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Beim Basteln fallen Sprachbarrieren

MAZ-Serie: „In der neuen Heimat“ Beim Basteln fallen Sprachbarrieren

Damit die Kinder im Asylbewerberheim in Ludwigsfelde nachmittags beschäftigt werden, betreuen Ehrenamtler das Spielzimmer. Hala und Rabi, die beiden älteren Kinder der Familie Yassin, sind fast täglich da. Neben der Schule ist vor allem das Spielzimmer der Ort, an dem sie Deutsch lernen.

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Hala und Rabi mit Bettina Lorchert im Spielzimmer.

Quelle: Anja Meyer

Ludwigsfelde. So ein Tag im Flüchtlingswohnheim kann ganz schön lang werden, wenn der Alltag noch nicht so richtig eingekehrt ist. Wenn man nur wartet und wartet und nichts tun kann. Noch immer warten Rabiha und Mohamed Yassin darauf, dass ihr Deutschkurs anfängt – das Sozialamt zahlt ihn vorerst nicht. Sie warten auf ihren Aufenthaltstitel. Wie lange noch, weiß niemand. Und auch mit dem Job bei Mercedes hat es für Mohamed nun definitiv nicht geklappt. Die Firma habe genügend Praktikanten gefunden, hieß es.

Wenigstens für die Kinder der Familie Yassin, Hala und Rabi, ist der Alltag durch die Schule halbwegs da. Und auch am Nachmittag gibt es für sie und die anderen Flüchtlingskinder im Heim Ablenkung: Spielen, Malen, Bücher anschauen – an jedem Wochentag von 15 bis 18 Uhr betreuen ehrenamtliche Flüchtlingshelfer aus Ludwigsfelde das Spielzimmer im Erdgeschoss der Unterkunft. Es ist vor allem Bettina Lochert, die für die Kinder da ist. Montags bis mittwochs sitzt die 38 Jahre alte Ludwigsfelderin, die alle nur Betti nennen, an ihrem Tisch im Spielzimmer und bastelt. Sie bastelt Schmetterlinge, Blumen, Osterkörbe oder Weihnachtssterne. Und wer will, setzt sich dazu und macht mit.

Der Platz neben Bettina Lorchert ist heiß begehrt unter den Kindern, gut 20 junge Flüchtlinge von etwa drei bis 13 Jahren sind an diesem Dienstagnachmittag ins Spielzimmer gekommen. Hala hat Glück, für eine Weile kann sie sich neben Bettina Lorchert setzen und mit ihr einen Papierschmetterling basteln. Die Neunjährige kommt gerne ins Spielzimmer, auch ihr Bruder Rabi ist oft mit dabei. Heute scheint die Sonne, da spielt er lieber mit ein paar anderen Jungs auf dem Hof Fußball, immerhin trainiert er jetzt auch beim Ludwigsfelder FC. Zwischendurch kommt Rabi mit seinem Freunden immer wieder rein und setzt sich zu den anderen.

„Kannst du mir die Schere geben?“, fragt Hala in klarem Deutsch. Sie und ihr Bruder haben im Deutschen große Fortschritte gemacht und können sich schon in der neuen Sprache unterhalten. Das hat auch Bettina Lorchert bemerkt, sie spricht nur Deutsch mit den Kindern. So lernen sie immer wieder ein paar neue Wörter dazu, erzählt die Ehrenamtlerin. Das Spielzimmer hat Lorchert vor einem Jahr mit anderen Freiwilligen aus der Flüchtlingshilfe aufgebaut. „Da war das hier ein kahler Raum“, erzählt sie. Über Spenden ist das Zimmer mittlerweile gut ausgestattet, es sieht aus wie in einem Kindergarten: Die Wände sind mit Bildern tapziert, auf dem Boden liegt ein Verkehrsteppich, darauf ein Krabbeltunnel und Feuerwehrautos. Um 18 Uhr helfen alle beim Aufräumen, erzählt Bettina Lorchert. „Manchmal streiten sie sich darum, wer fegen darf.“

Bettina Lorchert will auch künftig für die Kinder da sein

Sie ist beliebt bei den Kleinen, wenn sie auf den Hof kommt, stürmen die Kinder auf sie zu und rufen ihren Namen. Auch Hala und Rabi haben schon vor Wochen begeistert von ihr und ihren Basteleien erzählt. „Das ist wie eine kleine Fangemeinde“, sagt Bettina Lorchert. Zu ihrem Geburtstag hat sie von allen Tulpen und einen Kuchen geschenkt bekommen. Ihre Arbeit schätzt Lorchert als sehr wichtig für die Kinder ein, sie merkt wie die nach und nach Vertrauen aufgebaut haben und fröhlicher wirken. „Viele haben ja traumatische Erfahrungen gemacht“, sagt sie. „Manche haben am Anfang nur schwarze Bilder gemalt.“

Bettina Lorchert will auch künftig weiter für die Kinder da sein, genauso wie die anderen Freiwilligen aus der Kinderbetreuung. Donnerstags wechseln sich vier jüngere Frauen damit ab, am Freitag ist eine Gruppe aus dem DRK-Ortsverband im Spielzimmer. Wenn es bald wärmer wird, wollen sie mit den Kindern mehr nach draußen auf den Hof gehen und spielen. „Dann wollen wir typische Draußenspiele wie zu Ostzeiten machen“, erzählt Bettina Lorchert. „Zum Beispiel Federball.“ Dafür sammeln die Freiwilligen noch Spenden.

Info: Die fünfköpfige Familie Yassin ist vor dem Bürgerkrieg in Syrien geflohen und lebt seit zehn Wochen in einer Flüchtlingsunterkunft in Ludwigsfelde. Die MAZ begleitet die Familie und berichtet wöchentlich über ihr neues Leben in Deutschland.

Von Anja Meyer

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