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Blankenfelde-Mahlow Zuflucht bei sechsköpfiger Familie Lietsch
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05:23 31.08.2018
Eine große Familie: Sara Lietsch, Mohammad und sein Sohn Romir Shekho, Wilhelm, Rudolph und Viktoria Lietsch, Mnal Sheho und Marcel Lietsch (v.l.). Quelle: Fotos (2); Frank Pechhold
Blankenfelde

Flucht aus Syrien. Zufällige Begegnung im Flüchtlingsheim Blankenfelde. Zuflucht bei der sechsköpfigen Familie Lietsch. Das erlebten Mohammad Shekho und seine Frau Mnal Sheho vor drei Jahren. „Wir sind jetzt wirklich eine Familie“, sagt Sara Lietsch.

Als der Flüchtlingsstrom am stärksten war, arbeitete die 39-jährige Sozialarbeiterin im Asylbewerberheim an der Käthe-Kollwitz-Straße. Hier kamen Mohammad Shekho und seine schwangere Frau am 4. Dezember 2015 an. Entweder hätte das kurdische Paar in einem winzigen Raum oder einem Zehn-Bett-Zimmer bei einer völlig fremden Großfamilie schlafen müssen. „Die Beiden taten mir so leid – und bei uns zu Hause war noch ein Zimmer frei“, so Lietsch. Viel Überzeugungsarbeit musste sie bei ihrem Mann Marcel Lietsch (40) nicht leisten. „Also haben wir das einfach mal probiert.“

Eine Woche Probewohnen

Eine Woche Probezeit baten sich die syrischen Gäste aus. Von einer Freundin habe seine Frau gehört, die Deutschen trinken viel Bier, so Mohammad Shekho. Wegen dieser und anderer Vorurteile gab das muslimische Paar den Platz im Flüchtlingsheim nicht sofort auf. „Wenn das mit dem Zimmer bei Saras Familie nicht geklappt hätte, wären wir zurück gegangen“.

Mit zwei Rucksäcken zogen die neuen Mitbewohner ein. „Gleich am nächsten Tag gab mir Sara die Hausschlüssel.“ Einfach großartig sei dieser Vertrauensvorschuss gewesen, so Mohammad Shekho. „Und dann haben wir uns langsam vorgetastet“, so Sara Lietsch.

Flucht vor Krieg, Terror, Perspektivlosigkeit

Abend für Abend lernten die 27-Jährigen auf ihrem Zimmer die für sie fremde Sprache des Gastgeberlandes. Damals hingen am Schrank Zettel mit den Worten „Bitte“, „Danke“, „Guten Morgen“, „Guten Tag“. Heute sprechen beide auf Deutsch über ihre Fluchtgründe: Krieg, Terror, Perspektivlosigkeit. Ein Selbstmordattentäter sprengte sich auf einem Fest in die Luft. Tage später erlag Mnals Vater seinen schweren Verletzungen. „Dann wurden der Dekan meiner Universität erschossen und Kollegen entführt“, sagt sie. Mohammad sollte zum Militär. „Aber ich wusste nicht, für wen und was ich eigentlich noch kämpfen sollte“, sagt er. Zudem hätten beide als Angehörige der kurdischen Minderheit kaum Chancen gehabt, weiter unter dem Assad-Regime als Lehrer zu arbeiten. Also machten sie sich auf den Weg nach Europa.

Ausgangspunkt ihrer Flucht war die im Nordosten Syriens gelegene Stadt Al Hasaka. Rund 3700 Kilometer entfernt endete ihre Odyssee zwischenzeitlich bei Familie Lietsch. „Für unsere Kinder war das nie ein Problem“, sagt Sara Lietsch. Von Beginn an hätten Viktoria (10), Rudolph (8), Wilhelm (7) und Elisabeth (5) Mnal und Mohammad wunderbar aufgenommen. Nach der Geburt des kleinen Romir Shekho (2) wuchs die Herzlichkeit noch an. „Romir ist der kleine Bruder unserer vier Kinder. Und ich bin die Omi.“

Sara Lietsch: „Toleranz aus nächster Nähe“

Eines Tages sagte Mohammad Shekho allen, dass er eine Wohnung gefunden hat. Als Romir, Mnal und er auszogen, weinten alle. „Anderthalb Jahre haben unsere Kinder Toleranz aus nächster Nähe erlebt“, so Sara Lietsch. Mnal und sie seien wie Schwestern gewesen. „Wir haben uns einfach aufeinander eingelassen. Das hat uns so warm gemacht.“

Erfolgreich absolvierte Mohammad Shekho ein anderthalbjähriges Sonderprogramm für geflüchtete Lehrer an der Uni Potsdam. Aktuell arbeitet er als Mathematik-Assistenzlehrer in der Königs Wusterhausener Grundschule „Wilhelm Busch“. „Nach dem Unterricht kommt er täglich zu uns“, so Sara Lietsch. „Ich vermisse dieses Haus“, sagt Mohammad Shekho leise.

Von Frank Pechhold

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