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Beleidigte Tunesierin verlässt die Stadt

Kopftuch-Streit in Ludwigsfelde Beleidigte Tunesierin verlässt die Stadt

Beim dritten Tischtennis-Training in Ludwigsfelde (Teltow-Fläming) wird eine junge Tunesierin wegen ihres Kopftuchs kritisiert. Sie fühlt sich zutiefst beleidigt. Gerade erst war sie beim Neubürger-Empfang der Stadt begrüßt worden. Der Tischtennisclub hat sich entschuldigt. Doch die Ingenieurin für Luft- und Raumfahrttechnik verlässt Ludwigsfelde.

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Ein Kopftuch im Sportverein sorgte für einen Eklat

Quelle: dpa

Ludwigsfelde. Sie wollte nur spielen, und zwar Tischtennis. In Ludwigsfelde, im Tischtennisverein. Doch beim dritten Training, zu dem eine junge Tunesierin mit buntem Kopftuch erschien, erklärte ein Trainer, ihre Art sich zu kleiden sei ein Problem, sei „nicht sportlich“. Wäre ihr das Kopftuch wichtig, sei sie fehl am Platz, so der Mann (die Namen beider Personen sind der Redaktion bekannt).

Streit schlägt Wellen bis in MTU-Betriebsrat

In der Auseinandersetzung ging es schließlich darum, dass solche Kleidung bei Wettkämpfen verboten sei. Doch Wettkämpfe wollte die junge Frau ohnehin nicht spielen, wie sie sagte. Der Streit schlug Wellen zwischen der Arbeitnehmervertretung von MTU, wo sie zurzeit arbeitet, und dem Tischtennisclub. Dessen Vorsitzender Falk Zimmermann hat sich inzwischen „aufrichtig entschuldigt“, wie er in einer Mail schreibt. Die Bekleidung beim Ausüben des Sports überhaupt zu thematisieren sei „völlig unangebracht, überflüssig und unsensibel“ gewesen, so Zimmermann. Solches Verhalten entspreche in keinster Weise dem Geist des Vereins und seinen Statuten. Er würde sich freuen, wenn sie wieder zum Training käme und versprach, es werde keinerlei Einschränkungen hinsichtlich ihrer Konfession geben. Der MAZ sagte Zimmermann: „Es sind zwar gerade Sommerferien. Aber diesen Vorfall werten wir hinterher im Verein aus, sowas darf nicht wieder vorkommen.“

Bürgermeister wollte vermitteln

Bürgermeister Andreas Igel (SPD) und Marina Ujlaki, die Integrationsbeauftragte der Stadt, hatten die junge Frau erst Anfang Juni beim Neubürgerempfang begrüßt. Jetzt vermittelte Igel zwischen Verein und MTU-Frau. Der MAZ sagte er: „Für mich ist es immer wieder wichtig, dass bei Differenzen alle Seiten aufeinander zugehen, um sich gegenseitig zu verstehen.“ Das gelte für alle Ebenen, ob in der Stadt, in einem Übergangswohnheim oder in einem Verein, so Igel.

Ingenieurin zieht weg

Die Tunesierin verlässt Ludwigsfelde. Zutiefst hätten sie die Worte des Trainers verletzt. Während der vergangenen Tage hatte die Frau mit deutscher Staatsbürgerschaft auch gefragt: „Wie soll es einem deutschen Bürger, der sich aktiv bemüht, gelingen, sich in diese Gesellschaft zu integrieren, wenn er so behandelt wird?“ Das bunte Kopftuch, einen Sportartikel für Outdoor-Sport, hatte sich die junge Frau extra zugelegt, um Sport und Auftreten zu kombinieren. Ihre Kollegen bei MTU stünden hinter ihr, erklärt Betriebsratsvorsitzender Michael Winkelmann. Und er sagt, die junge Frau habe in Aachen ihren Master für Luft- und Raumfahrttechnik abgelegt und sei nicht nur der deutschen Sprache mächtig. „Sie ist eine ausgesprochen nette und kluge junge Frau. Sie ist nur auf Zeit bei uns, um ihre Ausbildung zu vertiefen.“ Sicher werde sie mal Karriere machen, so der Betriebsratschef.

MTU-Betriebsratschef: Ludwigsfelde nicht ausländerfeindlich

Er wisse, dass Ludwigsfelde keineswegs ausländerfeindlich sei. Genau betrachtet sei dieser Fall auch weniger rassistisch, wohl eher männliches Imponiergehabe, meint er. Vielleicht seien deutsche Machos gerade beeindruckt von ankommenden ausländischen Machos. „Dann haben Frauen aus Kriegsländern noch mehr das Nachsehen“, so Winkelmann. „Wir dürfen nicht zulassen, dass überkommende Vorstellungen über die Frauenrolle hier wieder Fuß fassen“, so Winkelmann.

Von Jutta Abromeit

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