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Blankenfelde-Mahlow Schütze richtet sich vermutlich selbst
Lokales Teltow-Fläming Blankenfelde-Mahlow Schütze richtet sich vermutlich selbst
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01:15 11.11.2018
Bis Donnerstag bewachte die Polizei den Döner-Imbiss in Glasow. Quelle: Christian Zielke
Glasow/ Sassnitz

Der mutmaßliche Täter, der am Dienstagabend auf Gäste eines Döner-Imbisses in Glasow geschossen hat, ist tot. Ermittler fanden ihn am Donnerstag gegen 9.25 Uhr auf einem Parkplatz in der Nähe von Sassnitz auf der Insel Rügen. In einer gemeinsamen Pressemitteilung von Polizei und Staatsanwaltschaft Potsdam heißt es, es liegen keine Anhaltspunkte vor, dass der 63-Jährige durch Fremdverschulden starb.

Laut Medienberichten soll sich der Mann mit seiner Schrotflinte das Leben genommen haben. Wie die Bild-Zeitung am Donnerstag meldete, handelt es sich bei dem Schützen um Viktor W. aus Mahlow. W. hatte eine Vorliebe für alte Traktoren und war bei den Treckerfreunden Mahlow aktiv. Auf Veranstaltungen des City-Vereins bot er Fahrten für Familien an.

Mutmaßlicher Schütze galt als ruhig und harmlos

Bernd Marquardt, der Vorsitzende des City-Vereins, kennt W. seit vielen Jahren. „Ich habe ihn immer als ruhigen, harmlosen Menschen erlebt“, sagt Marquardt. Warum W., der als Einzelgänger galt, am Dienstagabend mit einer Schrotflinte um sich schoss, kann er sich nicht erklären.

An dem Abend hatte es einen Streit zwischen dem späteren Schützen und Werner Donth gegeben. Donth, der direkt gegenüber des kleinen Einkaufszentrums wohnt, war immer wieder mit dem Besitzer des Getränkemarktes wegen dessen Kundschaft aneinander geraten. „Dort haben sich jeden Tag die Trinker getroffen, auch sonntags und an Feiertagen. Nie hatte man seine Ruhe“, sagt Donth.

Beschwerden bei Gemeinde blieben erfolglos

Mehrfach habe er sich bei der Gemeinde über Verstöße gegen das Ladenschlussgesetz, Pöbeleien und Drohungen beschwert – ohne Erfolg, sagt Donth. Er zweifelt an der Darstellung des Getränkemarkt-Besitzers, wonach dieser sein Geschäft aufgibt, weil er nach den Schüssen Angst um seine Familie habe. Laut Donth habe der Vermieter dem Getränkemarkt gekündigt. Immer wieder hätten sich Kunden beschwert, die von den alkoholisierten Gästen des Getränkemarktes angepöbelt oder angegriffen wurden.

Kennzeichen waren abgeklebt

Viktor W., der ebenfalls öfter in dem Getränkemarkt verkehrte, habe am Dienstagabend an seine Hauswand uriniert, sagt Donth. Als er ihn daraufhin zur Rede stellen wollte, habe W. ihm einen Stinkefinger gezeigt und sei verschwunden. Kurze Zeit später fuhr W. mit seinem Auto vor dem Döner-Imbiss vor, wo Donth mit seiner Lebensgefährtin saß. „Ich habe mich noch gewundert, warum die Kennzeichen abgeklebt waren.“. W. öffnete das Autofenster und schoss auf die Gäste. „Ich bin sicher, dass die Schüsse mir galten“, sagt Donth. Er sei froh, dass er und seine Partnerin noch am Leben sind. Nach den Schüssen hatte er noch versucht, den flüchtenden Täter zu stoppen. Er warf einen Stuhl in die Heckscheibe des Autos. „Als er stoppte, dachte ich, er lädt nach“, sagt er. Dann flüchtete der Wagen Richtung B96.

Rassistische Pöbeleien gegen Imbiss-Besitzer

Streit gab es schon länger zwischen den Inhabern des Döner-Imbiss und des Getränkemarktes. Imbiss-Betreiber Ilgar Aliv hat seinen Laden vor zweieinhalb Jahren eröffnet. Seitdem gebe es Streit mit den Nachbarn. „Ich wurde angepöbelt und rassistisch beleidigt. Man hat zu mir gesagt ’Türken raus!’“, sagt er. Im März wurde die Eingangstür mit roter Farbe beschmiert. „Die Leute aus dem Getränkemarkt haben die gesamte Nachbarschaft terrorisiert“, sagt er.

Am Dienstagabend war Ilgar Aliv in seinem Geschäft, als er plötzlich einen lauten Knall hörte. Kurz darauf kam Steffen L. blutüberströmt zur Tür hinein. „Ich habe Erste Hilfe geleistet und einen Krankenwagen gerufen“, erinnert er sich. Zwei Tage stand sein Geschäft unter Polizeischutz, bis die Nachricht kam, dass der mutmaßliche Schütze tot ist. Ilgar Aliv hofft, dass nun, nachdem der Getränkemarkt geschlossen ist, wieder Ruhe in Glasow einkehrt. „Ich habe niemandem etwas getan, ich will nur mein Essen verkaufen.“

Zur falschen Zeit am falschen Ort

Steffen L. liegt seit Dienstagabend im Krankenhaus. Er bekam die Schrotladung ab, die Werner Donth galt, mit dem er vor dem Imbiss gesessen hatte. „Ich war einfach zur falschen Zeit am falschen Ort“, sagt er. Noch in der Nacht zu Mittwoch wurden 30 Kugeln aus seinem zerfetzten Arm entfernt, am Donnerstag musste er erneut in den OP. „Es wird nicht die letzte Operation sein“, sagt er, „ich bin froh, dass ich noch lebe.“

Von Christian Zielke

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