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Teltow-Fläming Bildhauerlehrlinge machen Orgeln schick
Lokales Teltow-Fläming Bildhauerlehrlinge machen Orgeln schick
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00:18 29.04.2017
Ronja Ernesti arbeitet sich mit Schlegel und Flacheisen behutsam durchs Birkenholz, um das alte Ornament nachzuempfinden. Quelle: Uwe Klemens
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Langenlipsdorf

„Viele alte Techniken sind verloren gegangen, sodass wir heute nicht mehr genau wissen, wie es früher gemacht wurde. Dann müssen wir als Bildhauer uns herantasten“, sagt Bastian Tabert von der Sik-Holzgestaltungs-GmbH Langenlipsdorf. Als Lehrausbilder gibt der preisgekrönte Bildhauer sein Wissen an den Nachwuchs weiter.

Seit einer Woche steht die Lehrwerkstatt im Dienst ihrer Majestät, der Königin der Instrumente. Vom Holzwurm zerfressene Teile des Prospektes der Wagner-Orgel aus der Jüterboger Liebfrauenkirche warten darauf, behutsam nachempfunden zu werden.

Klötze in Bogenform

Wie lang der Weg dorthin ist, weiß Ronja Ernesti spätestens, seit sie vor einer Woche mit der Nachbildung eines etwa 15 mal 40 Zentimeter großen Ornamentes begonnen hat, die Stunden davor, in der Skizzen gemacht, ausgemessen und Birkenholzklötze in Bogenform zusammengeleimt wurden, noch nicht einmal mitgerechnet. Insgesamt vier Lehrlinge arbeiten derzeit an dem Orgelprospekt. Mindestens 200 Stunden werden sie allein für das Schnitzen brauchen“, sagt Sik-Holz-Geschäftsführer Klaus Gust. Noch einmal so viele Stunden dürften dazu kommen, wenn sich die Lehrlinge im Anschluss dem Rühlmann-Prospekt aus der Nikolaikirche widmen.

Gute Chance auf eine anspruchsvolle Aufgabe

„Dass junge Leute aus der Region nun mit Hand anlegen, dass die historischen Orgeln des Flämings erhalten bleiben, ist supertoll und irgendwie schließt sich mal wieder ein besonderer Kreis“, freut sich Kreiskantor Peter-Michael Seifried, ohne dessen emsiges Bemühen es die derzeit laufende Sanierung der Instrumente wohl nicht geben würde. Als Seifried und Gust, der ebenfalls bekennender Christ ist und sich viel für den Erhalt von Kirchen engagiert, Anfang des Jahres auf die Orgelsanierung zu sprechen kamen, erkannte der Bildhauer sofort die gute Chance, für seine Lehrlinge eine spannenden und lehrreiche Aufgabe zu akquirieren.

„Das schwierigste ist für mich, mich in die Form des Ornamentes hineinzufühlen“, sagt die 22-jährige Ronja Ernesti, die eigentlich aus Hannover stammt und auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz vom guten Ruf der Langenlipsdorfer Firma erfuhr. Mittlerweile ist sie im zweiten Lehrjahr. „Genau die richtige Zeit für eine solche Aufgabe“, weiß Ausbilder Bastian Tabert, dessen eigene Lehrzeit erst vier Jahre zurückliegt.

Den Hermen geht es an die Finger

Noch spannender werden dürfte es dann bei den Arbeiten für die Rühlmann-Orgel, deren Prospekt mit Figuren aus der Jugendstil-Zeit, sogenannten Hermen, geschmückt ist, die etliche Schäden aufweisen. Finger und sogar ganze Hände, die abgebrochen und spurlos verschwunden sind, müssen nachempfunden werden.

Von Uwe Klemens

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