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Teltow-Fläming BER-Protestplakate in der „Alten Aula“
Lokales Teltow-Fläming BER-Protestplakate in der „Alten Aula“
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00:21 10.02.2019
Der Grafiker Klaus Lubina hat seit 2011 schon mehr als 100 Protestplakate entworfen. Quelle: Nadine Pensold
Blankenfelde

Der impressionistischen Ruhe, die Monets Mohnfeld-Gemälde innewohnt, setzt Klaus Lubina ein tösendes Ende. Flugzeuge lässt er über den Himmel donnern, lässt den blauen Himmel von Abgasen ergrauen. An anderer Stelle schickt er die Flieger symbolisch durch Kinderzimmer und Naturschutzgebiete oder lässt sie ihre Kreise über den Gemeinden rund um den künftigen Hauptstadtflughafen ziehen.

Seit 2011 erstellt der Schöneicher Grafiker Klaus Lubina Protestplakate, die sich mit den Pleiten und Pannen desI BER, Fluglärm, Luftverschmutzung und Nachtflugregelungen auseinandersetzen.

Zahlreiche Protestplakate gegen den BER und den stetig wachsenden Flugverkehr in der Region hat der Grafiker seit 2011 erstellt. Mal frech, dann bissig, andere witzig und dabei immer auf den Punkt thematisiert er, was der zunehmende Flugverkehr, der Verlauf der Flugrouten, Lärm zu Tages- und Nachzeiten und Luftverschmutzung für Mensch und Natur bedeuten. „Ich bin kein Flughafengegner und kein Wutbürger“, sagt der 76-Jährige, der in Schöneiche (Oder-Spree) lebt. „Meine Versuche sind kritisches Denken über die forcierte Fliegerei, den BER-Standort, die Betroffenengesundheit, den Klimaschutz und das Kleinreden der Kehrseiten dieses Großprojektes“, erklärt er.

Auswahl an BER-Protestplakaten in der „Alten Aula“

Eine Auswahl von rund 50 dieser kreativ zu Papier gebrachten Denkanstöße werden aktuell in der „Alten Aula“ in Blankenfelde ausgestellt. Für die Optik verwendet er Flugkurven und Fotos, Ikonen der Kunstgeschichte und Symbole der Fliegerei. In wenigen Worten, mit geschickt gesetzter Typografie und Rückgriff auf Experten- und Politiker-Zitate aus Zeitungsartikeln und Interviews setzt er seine Botschaften zusammen.

Mal inszeniert er sie als sarkastische Utopien, an anderer Stelle folgt schonungsloser Klartext, den er beispielsweise an den BER-Aufsichtsratschef Rainer Bretschneider, sowie die Landeschefs Klaus Wowereit, Michael Müller und Matthias Platzeck (alle drei SPD) in großen Lettern adressiert. Als Kunst will er seine Werke aber nicht verstanden wissen. „Ich mache Plakatgestaltung“, sagt Klaus Lubina und verweist auf sein Handwerk, dass er viele Jahrzehnte ausgeübt hat.

Ausbildung und Studium in Erfurt, Berlin und Leipzig

Der gebürtige Erfurter hat in jungen Jahren eine Schriftsetzerlehre absolviert, später studierte er an der Fachschule für Angewandte Kunst in Berlin-Oberschöneweide, sein Diplom machte er an der Hochschule für Grafik und Buchkunst an der HGB Leipzig. In seinem Berufsleben arbeitete der Grafiker als Fachlehrer für visuelle Gestaltung, war verantwortlicher Grafiker in DDR-Buchverlagen und arbeitete nach der Wende im Bereich Werbung für Verlage, Organisationen und Unternehmen. Und auch im Ruhestand ist er weiter kreativ, arbeitet beispielsweise mit einer Willkommensklasse in Fürstenberg an einem Kunstprojekt.

Kritik an mangelnder Ehrlichkeit

In seinen Plakaten verarbeitet er jene gesellschaftlichen Themen, die ihn beschäftigen. Darunter auch die Wende, die Situation in Syrien, Gerechtigkeit und soziale Spaltung. Seine Auseinandersetzung mit dem von Pleiten und Pannen geplagten Projekt BER ist dabei besonders intensiv. „Durch diesen Mangel an Ehrlichkeit bei diesem Vorhaben fühlt man sich als bescheidener Mensch verletzt“, sagt er.

Mit seinen Arbeiten appelliert er an die Entscheidungsträger und zeigt auf, was durch mangelnde Nachtruhe, Fluglärm und Emissionen einer Menge Menschen in der Region droht. Zwei seiner Plakate, sie heißen „Langzeit-Feldversuch“, listen all jene Kommunen samt ihrer aktuellen Einwohnerzahlen auf, die vom Flugverkehr am künftigen Drehkreuz betroffen sein werden. Es sind hunderttausende Menschen.

Keine Lobby für gesellschaftskritische Plakate

Auch der Schutz des Klimas, der Umwelt und Natur sind dem Grafiker ein wichtiges Anliegen. Die Brisanz dieser Themen findet ebenfalls ihren Niederschlag in seinen Protestplakaten. „Jeder kann seinen Beitrag leisten, das klagen sogar schon die Schüler ein“, sagt er mit Verweis auf die weltweiten Proteste junger Klimaschützer. Er versteht sich in der Diskussion als Impulsgeber. Eine Rolle, die sich häufig schwierig gestaltet. „Kritik findet oft kein Gehör. Und für gesellschaftskritische Plakate gibt es heute kaum eine Lobby“, hat Klaus Lubina festgestellt. Doch das ermutigt ihn nur weiter zu machen.

Siegrid Sohr ist froh, dass einige Ergebnisse des Engagements von Klaus Lubina nun in der „Alten Aula“ zu sehen sind. „Es ist eine außergewöhnliche Ausstellung“, sagt die Vorsitzende des Kulturvereins Blankenfelde. Klaus Lubina zeige viele Probleme, Fehlentscheidungen, politische Arroganz und Borniertheit auf. „Wir alle sind jetzt schon Betroffene, und dann erst recht, wenn das Drehkreuz eröffnet.“

Christoph Schulze ist Schirmherr der Ausstellung

Bereits vor einiger Zeit waren die Protestplakate im Potsdamer Landtag ausgestellt. 2017 wurden sie im Vorfeld und zum Anlass des Tags der offenen Tür des Landtags im Flur und den Räumlichkeiten der Landtagsgruppe BVB/Freie Wähler gezeigt. Knapp 10 000 Besucher hätten damals die Arbeiten des 76-Jährigen gesehen, berichtete der Landtagsabgeordnete Christoph Schulze (parteilos) zur Eröffnung der Ausstellung in Blankenfelde. Der Politiker hat dafür die Schirmherrschaft übernommen. „Die Ausstellung soll aufrütteln und ermutigen darüber nachzudenken, was hier passiert“, sagte Schulze.

Die Ausstellung wird bis 30. April in der „Alten Aula“, Zossener Damm 2, in Blankenfelde gezeigt.

Von Nadine Pensold

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