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Bester Azubi lernt bei Rolls-Royce

Dahlewitz Bester Azubi lernt bei Rolls-Royce

Tobias Ladkau wird am heutigen Freitag als bester Flugzeugmechaniker-Azubis Brandenburgs ausgezeichnet. Der 25-Jährige aus Luckenwalde hat sein Handwerk bei Rolls-Royce in Dahlewitz gelernt. Im Dezember erhält er sogar die Ehrung als bester Azubi in ganz Deutschland.

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Nach dem Abitur in Luckenwalde hat Tobias Ladkau bei Rolls-Royce in Dahlewitz eine Ausbildung zum Fluggerätemechaniker gemacht.

Quelle: Christian Zielke

Dahlewitz. Ehrfurcht ist das falsche Wort. Wenn Tobias Ladkau zum Schraubenschlüssel greift und an dem BR-715-Triebwerk eine Mutter festzieht, denkt er nicht an die 30 000 Pfund Schub Leistung oder das fast 1,50 Meter große Turbinenrad. „Eine schöne Maschine, mit dem man gut in den Urlaub fliegen kann“, sagt der 25-Jährige.

Die schöne Maschine ist sein tägliches Arbeitsgerät. In den Hallen von Rolls-Royce in Dahlewitz stehen an jeder Ecke Flugzeugtriebwerke, die dort hergestellt, gewartet und getestet werden. Heute wird Tobias Ladkau keinen Schraubenschlüssel in die Hand nehmen. Er wird in Potsdam sein, wo ihn die IHK als besten Auszubildenden seines Fachs in ganz Brandenburg auszeichnet. Doch damit der Ehre nicht genug: Im Dezember erhält er die Auszeichnung als bester Fluggerätemechaniker-Lehrling in ganz Deutschland. „Ich habe mich riesig gefreut und sofort meinen ehemaligen Ausbilder angerufen“, erinnert er sich an den Moment, als er die Nachricht bekam. „Ich habe am Anfang der Ausbildung gesagt, dass ich der Beste sein will“, sagt Tobias Ladkau. Dass er es geschafft hat, habe seinen Ausbilder nicht überrascht. „Er sagte, dass er mir das zugetraut hätte“.

Faszination Fliegen

Als Tobias Ladkau noch in Luckenwalde aufs Gymnasium ging, sei er nicht so ehrgeizig gewesen. „Im Abitur war ich ziemlich faul“, sagt er. Das hat sich erst nach einem halben Jahr in Kanada und mit der Ausbildung bei Rolls-Royce geändert. „Wenn ich beim Sport war, habe ich in den Pausen in meine Hefter geschaut“, sagt er. Auch in seinem Zweitjob in der Fläming-Therme hat er zwischen zwei Sauna-Aufgüssen Aerodynamik oder Triebwerkstechnik gepaukt. Schon als kleiner Junge habe ihn das Fliegen fasziniert. Die Liebe zu Modellfliegern hat er von seinem Vater geerbt. Dass er eines Tages an den großen Vorbildern schraubt, war ihm zu Schulzeiten immer klarer geworden. Als Teenager hat er bereits an seinem Moped geübt. „Ich wusste früh, wie man eine Schraube dreht“, sagt er. Dann die Ochsentour, erstes Lehrjahr: wochenlang Metall feilen, Löcher bohren, Gewinde schneiden, Bleche und Rohre biegen – ein Gefühl für das Material bekommen.

Nach einem Jahr ging es dann zum ersten Mal ans große Triebwerk. Mittlerweile testet er die neuen Triebwerke, die noch geheim sind. Begeisterung für Technik, Fleiß und Ehrgeiz haben ihn zum besten seines Fachs gemacht. So hat es die IHK ausgerechnet, nachdem sie alle Prüfungsergebnisse und Noten zusammengezählt hat. „Meine Familie ist unglaublich stolz auf mich“, sagt er.

Verantwortungsgefühl ist von großer Bedeutung

Auch für seinen Arbeitgeber ist eine solche Auszeichnung etwas besonders. In den vergangenen Jahren haben Rolls-Royce-Azubis regelmäßig Spitzenplätze im nationalen Vergleich belegt. „Das zeigt, dass wir eine anspruchsvolle Ausbildung bieten, bei der sich die Besten durchsetzen“, sagt Unternehmenssprecher Stefan Wriege. Das fängt schon bei der Bewerbung an und geht im ersten Lehrjahr weiter, wenn alle Azubis, die aus Dahlewitz und dem hessischen Oberursel, zum gemeinsamen Workshop fahren, um einander kennenzulernen. „Teamfähigkeit ist wichtig“, sagt Stefan Wriege.

Von großer Bedeutung ist auch das Verantwortungsgefühl, schließlich geht es bei Flugzeugtriebwerken um Sicherheit. Ein falscher Schlag, eine Drehung zu viel oder ein Haarriss können gefährliche Folgen haben. „Niemand reißt einem den Kopf ab, wenn man mal abrutscht“, sagt Tobias Ladkau. Entscheidend sei, dass man seinen Fehler ehrlich zugibt.

Ausbildung bei Rolls-Royce

39 Azubis lernen derzeit bei Rolls-Royce in Dahlewitz den Beruf des Fluggerätemechanikers, Fachrichtung Triebwerkstechnik. Das sind 13 in jedem Lehrjahr. Alle von ihnen haben ihre Prüfungen bestanden.

Die Hälfte der Azubis in Dahlewitz haben Abitur. Nur 15 Prozent sind jedoch weiblich.

2015 haben sich 260 junge Menschen für einen Ausbildungsplatz in Dahlewitz beworben. Zum Vergleich: 2006 waren es noch 800 Bewerbungen. 2011 waren es nur 160.

Die ursprünglich auf 3,5 Jahre angelegte Ausbildungszeit kann bei guten Leistungen auf drei Jahre verkürzt werden.

In den vergangenen zehn Jahren ging der IHK-Preis für den besten Fluggerätemechaniker-Azubi sieben Mal an Rolls-Royce.

Rolls-Royce setzt schon in jungen Jahren auf Nachwuchsgewinnung. Mit Unterstützung der Initiative „Haus der kleinen Forscher“ versucht das Unternehmen bereits im Kindergarten- und Grundschulalter Begeisterung für Naturwissenschaft zu wecken.

Um mehr weibliche Azubis zu bekommen, beteiligt sich Rolls-Royce am Girls Day und bietet Mädchen ab der 5. Klasse einen Einblick in die Arbeitswelt. Einmal im Jahr findet ein Tag der Ausbildung im Werk in Dahlewitz statt.

Wenn Tobias Ladkau heute in Potsdam geehrt wird, begleitet ihn sein früherer Ausbilder, das hat er sich so gewünscht. Zur Auszeichnung am 5. Dezember in Berlin werden ihn zwei Freundinnen begleiten. „Es sieht immer gut aus, wenn man zwei Frauen dabei hat“, sagt er. Viel Zeit bleibt ihm nicht, ab Januar wird er in Bristol studieren. Er will den Master of Science in Engineering Business Management machen, vergleichbar mit dem Wirtschaftsingenieur. Sein Blick sagt: „Ich werde auch das schaffen.“

Von Christian Zielke

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