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Teltow-Fläming Bitte spenden: Alte Stifte für kranken Lucas
Lokales Teltow-Fläming Bitte spenden: Alte Stifte für kranken Lucas
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16:05 05.08.2016
Immer wieder kommen Pakete voller Stifte bei Corana Büthke an. Quelle: Christian Zielke
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Blankenfelde

237 000 Stifte in einem halben Jahr – Corana Büthke kann es selbst kaum glauben. Seit Anfang Januar sammelt die Blankenfelderin Kugelschreiber und anderes Schreibgerät, um eine Delfintherapie für ihren Sohn Lucas zu finanzieren. Der Siebenjährige leidet am Angelman-Syndrom, einem seltenen Gendefekt, der zu körperlichen und geistigen Einschränkungen führt.

Angelman-Syndrom

Weltweit sind etwa 800 Menschen vom Angelman-Syndrom betroffen. Ursache ist ein Gendefekt auf dem Chromosom 15.

Benannt ist es nach dem britischen Neurologen Harry Angelman, der es 1965 erstmals beschrieb.

Weil die Betroffenen gerne und viel lachen, wurde es zunächst „Happy-Puppet-Syndrom“ (glückliche Puppe) genannt. Weitere Merkmale sind Verzögerungen bei der geistigen und körperlichen Entwicklung sowie Sprachstörungen.

Eine Heilung ist derzeit nicht in Aussicht. Betroffene haben eine normale Lebenserwartung.

Stifte für Lucas’ Delfintherapie nimmt Familie Schoechert in 15827 Blankenfelde, Wilhelm-Raabe-Straße 48, an.

750 000 Stifte sind nötig. Dass fast ein Drittel schon geschafft ist, macht Lucas’ Eltern Corana und Sven nahezu sprachlos. „Mit einer solchen Resonanz habe ich nicht gerechnet“, sagt Mutter Corana. Eine Welle der Hilfsbereitschaft sei über die Familie hereingebrochen. Privatpersonen, Vereine und Unternehmen haben ihre Schubladen nach Kugelschreibern, Füllhaltern und Textmarkern durchsucht. Arbeitskollegen von Sven Büthke, der Busfahrer bei der BVG ist, unterstützen die Sammlung. Jede Woche kamen volle Pakete an. Das gesteckte Ziel scheint früher erreicht als gedacht. Voller Optimismus hat Lucas’ Familie bereits einen Platz für die Delfintherapie reserviert. Im Juli 2018 reist die Familie auf die Karibikinsel Curaçao. Dort wird Lucas mit Delfinen im Meer schwimmen. Mit Hilfe der Tiere soll sich die Motorik des Jungen verbessern. Bei einer ersten Therapie vor einigen Jahren hat Lucas große Fortschritte beim Laufen gemacht. Auch das Trinken fällt ihm seitdem leichter. „Wasser ist sein Element“, sagt Corana Büthke. Im Dänemarkurlaub vor ein paar Wochen habe er trotz kühler Wassertemperaturen viel Zeit im Meer verbracht. Auf Eltern mit einem „besonderen Kind“, wie die Büthkes sagen, wirken kleine Fortschritte wie Meilensteine.

Der 7-jähirge Lucas Büthke leidet am Angelman-Syndrom. Quelle: privat

Kisten und Tüten voller Stifte

Im Haus der Familie stapeln sich die Kisten und Tüten mit den Stiften. Seit kurzem sammeln die Büthkes auch Chipstüten und „Quetschies“, das sind die kleinen Aluminium-Tütchen, in denen Säfte und Obstbrei abgefüllt ist. Was eigentlich Abfall ist, wurde für Lucas’ Familie zum Hoffnungsträger. Eine Recyclingfirma aus Berlin zahlt für jeden Stift zwei Cent. „Das klingt nicht viel, aber die Masse macht es“, sagt die 38-Jährige. Dank Verbreitung über das soziale Netzwerk Facebook machte Lucas’ Schicksal in ganz Deutschland die Runde. „Wir haben uns entschieden, an die Öffentlichkeit zu gehen“, sagt Mutter Corana. Die 15 000 Euro für die Delfintherapie könnte die Familie nicht ohne Weiteres allein aufbringen. Stiftungen sind auch nicht mehr so spendabel wie früher. Also entschied man sich für die Sammelaktion. „Jeder hat alte Stifte zu Hause“, sagt die 38-Jährige. Manche haben sogar ihre jahrelang zusammengetragene Stiftesammlung aufgegeben, um Lucas zu helfen. „Das berührt einen sehr, wenn man das mitbekommt“, sagt sie.
Die Stifte bescheren nicht nur Lucas ein neues Leben, sie werden selbst „wiedergeboren“.

Für die Recyclingfirma sind die Stifte ein Rohstoff. Zu kleinen Kügelchen zermahlen entstehen aus ihnen Gartenbänke und Spielgeräte. Blei-, Bunt- und Wachsstifte, die ausdrücklich nicht zur Sammlung gehören, aber immer wieder abgegeben werden, landen nicht im Müll. Corana Büthke spendet sie an Kindergärten.

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Von Christian Zielke

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