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Böses Gerücht um Anschlag in Jüterbog

Keine Spur zu Tätern Böses Gerücht um Anschlag in Jüterbog

In Jüterbog (Teltow-Fläming) kursiert ein böses Gerücht: Kein Anschlag, sondern ein Defekt der Gas-Therme soll Schuld an der Explosion in der Turmstube gewesen sein. Doch dieses Gerücht wird von mehreren Seiten aufs heftigste dementiert. Eine Spur zu möglichen Tätern gibt es nicht.

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Die Turmstube in Jüterbog ist Ende November bei einem Anschlag verwüstet worden.

Quelle: Hartmut F. Reck

Jüterbog. Nicht ein Anschlag, sondern eine defekte Heizungsanlage wäre Ursache für die Zerstörung der Jüterboger Turmstube – dieses Gerücht kursiert derzeit in Jüterbog. Auch dem Jüterboger Pfarrer Bernhard Gutsche ist diese Version um die Ereignisse des 20. November bereits zu Ohren gekommen.

An jenem Abend war es zu einer Explosion in der kirchlichen Begegnungsstätte gekommen, die nach bisherigen Erkenntnissen ein Sprengkörper hervorgerufen hatte, der durch ein Fenster geworfen worden war. Verletzt wurde niemand, doch Mobiliar, Zimmerdecke und Teile des Dachs wurden erheblich beschädigt.

Die Turmstube in Jüterbog wurde von der evangelischen Kirche Flüchtlingen als wöchentlicher Treffpunkt zur Verfügung gestellt

Die Turmstube in Jüterbog wurde von der evangelischen Kirche Flüchtlingen als wöchentlicher Treffpunkt zur Verfügung gestellt. Am 20. November kam es zu einem Anschlag, um den sich Gerüchte ranken.

Quelle: Degener

Pfarrer: „Das ist Quatsch!“

„Wir wollen als Kirche nicht jedes Gerücht kommentieren, aber das ist Quatsch!“, sagt Gutsche. „Dass so etwas in der Welt ist, ist böswillig. Da ärgert sich jemand, dass wir den Anschlag gelassen nehmen und mit unserer Arbeit weitermachen. Und das Gerücht wird natürlich weiter erzählt, weil manche Menschen einfach nicht glauben wollen, dass so etwas wie ein Anschlag in ihrer Stadt passiert“, sagt der Pfarrer.

Pfarrer Bernhard Gutsche in der Heizungsanlage

Pfarrer Bernhard Gutsche in der Heizungsanlage.

Quelle: Peter Degener

Gutsche war nach eigener Aussage in der Nacht des 20. November von der Feuerwehr tatsächlich wegen einer möglichen Gasexplosion zur Turmstube gerufen worden. „Als ich vor Ort ankam, waren aber bereits der Netzbetreiber und die Polizei da. Der Netzbetreiber hatte schon zu diesem Zeitpunkt festgestellt, dass die Zerstörung nichts mit Gas zu tun hatte.“ Die Gasleitung wurde aber vorsichtshalber abgestellt und mit einer Schelle am Zulauf zur Therme unterbrochen.

Heizung von Fachmann überprüft

Anfang Dezember war das Jüterboger Heizungsbau-Unternehmen Dimde vor Ort, um die Therme, die sich in einem Nebenraum befindet, zu begutachten. „Wir haben die Anlage überprüft und wieder in Betrieb genommen. Sie war technisch einwandfrei“, sagt Geschäftsführer Detlef Dimde. „Wenn es zu einer Gas-Verpuffung gekommen wäre, wären zumindest Teile der Therme zerstört gewesen. Bei einer Gasexplosion würde von der Turmstube wahrscheinlich nichts mehr stehen“, sagt der Heizungstechniker. Er selbst sei nie auf den Zustand Heizungsanlage angesprochen worden. Das Gerücht nennt er eine „Verleumdung“.

Sprengstoffgutachten soll bald vorliegen

Die Potsdamer Staatsanwaltschaft geht bei der Ursache der Zerstörung von einem Sprengkörper pyrotechnischer Art aus. „Gerüchte, dass es sich lediglich um einen technischen Defekt der Heizungsanlage handele, können wir nicht bestätigen. Nach unser bisherigen Erkenntnis spielte bei der Zerstörung der Turmstube der Einsatz von Sprengstoff eine Rolle“, sagt die Potsdamer Staatsanwältin Sarah Kress. Konkrete Ergebnisse des Sprengstoffgutachtens sollen laut Kress ebenfalls in Kürze vorliegen. Zum Stand der Ermittlungen sagte sie, die Polizei habe „zu Beginn eine vage Spur verfolgt, die sich aber zerschlagen hat.“ Jetzt werde gegen Unbekannt ermittelt, so dass sich auch nicht sagen lasse, ob die Tat einen rechtsextremen Hintergrund habe.

In der Turmstube wurden nach ersten Aufräumarbeiten im Dezember mittlerweile die Außenfenster erneuert, neue Jalousien installiert und die stark beschädigte Eingangstür gesichert.

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Von Peter Degener

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