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Blankenfelde-Mahlow Fotograf Günter Krawutschke dokumentiert den Arbeitsalltag in Ostberlin
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19:42 12.03.2019
Günter Krawutschke zur Vernissage seiner jüngsten Ausstellung im Deutschen Technikmuseum Berlin. Quelle: Andrea von Fournier
Blankenfelde

Schmutz, Lärm, Hitze – Maloche auf meist veralteten Maschinen. Ein strapaziöser, hämmernder Rhythmus scheint einen anzuspringen. Pausen von Arbeitern mit ausdruckslosen Gesichtern in schmutzigen Räumen, unter Wandzeitungen mit Depeschen oder den Abbildern irgendwelcher Führer. Aber auch lachende, entspannte Menschen in Kitteln, grauem Doppel-Ripp, blauem Körper oder festlicher Kleidung, beim Feiern, beim Trinken, mit Blumen. Ungestellte Szenen aus dem Arbeitsalltag in Industriebetrieben Ostberlins in den Jahren von 1971 bis 1986 hat der Blankenfelder Fotograf Günter Krawutschke festgehalten. Bar jeden Pathos zeigen sie die Realität sozialistischen Arbeitsalltags. Sie sind kostbare Zeitzeugendokumente in hoher künstlerischer und handwerklicher Qualität, die nun im Deutschen Technikmuseum Berlin ausgestellt werden.

Die Vernissage der Schau „Gesichter der Arbeit“ war nicht nur für den Kameramann und späteren studierten „Fotografiker“, Pressefotograf unter anderem für „Berliner Zeitung“ und „Für Dich“, ein adelndes Ereignis. Joseph Hoppe, stellvertretender Leiter des Museums, konstatierte mit dieser Ausstellung mehrere Premieren für sein Haus: Eigens für Fotoausstellungen wurde ein neuer, größerer und zweckmäßiger Raum eingerichtet, dessen hervorragende Licht- und Hängetechnik Günter Krawutschke nun als Erster testen kann. Wichtiger erscheint jedoch, dass sich das Museum erstmals fokussiert und programmatisch mit dem Thema „Arbeit“ befasst – das verwunderte die Macher selbst außerordentlich.

„Gesichter der Arbeit“ sind die für die Ausstellung ausgewählten Motive von Günter Krawutschke. Quelle: Andrea von Fournier

Fotos bis Anfang März 2020 in Berlin-Kreuzberg zu sehen

Wie auch der Fakt, dass 30 Jahre nach Mauerfall zum ersten Mal eine komplette Ausstellung über DDR-Geschichte gezeigt wird, nachdem sie in anderen Kontexten stets nur mit einzelnen Motiven vertreten war. Über den Ausstellungstitel gab es im Vorfeld Diskussion: Der Künstler akzeptierte den vorgeschlagenen, „Helden der Arbeit“, nicht; „Das Ironische darin gefielt Günter Krawutschke nicht“, so Joseph Hoppe, der den gefundenen Kompromiss nun ehrlicher findet. Als er die Website des Fotografen zum ersten Mal besuchte, dachte er spontan: „Die Fotos gehören zu uns!“

So werden die nun ausgesuchten Fotos bis Anfang März 2020 in Berlin-Kreuzberg zu sehen sein. Bernd Lüke, der Kurator der Ausstellung, erinnerte daran, dass die Arbeitswelt, wie Günter Krawutschke sie eingefangen hat, nicht nur für die meisten seiner Protagonisten schon bald nach der Wende verschwunden war.

Schon zur Eröffnung zeigten sich die Besucher fasziniert; und einige hatten auch ganz eigene Erinnerungen an die Zeit in den Betrieben. Quelle: Andrea von Fournier

Besucher fachsimpeln vor den Bildern

Den Jüngeren sei sie fremd und entfernt, obwohl in dieser Stadt vor nur 30 Jahren noch allgegenwärtig. Er habe auch nicht gewusst, dass der schicke neue Büroturm-Komplex in Treptow einst das „EAW“ – Elektro-Apparate-Werke – war. Oder dass der asiatische Großmarkt in der Herzbergstraße als „Elektrokohle Lichtenberg“ nicht nur für bis zu 3000 Mitarbeiter die größte Dreckschleuder Ostberlins war. Auf den Fotos sähe man schon, dass industrielle Reformen nötig gewesen wären. Besonders habe ihn gefreut, dass zwei Mitarbeiter während der Errichtung des neuen Ausstellungsraumes ihren ehemaligen Ausbildungsbetrieb Berliner Werkzeugmaschinenfabrik wiedererkannt hätten. Und das wiederholte sich auch am Abend der Vernissage.

So fachsimpelte Leo Aron mit seiner Frau vor einem großformatigen Foto des „Berliner Metallhütten- und Halbzeugwerke“ in Schöneweide, wo Günter Krawutschke 1983 mit der Kamera unterwegs war. Dort hat der heutige Brandenburger Aron lange gearbeitet, bevor das Werk bald nach der Wende schloss. Günter Krawutschke, 1940 in Staßfurt geboren, gibt vielen Ausstellungsbesuchern „Aha“-Momente der Erinnerung, anderen Motive der Verwunderung und Anstoß, sich mit der Vergangenheit zu beschäftigen.

Krawutschke fotografierte häufig abseits von Aufträgen

Er beschrieb den Ausstellungsbesuchern, wie er durch einen Zufall zu dieser Ausstellung gekommen war. Als er im nahegelegenen Güterbahnhof den Künstler Ben Wagin fotografierte, machte er die Bekanntschaft von Joseph Hoppe: „Das war der Beginn einer wunderbaren Zusammenarbeit.“ Die Ausstellung bestätigt das. Mit Sicherheit hat sich das Museum für ein Jahr ein spannendes Stück Industriegeschichte auf Zelluloid ins Haus geholt, dem sich Besucher widmen können. Günter Krawutschke hatte einst Schwierigkeiten, seinen Platz als Pressefotograf zu finden: „Die Auswahl der Fotos durch die Redaktionen war mir unerklärlich“, sagt er. Mithilfe von Kollegen gelang es – „…ich wurde schneller.“.

Dass er abseits der Aufträge Berliner Milieu, so die Linien- oder Friedrichstraße, oder Architektur wie die Synagoge an der Oranienburger Straße noch im Nachkriegszustand fotografierte, war ein Glücksgriff. Später war er freiberuflich tätig. Mit seinen Fotos eckte er schon zu DDR-Zeiten gelegentlich an. In die X. Kunstausstellung schaffte es das Motiv einer Jugendbrigade während der Arbeitspause. „Die beschwerten sich, das wäre nicht ihr Betrieb“, so Krawutschke. Doch Willi Sitte, damals Präsident des Verbandes Bildender Künstler, verteidigte das Objekt erfolgreich als „Freiheit der Kunst“.

Der Fokus liegt auf dem Menschen

Günter Krawutschke, der seit 1979 in Blankenfelde lebt, fotografierte mit Plattenkamera und später auch digital, weil die Bilder sich schneller bearbeiten lassen. Sein Fokus liegt stets auf dem Menschen, egal ob auf der Straße oder bei der Arbeit. In mehreren Ausstellungen und Bildbänden sind seine Arbeiten gezeigt worden. Und „der Handwerker“ ist noch immer fleißig, „nicht mehr als Spring-ins-Feld“, wie er erklärt. Nachdem er zwei Jahre lang Ben Wagin locker mit der Kamera begleitet hat, sind in diesem Jahr zwei Projekte in Arbeit.

„Gesichter der Arbeit“, Fotografien aus Ostberliner Industriebetrieben von Günter Krawutschke von 1971 bis 1986, sind im Deutschen Technikmuseum Berlin, Trebbiner Straße 9, bis 8. März 2020 zu besichtigen.

Von Andrea von Fournier

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