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Blindenhund Till muss draußen bleiben

Streit zwischen blinder Frau und Ärztin Blindenhund Till muss draußen bleiben

Susanne Geldner ist blind. Im Alltag wird sie von ihrem Blindenhund Till unterstützt – auch bei Arztbesuchen. In Ludwigsfelde gab es dabei jetzt Probleme. Till sollte draußen warten. Susanne Geldner fühlt sich deshalb diskriminiert. Laut Ärztin habe es einen Kompromiss gegeben.

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Susann Geldner wird im Alltag von Blindenhund Till unterstützt.

Quelle: Stephan Laude

Ludwigsfelde. Susann Geldner ist empört. Die blinde Frau wollte kürzlich ihre 13-jährige Tochter in eine Orthopädiepraxis in Ludwigsfelde begleiten. Sie selbst war auch in Begleitung: Blindenführhund Till war bei ihr, wie immer. Aber Till durfte nicht an ihrer Seite bleiben. Die Ärzte argumentierten mit der Hygiene, der Hund bringe möglicherweise Schmutz mit in die Praxisräume. „Es gab bisher nie Schwierigkeiten“, versichert Susann Geldner. Sie sei mit dem weißen Schäferhund sogar schon zu Besuchen im Krankenhaus gewesen. In der Anlage zum Blindenführhundeausweis steht ausdrücklich, dass der Hund in Einzelhandelsgeschäften, Gastronomiebetrieben, Museen, Kultureinrichtungen, Arztpraxen und anderen Gesundheitseinrichtungen zugelassen ist. Blindenführhunde sind im Hilfsmittelverzeichnis der gesetzlichen Krankenkassen aufgeführt, wie zum Beispiel auch Rollstühle. Allein gelassen werden dürfe der aufwendig ausgebildete und teure Hund nicht, auch nicht angeleint draußen vor Arztpraxen, so Susann Geldner. Sie rief umgehend die Polizei, weil sie sich diskriminiert fühlte.

In der Orthopädiepraxis bestand man während des Klärungsversuchs offenbar darauf, dass der Hund nicht mit in das Sprechzimmer durfte. Nach Darstellung der Ärztin Cornelia Theuer hatten sich die Konfliktparteien aber letztlich darauf geeinigt, dass der Hund während der Behandlung im Wartebereich der Praxis sitzen dürfe. „Die Mutter war soweit einverstanden“, sagte Theuer am Mittwoch der MAZ.

Susann Geldner bestreitet eine solche Einigung. Sie bleibt bei ihrer Darstellung, wonach der Hund in keinen der Praxisräume hineindurfte. Der Ärztin zufolge hat sich dann die Patientin selbst – also die 13-jährige Tochter – in das Gespräch eingemischt: Sie müsse sich so etwas nicht anhören und habe keine Lust mehr, sich in der Praxis behandeln zu lassen, habe sie gesagt. Sie wolle sich einen neuen Orthopäden suchen. Die Mutter, so die Ärztin weiter, habe sich dem Willen gebeugt und erklärt, sie behalte sich vor, eine Anzeige wegen Diskriminierung Behinderter zu erstatten. Mutter und Tochter verließen dann die Praxis.

Nach Angaben von Susann Geldner hatten die herbeigerufenen Polizeibeamten sich überzeugt gezeigt, dass der Hund mit in die Praxis gelassen werden müsse. Allerdings: Sie machten auch auf das Hausrecht von Ärzten in ihren Räumlichkeiten aufmerksam.

Sabine Häcker kennt das Argument der niedergelassenen Ärzte mit dem Hausrecht gut. Wenn einem blinden Menschen mit Führhund der Zugang verweigert werde, sei das eine „mittelbare Diskriminierung“, sagt die Expertin vom Projekt Blindenführhund beim Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband. „Das Thema ist leider ein Dauerbrenner.“ Gegen den Verweis auf das Hausrecht spreche aber das Sozialgesetzbuch I, wonach Sozialleistungen – dazu gehöre auch der Arztbesuch – grundsätzlich barrierefrei zu erbringen sind. „Das schließt die Nutzung des Blindenführhundes in Einrichtungen der Gesundheitsfürsorge ein“, sagt Häcker. Da nach einer Stellungnahme der Freien Universität Berlin auch keine medizinisch-hygienischen Bedenken dagegen sprechen, sollte einem sogenannten Führhundgespann der Zutritt nicht verweigert werden. „Ausnahmen sind natürlich angezeigt, wenn hygienisch sensible Bereiche wie Operationssäle oder Intensivstationen in Anspruch genommen werden müssen“, so Häcker. Bei normalen Untersuchungen spreche aber nichts gegen die Anwesenheit eines Hundes. Häcker verweist darauf, dass die Gefahr, die durch möglichen Schmutz an den Schuhen oder durch Erkältungskrankheiten von Mitpatienten oder Personal nicht größer sei als durch den Blindenführhund. Die hygienischen Vorsichtsmaßnahmen in Arztpraxen würden vor solchen Gefahren schützen.

Von Stephan Laude

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