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MAZ-Serie: „In der neuen Heimat“ Beim Anwalt

Noch immer hängt Familie Yassin in einer Art Warteschleife. Zwar ist so gut wie sicher, dass sie nicht nach Belgien abgeschoben werden, doch über ihr Dublin-Verfahren ist noch nicht endgültig entschieden. Um die Wartezeit zu verkürzen hat ihr Berliner Anwalt eine neue Idee.

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Anwalt Benjamin Düsberg (l.) berät die Yassins.

Quelle: Anja Meyer

Berlin. Rabiha und Mohammed Yassin sitzen in einem Altbauzimmer in Berlin-Kreuzberg und schauen erwartungsvoll auf Benjamin Düsberg und Ranim Yassin. Beide unterhalten sich auf Deutsch, es fallen Worte wie Dublin und BAMF. Es geht mal wieder um die Zukunft der Familie in Ludwigsfelde, so viel ist klar. Zwischendrin übersetzt Ranim Yassin alles, was Anwalt Benjamin Düsberg sagt. Er ist Mohammeds Cousin, in den 1980er Jahren kam er aus Syrien in die DDR, lebt heute mit seiner Familie in Berlin und spricht nahezu akzentfreies Deutsch. Bei wichtigen Terminen begleitet er seine Verwandten als Dolmetscher.

Gerichtsentscheidung könnte noch zwei Jahre dauern

Der heutige Termin beim Anwalt ist wichtig: Er könnte die Wartezeit verkürzen. Die Yassins hängen aufgrund ihres noch laufenden Dublin-Verfahrens mit Belgien in einer Zeitschleife. Bis das Gericht über ihren Status entscheidet, könnte es noch bis zu zwei Jahre dauern. Wertvolle Zeit, in der alles stillsteht, Integrationskurse nicht bewilligt werden, eine Wohnung nicht angemietet und eine Arbeit nicht ausgeübt werden kann. Dabei ist laut Anwalt Düsberg schon zu 95 Prozent klar, dass das Gericht sich für einen Verbleib der Familie in Deutschland entscheiden wird. Deshalb will er versuchen, das sogenannte Selbsteintrittsrecht des Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) einzufordern.

Mit Aufenthaltstitel könnte Familie schnell Arbeit aufnehmen

Von dem Selbsteintrittsrecht kann das Amt Gebrauch machen, wenn eine Bleibeperspektive für Flüchtlinge so gut wie sicher ist. Damit kann dann das BAMF auch Integrationskurse gewähren, alles würde deutlich schneller vorangehen. Damit würden auch die Behörden Geld sparen – für das immer wieder neue Prüfen der Angelegenheit, für die Unterkunft im Asylbewerberheim und für Leistungen, die Flüchtlinge erhalten. Denn mit einem Aufenthaltstitel könnte die Familie schneller eine Arbeit aufnehmen und eine eigene Wohnung zahlen. Noch ist das nicht möglich.

BAMF kommt nicht selbst auf Flüchtlinge zu

Wie Düsberg erklärt, komme das BAMF nicht selbst auf Flüchtlinge zu, die ein solches Selbsteintrittsrecht betreffen könnte. „Wir müssen da immer wieder nachhaken“, sagt er. Deshalb reicht er nun alle Unterlagen der Familie ein, die ihren Integrationswillen bekräftigen. Darunter auch Mohammeds laufender Kurs beim Zentrum für Aus- und Weiterbildung Ludwigsfelde-Luckenwalde (ZAL). Wenn er nach dem Kurs als Schweißer arbeiten könnte, wäre das auch für Betriebe in der Region von Vorteil – schließlich gibt es in der Branche einen Fachkräftemangel.

Hoffnung ist bei der Familie noch da

Die Hoffnung ist bei Rabiha und Mohammed wieder da. Die Aussicht auf neue Möglichkeiten lässt sie euphorisch wirken – auch wenn das ganze noch ungewiss ist und ein paar Wochen dauern kann. Eine gute Nachricht gibt es nach diesem Anwaltstermin schon für sie: Sie betrifft ihren 26 Jahre alten Freund Omar Bahos, den sie aus dem Asylbewerberheim am Birkengrund kennen. Auch er lässt sich von Benjamin Düsberg vertreten und ist gleich mitgekommen. Gegen Omar Bahos läuft ein Dublin-Verfahren mit Bulgarien. Bahos wurde dort auf seiner Flucht festgenommen und registriert. Eine Abschiebung nach Bulgarien hätte für den jungen Syrer womöglich fatale Folgen, das Land gilt als unsicher für Flüchtlinge. Eine solche Entscheidung treffen Gerichte nicht bei allen Personen. „Eine Familie wäre wahrscheinlich nicht abgeschoben worden“, sagt Düsberg. „Aber bei alleinstehenden, jungen Männern sind die Hürden höher.“ Sie würden häufiger in als unsicher geltende Staaten abgeschoben, da man ihnen am ehesten zumutet, sich dort durchzuschlagen. Im Fall von Omar Bahos sieht aber derzeit alles danach aus, als könne er nun doch in Ludwigsfelde bleiben.

Info: Die Familie Yassin ist vor dem Bürgerkrieg in Syrien geflohen und lebt jetzt in Ludwigsfelde. Die MAZ berichtet wöchentlich über ihr Leben in Deutschland. Alle Folgen: www.maz-online.de/ Brandenburg/Eine-syrische-Familie-hofft-auf-einen-Neustart

Von Anja Meyer

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