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Blankenfelde-Mahlow Autorin Bärbel Schäfer liest aus ihrem neuen Buch
Lokales Teltow-Fläming Blankenfelde-Mahlow Autorin Bärbel Schäfer liest aus ihrem neuen Buch
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17:10 11.01.2019
Beim Signieren der Bücher entwickelten sich kurze Gespräche zwischen dem Publikum und der Autorin Bärbel Schäfer (r.). Quelle: Andrea von Fournier
Dahlewitz

Braucht es, bei all der angebotenen einschlägigen Literatur, weitere Bücher über den Holocaust, über Täter und Opfer? Die Autorin, die Bibliotheksleiterin Heike Richter diesmal in der Zweigstelle im Bruno-Taut-Haus zur Lesung begrüßte, ist ganz fest dieser Meinung.

„Meine Nachmittage mit Eva – Über Leben nach Auschwitz

Bärbel Schäfer (55), TV-Moderatorin und Journalistin, Ehefrau von Michel Friedman, Mutter zweier Söhne, konvertiert zum Judentum, stellte ihr Buch „Meine Nachmittage mit Eva – Über Leben nach Auschwitz“ vor. Und nimmt damit allen den Wind aus den Segeln die meinen, es wäre genug mit der Aufarbeitung der Verbrechen unserer Vorväter. Die Art, wie sie das Thema angeht – einen Erzählstrang in die eigene Familie gelegt, einen zweiten in die Nachmittagsgespräche mit der Auschwitz-Überlebenden Eva Szepesi – ist intim, nahbar, nachvollziehbar und berührend.

Bärbel Schäfer bei der Lesung. Quelle: A.v.Fournier

Dabei zeigt Schäfer diese wunderbare Einrichtung, die „deutsche Familie“ von einer skurrilen, so frappierenden Nacktheit, der sich keiner entziehen kann. Das ewige „unter-den-Teppich-Gekehre“, „wozu-soll-das-noch-gut-sein?“ und Standard-„Ratschläge“, wie sie Eltern ihren Kindern in den meisten Familien nutzloserweise ewig mit auf den Weg gaben, weisen dem Leser ganz schnell den Weg ins eigene Umfeld und regen an, unausgesprochene Fragen endlich zu stellen.

40 Interessierte im Publikum

Eine gute Stunde las Bärbel Schäfer Sequenzen aus ihrem Buch, bei mucksmäuschenstillem Publikum. Etwa 40 Interessierte hörten zu, darunter nur eine Handvoll Männer. Diskutieren wollten die Besucher anschließend kaum, sie schienen einzig das Gelesene auf sich wirken zu lassen. Bärbel Schäfer näherte sich dem Thema durch den Umzug ihrer Großmutter ins Altersheim: Dabei fiel ihr ein Schmuckschächtelchen mit Mutterkreuz in die Hände.

Danach waren die Täter nicht mehr die anderen

Sie fragte, warum die Oma nie davon erzählt habe. Weitere Fragen drängten sich der Enkelin auf: Wart ihr Nazis? Was habt ihr damals getan, was dagegen, dass eure jüdischen Nachbarn verschwanden? Antworten gab es nicht, sondern eine unerwartete norddeutsche Backpfeife. „Das war der Tag, an dem ich mich von Großmutter entliebt habe“, so Schäfer. Danach waren die Täter nicht mehr „die anderen, das war meine Familie!“ Gegenüber ihrer harten, prinzipientreuen „Verbote-Oma“ zeichnet die Autorin das Bild der zerbrechlichen Jüdin Eva Szepesi (86), mit der sie sich für ihr Buch mehrfach traf, woraus sich eine persönliche Beziehung entwickelte.

Mutterseelenallein im Viehwaggon

Eva Szepesi wurde als behütete Elfjährige von ihrer Mutter auf die Flucht geschickt, um den Nazis zu entgehen. Bruder und Mutter wollten nachkommen, der Vater war bereits im Arbeitslager. Doch das Kind wird aufgegriffen und mutterseelenallein im Viehwaggon ins KZ Auschwitz gebracht. Ein Vierteljahr bis zur Befreiung ist sie dort, überlebt halbtot und gezeichnet für ihr Leben, nicht nur durch die Nummer auf ihrem Arm. Jahrelang hofft sie, Mutter und Bruder wiederzufinden, bis sie bei einem Besuch 2016 in Auschwitz erfährt, dass die beiden schon vor ihr dort ermordet wurden.

„Aus Fehlern lernen, den Teppich hochheben“

Wie viel Leid kann ein Mensch tragen? Wie viel Böses in seinem Herzen verschließen? Warum schwiegen Opfer und Täter gleichermaßen? Was kann man auf einem Scham-besetzten Fundament aufbauen? Die Fassungslosigkeit macht Bärbel Schäfer deutlich, aber immer wieder auch Parallelen zum Heute. „Währet den Anfängen!“, hätte ihre Altvordere vermutlich gesagt. Den schweren Tobak überreicht Schäfer oft in eleganten Sätzen. Das Publikum blieb nachdenklich, „aus Fehlern lernen, den Teppich hochheben“, gab die Autorin ihm mit auf den Weg.

Von Andrea von Fournier

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