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Bier aus Jüterbog

Student Alexander Knobelsdorf braut selbst und begeistert Bierfreunde Bier aus Jüterbog

Der Jüterboger Alexander Knobelsdorf lernt an der Uni, wie man Bier braut. Seit kurzem werden seine Eigenkreationen in Jüterbogern Gaststätten angeboten. Nicht nur Bier-Experten sind begeistert. Beim Brauen bekommt Knobelsdorf Unterstützung von der ganzen Familie.

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Der Hausbrauer Knobelsdorf in seiner Küche.

Quelle: Martina Burghardt

Jüterbog. Würde man ein Gespräch mit Alexander Knobelsdorf belauschen, würde man sich als Laie wundern, was es bedeutet, wenn er von „verbitterten Jungfrauen“ redet. Auch der Spruch „Heute back’ ich, morgen brau’ ich“ könnte Fragen aufwerfen. Nur Kenner wissen: Hier spricht man von Hopfen und Malz. Um genau zu sein: Es geht um Bier aus Jüterbog und damit um nichts weniger als die Rettung einer jahrhundertealten Tradition.

Alexander Knobelsdorf ist Jüterboger, gelernter Brauer und Mälzer und zurzeit Student des Brauwesens und der Getränketechnologie an der Technischen Universität Berlin. Seit dem Fürstentag im September werden zwei seiner selbst entwickelten Biersorten in Jüterboger Gaststätten angeboten – und kommen nicht nur bei Liebhabern gut an.

Dabei ist das Bierbrauen nicht ganz das, was sich der Schüler Alexander Knobelsdorf für sein späteres Berufsleben vorstellte. Die Kleintierzucht hatte es ihm angetan, und das ließ ihn an ein Studium der Biologie oder Zoologie denken. Die Prophezeiung eines Lehrers, er würde damit als Praktikant oder Taxifahrer enden, brachte ihn ins Grübeln und erinnerte ihn an ein Experiment mit einem Bierbrauset seines Vaters. Dass daraus mehr werden könnte, darauf brachte ihn der Nachbar. Zum Bewerbungsgespräch für die Ausbildung in einer Leipziger Brauerei nahm er 2008 eine Flasche seiner Eigenkreation mit. Die Zusage kam prompt.

Als Geselle mit sehr gutem Abschluss und Wissen aus allen Bereichen des Bierbrauens begann er 2011 das Studium in Berlin und experimentierte in der kleinen Küche seiner Dachgeschosswohnung im Elternhaus in Jüterbog weiter. „Ich wollte auf jeden Fall die Produktnähe“, erläutert der 25-Jährige, der mit seiner Ausbildung sowohl in der Maschinenbau als auch in der Lebensmittel- oder Pharmaindustrie arbeiten könnte. Nun gärt in seiner Küche das „Knobinger“, ein spezielles Weihnachtsbier. Er hat im Mai dieses Jahres in Jüterbog ein Gewerbe angemeldet und sich bei der Kreishandwerkskammer eintragen lassen. Nun denkt er über einen Umzug nach. Denn die Kapazitäten hinken mittlerweile der Nachfrage hinterher.

Aber gerade wenn der „Knobinger“-Nachschub knapp wird, drücken einige Jüterboger dem Studenten ganz besonders die Daumen. Schließlich stehen in Berlin Klausuren und Abschlussprüfungen an. Wenn alles gut geht, kann sich der Bierbrauer ab Mitte nächsten Jahres mit akademischem Abschluss voll und ganz seiner Handwerkskunst widmen. Sicher wird man dann auch wissen, wann die nächste Jüterboger Hopfenkönigin gekrönt wird. Die erste hat der Hausbrauer anlässlich des Fürstentages, des Jüterboger Stadtfestes im September, selbst ernannt: seine Schwester Katharina. Mit Ende 20 sei sie eigentlich schon zu alt für dieses würdevolle Amt, das weiß sie wohl. Aber im Moment kennt sich eben keine so gut mit dem Bier ihres Bruders aus.

Überhaupt ist die ganze Familie Knobelsdorf am Projekt beteiligt. Sei es bei der Überwachung des Gärprozesses oder beim Austüfteln der Werbestrategie. Katharina Knobelsdorf hat in Ravensburg Medien- und Kommunikationswirtschaft studiert. „Im Land des Hopfens“, sagen die Geschwister wie aus einem Mund.

Hopfensorten aus aller Welt sind nämlich im Bier aus Jüterbog enthalten, zum Beispiel im Knobinger Festbier (für die Spezialisten: ein Vollbier mit 12ºP Stammwürze und 4,8 Prozent Alkohol), dessen Beschreibung „frisch, mit herbfruchtiger Note, malzig süß, glühend kupferrot“ im Familienrat am heimischen Wohnzimmertisch formuliert wurde.

Hopfen – das ist ja eigentlich schon wieder eine Geschichte für sich. Denn nicht nur die Analyse des Jüterboger Wassers hat gezeigt, dass es sich ausgezeichnet fürs Bierbrauen eignet, sondern es wächst Hopfen in und rings um Jüterbog, natürlich auch die „bitteren Jungfrauen“ (die unbefruchteten Hopfendolden). Das wusste Familie Knobelsdorf nicht, bis der Sohn, der die Zutaten für die Würze kaufen muss, Ausschau danach hielt. Auf einer Karte hat er seine Hopfen-Fundorte eingetragen und selbst im Garten einige Pflanzen gesetzt. Für besondere Aromen, etwa das „Red Ale“, das wegen seines Geruchs auch als Rosenbier angeboten wird, führt er allerdings weiterhin Hopfen ein, in jenem Fall aus Amerika. Von Hand gepflückter und verarbeiteter „Jüterboger Wildhopfen“ ist beispielsweise in seinem Festbier enthalten.

Schrot lässt er sich in der Jüterboger Stadtmühle herstellen, das Malz holt der Brauer aus Landsberg bei Halle. Er kann sich vorstellen, dass Gerste von Niedergörsdorfer Feldern dazu verarbeitet wurde. Alles zusammen wird nun auf dem heimischen Herd in den von der Oma spendierten Töpfen zu echtem Jüterboger Bier.

Seinen reichen Wissensschatz über das Bierbrauen, inklusive des Preußischen Reinheitsgebotes von 1723, kann Alexander Knobelsdorf in Zukunft sicher noch öfter anbringen und dabei zur allgemeinen Erheiterung – auch ohne Alkohol – beitragen. Zum Beispiel die Geschichte vom zweitältesten Gewerbe der Welt, dem Bierbrauen, und dem ältesten Gewerbe, dem Brotbacken. Tatsächlich hat er auch damit schon experimentiert. Den Treber, die Rückstände des Malzes nach dem Brauen, kann man nämlich zum Brotbacken verwenden. Die Familie mag’s. Das macht richtig satt – und schmeckt zum Bier.

Von Martina Burghardt

Hier geht's zur Facebook-Seite des Bierbrauers.

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