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Boombranche Leiharbeit

Dahmeland-Fläming Boombranche Leiharbeit

Die Zeitarbeit boomt in der Wirtschaftsregion Dahmeland-Fläming. Allein knapp 30 Vermittlungsfirmen tummeln sich in Dahme-Spreewald und Teltow-Fläming. Sie alle vermitteln und verleihen Arbeitskräfte – und sind damit integraler Bestandteil des hiesigen Arbeitsmarktes.

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Am häufigsten genutzt wird die Leiharbeit in technischen Berufen.

Quelle: IGZ

Dahmeland-Fläming. Die Zahlen des statistischen Landesamtes sprechen eine deutliche Sprache: Die Zeitarbeit – lange als eine der dunkelsten Ecken des deutschen Arbeitsmarktes verschrien – hat sich in Brandenburg zur Boombranche entwickelt.

Innerhalb der vergangenen zehn Jahre hat sich die Zahl der Arbeitnehmer in Zeitarbeit nahezu verdreifacht. Fast 30 Personalvermittler tummeln sich inzwischen in den Landkreisen Dahme-Spreewald und Teltow-Fläming, die meisten davon im Norden. Ihre Arbeitsweise ist ähnlich: Sie stellen Arbeitskräfte aus allen möglichen Bereichen ein, verleihen sie an Fachfirmen und treten sie bei Bedarf auch ganz an die Firmen ab. Dieses Prinzip hatte lange einen schalen Beigeschmack – aber die Zahl derjenigen, die sich über Zeitarbeitsfirmen vermitteln lassen, nimmt kontinuierlich zu. Und spätestens seit dem Tarifabschluss Ende vorigen Jahres, bei dem Verdi für den Osten ein kräftiges Lohnplus verhandelte, verstummen auch die kritischen Stimmen mehr und mehr, die den Leiharbeitsfirmen Sklavenhaltermethoden und Lohndumping vorwerfen. „Wir können der Branche nichts negatives abgewinnen“, sagt etwa Lars Albrecht, zuständiger Bereichsleiter bei der Arbeitsagentur Cottbus.

Das verwundert bei näherem Hinsehen auch kaum. Die Branche wächst nicht nur allein in Dahme-Spreewald pro Jahr um etwa 50 Arbeitskräfte, sie scheint auch Antworten zu bieten auf einige der drängendsten Fragen der heutigen Wirtschaft. Wie komme ich an gute Arbeitskräfte? Wie sichere ich Produktionsspitzen ab ohne mein Personal aufzublähen? Wie bringe ich Langzeitarbeitslose, Flüchtlinge und unqualifizierte Jugendliche auf den Arbeitsmarkt?

Es scheint, als ob das Prinzip der Leiharbeit genau in die Zeit des Wirtschaftsbooms und des Fachkräftemangels passt, weil es auch kleinen Unternehmen ermöglicht, bei Bedarf die Arbeitsleistung heraufzusetzen ohne gleich Leute einstellen zu müssen – vor allem, wenn es sich um Hilfskräfte handelt. „Der Schlosser ist meistens fest angestellt. Aber in den Stufen darunter wird immer häufiger Leiharbeit eingesetzt“, sagt Jana Frost von der IHK Cottbus. Das Prinzip habe sich auch übergreifend durchgesetzt. Bis auf das Baugewerbe, wo Zeitarbeit verboten ist, gebe es kaum eine Branche mehr, die nicht auf Leiharbeit zurückgreift.

Als großen Vorteil der Leiharbeit macht der Sprecher der IHK Potsdam, Detlef Gottschling, aus, dass sie Arbeitslosen beim Wiedereinstieg ins Berufsleben helfen kann, weil „beide Seiten schauen können, ob es passt“. Sylvelin Litfin, geschäftsführende Gesellschafterin der Eichwalder Zeitarbeitsfirma Rose, beschreibt ihre Firma entsprechend als eine Art Schleuse, die eine große Zahl von Arbeitskräften einsammelt und dann in den Arbeitsmarkt entlässt. Die Firma Rose hat aktuell rund 80 Arbeitskräfte für zahlreiche Branchen im Portfolio: technische Berufe, Handwerk, Lagerei, in der Produktion, Servicekräfte für die Gastronomie. Manchmal sind es ausgebildete Leute, die ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt sondieren wollen, sagt Sylvelin Litfin. Genauso häufig habe man auch Leute ohne Ausbildung, die als Helfer einsteigen, sich über Zeitarbeit qualifizieren und irgendwann in einer Ausbildung oder einer Festanstellung landen.

Die Firmen, die mit Sylvelin Litfin zusammenarbeiten, leihen sich die Arbeiter für maximal 18 Monate aus, mehr ist nicht zulässig. „Viele Betriebe nutzen das Instrument, um Leute nicht befristet einzustellen und dann wieder gehen lassen zu müssen“, sagt Anja Schilde, Sprecherin der Arbeitsagentur Cottbus. Wenn sich herausstellt, dass der Bedarf doch für länger besteht, kann der Betrieb den Arbeiter übernehmen – in der Branche spricht man dann von einem Klebeeffekt. „Das passiert bei unseren Leuten im Monat mehrfach. Für uns als Arbeitgeber ist das in Ordnung, wir legen den Angestellten dann keine Steine in den Weg“, sagt Sylvelin Litfin.

Im gleichen Maße kommen schließlich auch immer wieder neue Zeitarbeiter hinzu, die sich teilweise auf Stellenanzeigen melden, teilweise auch direkt von Mitarbeiten angeworben werden. Mitunter besorgen Zeitarbeitsfirmen auch Arbeitskräfte für Firmen auf Bestellung. „Viele wollen sich gar nicht mehr mit Stellenanzeigen und Bewerberauswahl auseinandersetzen. Sie legen das in unsere Hände, wir schicken ihnen dann drei bis fünf Profile und sie wählen aus“, sagt Sylvelin Litfin. Das sei oft auch ergiebiger als die eigenen Rekrutierungsversuche der Betriebe. „Rekrutieren ist schließlich unser Hauptgeschäft. Wir machen den ganzen Tag nichts anderes“, so Litfin.

Bezahlt werden die Leiharbeiter von der Zeitarbeitsfirma, deren Mindestlohn inzwischen deutlich über dem allgemeinen Mindestlohn liegt und in der Regel auch Urlaubsgeld und Zuschläge zahlt. Nach spätestens neun Monaten muss die Bezahlung aber an das Niveau der Entleihfirma angeglichen werden, sofern es dort überhaupt höher ist. „Manche der Firmen bezahlen von vornherein weniger als wir“, sagt Sylvelin Litfin.

Von Oliver Fischer

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