, wie sie etwa in felsigem Untergrund nötig wäre, haben seine Leute hier nicht einsetzen müssen.

„So ’ne Aktion erlebt man nicht alle Tage“

In den vergangenen drei Tagen folgte das Aufweiten der Vorbohrung auf 45 Zentimeter. „Das passiert mit Fräsen. Und anschließend wird der Tunnel mit einer Suspension, einem Boden-Bentonit-Gemisch geflutet, damit er nicht wieder zusammenfällt“, so Baustellen-Chef Schmidt. Kurz vor dem Einziehen des Schutzrohrs wurde diese lehmig aussehende dicke Brühe zum Teil wieder abgesaugt. Nun folgt in den kommenden Tagen das Einziehen der eigentlichen Gasleitung. „Die ist 225 Millimeter stark“, erklärt Norbert Perau. Er ist der verantwortliche Netzingenieur bei den Stadtwerken Ludwigsfelde. Die sind Auftraggeber der Verlegung, mit rund einer halben Million Euro Kosten auch eine finanziell große Investition der Stadtwerke. Und Techniker Perau sagt: „So ’ne Aktion erlebt man nicht alle Tage, das hat man höchstens einmal in zehn Jahren.“ Solche Dükerungen unter der Autobahn erfolgen mit einem Ortungssystem, bei dem niemand die Fahrbahnen betreten muss, erklärt er. „Der Bohrverlauf wird auf einen PC übertragen und dort auch kontrolliert“, so der Fachmann von den Stadtwerken.

Vor der Rohreinziehung waren wochenlange Arbeiten nötig: Mitarbeiter der Firma TRP fertigen die Schutzrohre und die eigentliche Gasleitung. Polier Jörg Loebe erklärt: „Da müssen die Schweißnähte ganz exakt sitzen und kontrolliert werden. Man kommt ja an diese Rohre, wenn sie einmal hier unter der Autobahn fest eingeschlossen liegen, nicht mehr so einfach ran.“

Von Jutta Abromeit

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