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Betreuungsverein kämpft für bessere Vergütung

Zossen Betreuungsverein kämpft für bessere Vergütung

Sie managen das Leben von Menschen, die sich allein nicht mehr helfen können. Für diese Arbeit bekommen die Betreuer des Freien Betreuungsvereins Teltow-Fläming in Zossen seit zwölf Jahren das gleiche Geld, dabei wird ihre Arbeit immer mehr und wichtiger. Ihre Hoffnung liegt auf dem Bundesrat, der heute über eine Erhöhung der Vergütung abstimmen soll.

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Betreuerin Katrin Witt (l.), Melissa Jungnickel, die Geschäftsführerin des Freien Betreuungsvereins, und Joachim Kay, der Leiter der Betreuungsstelle in Zossen, helfen Menschen, die sich selbst nicht mehr helfen können.

Quelle: Foto: Christian Zielke

Zossen. Wenn am heutigen Freitag der Bundesrat zu seiner letzten Sitzung vor der Sommerpause zusammenkommt, wird ein Thema auf der Tagesordnung stehen, das in der öffentlichen Diskussion bisher kaum Beachtung gefunden hat: das Gesetz zur Verbesserung der Beistandsmöglichkeiten unter Ehegatten und Lebenspartnern in Angelegenheiten der Gesundheitssorge und zur Anpassung der Betreuer- und Vormündervergütung.

Was sich kryptisch liest, spielt im Alltag für immer mehr Menschen eine Rolle, denn es geht um fundamentale Lebensfragen. Joachim Kay, der Leiter der Betreuungsstelle des Freien Betreuungsvereins Teltow-Fläming hat in den vergangenen Monaten viele Gespräche mit Abgeordneten aus Brandenburg gesucht. Er möchte sie überzeugen, sich für die im Gesetz vorgesehene Erhöhung der Betreuervergütung um 15 Prozent stark zu machen. Derzeit bekommt ein Betreuer 44 Euro pro Stunde für jeden Klienten im Monat. Seit 2005 wurde diese Pauschale nicht erhöht.

Die Vergütung der Betreuer deckt die Kosten oft nicht

Für das Geld stehen pro Klienten im Schnitt dreieinhalb Stunden monatlich zu Verfügung, nach einem Jahr sinkt die Pauschale. Tatsächlich ist der Aufwand oft viel höher und die Arbeit der Betreuer nicht mehr kostendeckend. Mit Sorge blickt Joachim Kay vor allem auf die westlichen Bundesländer, wo in den vergangenen Jahren zahlreiche Betreuungsvereine aus finanziellen Gründen schließen mussten.

In Brandenburg stehen für die rechtliche Betreuung jährlich 32 Millionen Euro im Etat des Justizministeriums zur Verfügung. Der Landkreis und viele Kommunen halten sich aus der Finanzierung des Vereins ganz heraus. „Viele Kollegen fühlen sich missachtet“, sagt Joachim Kay, dabei werde deren Arbeit immer wichtiger.

Die Beschäftigten des Freien Betreuungsvereins Teltow-Fläming in Zossen haben es täglich mit Menschen zu tun, die ihr Leben nicht mehr alleine geregelt bekommen. Entweder, weil sie alt und krank sind oder weil die Probleme so überhand nehmen, dass es scheinbar keinen Ausweg gibt. „Wir sehen uns als Verbraucherzentrale für Menschen mit Problemen“, sagt Katrin Witt. Die studierte Juristin arbeitet als Betreuerin. Sie managt das Leben von Menschen, die sich nicht mehr helfen können. Das sind alte Menschen, die körperlich oder geistig nicht mehr in der Lage sind, für sich zu sorgen, aber auch Alkoholiker, psychisch Kranke, Behinderte oder Menschen mit sozialen Störungen. Gemeinsam mit ihnen erledigt sie Behördengänge oder berät bei Patientenverfügungen.

Betreuer müssen über Leben und Tod entscheiden

„Wir helfen den Leuten, die Leistungen zu bekommen, die ihnen zustehen“, sagt Katrin Witt. Oft muss sie ihre Klienten zu Hause oder im Heim besuchen, sich durch Berge von Akten wühlen. Fast immer geht es um wichtige Dinge, wie unbezahlte Rechnungen, Erbangelegenheiten, Mietfragen. Manchmal müssen die Betreuer aber auch über Leben und Tod entscheiden, etwa wenn jemand ins Koma fällt und nur durch medizinische Geräte am Leben gehalten wird. Hat der Patient keine Patientenverfügung, müssen Betreuer und Ärzte gemeinsam mit den Angehörigen entscheiden, wie der Behandlungswunsch des Patienten aussehen könnte.
„Was die Leute allein bewältigen können, machen sie allein“, sagt Katrin Witt. Doch viele kapitulieren vor Bürokratie und Verantwortung. Weil die zu betreuenden Menschen und ihre Angehören häufig überfordert sind, muss sie deren Leben managen. Neben allem Fachlichen spielt das Vertrauen ihrer Klienten eine wichtige Rolle. „Das muss man sich erarbeiten“, sagt sie, schließlich habe sie Einblick in die persönlichsten Angelegenheiten. So persönlich, dass nur ein Richter einen solchen Schritt anordnen darf, schließlich geht es um elementare Grundrechte. „Wenn wir qualitativ gute Arbeit machen sollen, müssen wir auch finanziell gut ausgestattet sein“, sagt Katrin Witt. Schließlich haften Betreuer bei Fehlern.

Bundesrat wird Abstimmung zur Vergütung voraussichtlich vertagen

Vom Land Brandenburg war trotz mehrerer Anfragen keine Stellungnahme zu bekommen. Das Justizministerium, das über das Geld wacht, verweist auf das Sozialministerium. Auch die Staatskanzlei hält sich mit Auskünften zurück, ob sie das Gesetz im Bundesrat mittragen will oder nicht. Regierungssprecher Florian Engels geht davon aus, dass das Thema von der Tagesordnung genommen wird. Der Rechtsausschuss des Bundesrats hatte dies vorgeschlagen und verweist auf die noch ausstehenden Ergebnisse einer Untersuchung des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz zur Qualität in der rechtlichen Betreuung. Die Diskussion um eine angemessene Vergütung der Betreuer kann nicht ohne Bewertung der Qualität der rechtlichen Betreuung geführt werden, heißt es in der Begründung.

Kay ist besorgt: „Für manche Vereine könnte die Erhöhung, wenn sie kommt, zu spät sein.“

Von Christian Zielke

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