Volltextsuche über das Angebot:

8 ° / 7 ° Regen

Navigation:
Brandanschlag auf Asylheim in Jüterbog

Kriminalität Brandanschlag auf Asylheim in Jüterbog

Am frühen Samstagmorgen ist in der Innenstadt von Jüterbog (Teltow-Fläming) ein Brandanschlag auf eine Asylunterkunft für minderjährige Flüchtlinge verübt worden. Es handelt sich bereits um die zweite Attacke gegen die Einrichtung innerhalb von drei Wochen.

Voriger Artikel
Bibliothek besteht seit 170 Jahren
Nächster Artikel
Anschlag in Jüterbog „absolut erschütternd“

Brandsätze flogen gegen das Fenster.

Quelle: Victoria Barnack

Jüterbog. Am frühen Samstagmorgen ist in der Innenstadt von Jüterbog (Teltow-Fläming) ein Brandanschlag auf eine Asylunterkunft für minderjährige Flüchtlinge verübt worden. Es ist bereits die zweite Attacke innerhalb von drei Wochen.

Es flogen zwei Brandsätze

Auch der Rasen vor dem Fenster fing Feuer

Auch der Rasen vor dem Fenster fing Feuer.

Quelle: Victoria Barnack

Wie die Polizei am Vormittag mitteilte, haben unbekannte Täter gegen 1.15 Uhr zwei Brandsätze gegen ein Fenster der Unterkunft in der Badergasse geworfen. Die Brandsätze trafen das mehrflügelige Fenster eines unbewohnten, als Abstellraum genutzten Zimmers, ohne jedoch die Doppelverglasung zu durchschlagen.

Geräusch macht einen Betreuer aufmerksam

Ein Betreuer hatte etwas gehört und beim Nachsehen mit einer Kollegin die Flammen an der Außenfront der Gebäuderückseite entdeckt, so die Polizei. Dem Personal gelang es, die Flammen im Fensterbereich mit einem Kleidungsstück auszuschlagen und die auf einem Quadratmeter brennende Grasnarbe am Boden vor dem Fenster auszutreten bzw. mit Wasser zu löschen.

Relativ geringer Schaden

Die Brandsätze haben zwei Scheiben der ersten Verglasungsschicht beschädigt. Durch die Flammenbildung und Hitzeentwicklung waren Verrußungsspuren auf einer Fensterfläche von ca. 1,60 Meter x 1,10 Meter sowie geringfügig an der darüber liegenden Fassade entstanden. An einem unmittelbar neben dem Gebäude parkenden Fahrzeug entstanden leichte Verrußungen auf dem Lack. Die Höhe des insgesamt entstandenen Schadens beläuft sich auf rund 1.500 Euro.

In der Asylunterkunft in der Badergasse leben derzeit 20 Jugendliche

In der Asylunterkunft in der Badergasse leben derzeit 20 Jugendliche.

Quelle: Victoria Barnack

20 Jugendliche wohnen dort

In dem massiven Flachbau sind derzeit 20 alleinreisende, minderjährige Flüchtlinge verschiedener Nationalitäten im Alter zwischen 15 und 17 Jahren untergebracht. Verletzt wurde keiner der Bewohner. Es brauchte auch nicht evakuiert werden. Seitens des Trägers der Einrichtung, der Johanniter-Unfall-Hilfe, wurden vorsorglich Notfallseelsorger und Dolmetscher hinzugezogen, die sich um die Bewohner kümmern.

Der Staatsschutz ermittelt

Spezialisten der Kriminaltechnik sicherten noch in der Nacht am Tatort Spuren. Kriminalpolizei und Staatsschutz nahmen unverzüglich die Ermittlungen auf. Das betroffene Objekt wird derzeit durch die Polizei bewacht.

Polizei bittet um Hinweise

Die Polizei bittet Zeugen oder andere Personen, die Verdächtiges gesehen haben oder sonstige sachdienliche Hinweise geben können, sich bei der Polizeiinspektion Teltow-Fläming in Luckenwalde unter (03371) 6000 zu melden.

Politiker zu dem Anschlag in Jüterbog

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) : „Das ist eine widerliche und verabscheuungswürdige Tat von völlig Irregeleiteten“. Das sei unerträglich und passe nicht zum weltoffenen Brandenburg, in dem sich Tausende täglich in wunderbarer Weise für Flüchtlinge engagierten. Jetzt gehe es darum, die Täter schnell zu fassen und zu bestrafen.

Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) : „Brandanschläge sind keine Asylkritik, sondern ein Verbrechen und sonst nichts. Sie sind die Argumente derjenigen, die sonst keine Argumente haben. Mich widert so was an.“

Landrätin Cornelia Wehlan (Linke) : „Das ist ein brutaler Angriff auf die Schwächsten unter den Schwachen, den ich auf das Schärfste verurteile.Wie unmenschlich muss man sein, um so etwas zu machen? Ich bin sprachlos und in Gedanken bei den Kindern, Jugendlichen und natürlich auch ihren Betreuern. Zum Glück haben diese umsichtig reagiert und so vielleicht noch Schlimmeres verhindert, dafür bin ich sehr dankbar. Umso mehr treiben mich Entsetzen und Wut über so eine unfassbare Tat um. Ich hoffe, dass die Schuldigen schnell gefunden und zur Rechenschaft gezogen werden.“

Jüterbogs Bürgermeister Arne Raue (parteilos) erfuhr während einer Dienstreise in die Jüterboger Partnerstadt Aßlar durch die Polizei von dem Vorfall. Er veröffentlichte daraufhin ein Statement auf Facebook. Darin heißt es: „Ich bin entsetzt. Jede Form von Gewalt ist zu verachten. Wer sich gegen die Gesundheit und das Leben anderer wendet, hat mit aller Schärfe und allen rechtsstaatlichen Mitteln verfolgt zu werden. Ich bin sehr froh, dass niemand verletzt wurde.“ Raue warnte vor Spekulationen zu Hintergründen und Tätern des Anschlags. Gleichzeitig forderte er allerdings, dass „bei der Bewertung derart unmenschlicher Taten“ auch die aus seiner Sicht „katastrophale Flüchtlingspolitik“ der Bundesregierung diskutiert werden müsse.

Flüchtlingshilfe Jüterbog: Der Anschlag „erschüttert uns umso mehr, da die Jugendlichen aus der Einrichtung bisher durch ein außerordentlich freundliches, höfliches und friedliches Verhalten in der Stadt auffallen und bisher niemandem Anlass zu irgendeiner Beschwerde gaben. Wir möchten den jugendlichen Bewohnern des Heimes und allen Mitarbeitern der Einrichtung sagen, wie sehr wir uns für diese Tat in den Mauern unserer Stadt Jüterbog schämen. Wir wollen unser Bestes geben, ihr Vertrauen zurückzugewinnen. Wo immer wir können, wollen wir dazu beitragen, dass das Miteinander von Einheimischen und Flüchtlingen in gegenseitigem Respekt geschieht und sie hier keine Angst vor Gewalt haben müssen“.

Danny Eichelbaum, CDU-Landtagsabgeordneter und CDU-Kreisvorsitzender aus Teltow-Fläming : „Die CDU verurteilt den Brandanschlag auf die Flüchtlingsunterbringung in Jüterbog.Die Täter müssen schnell ermittelt und hart bestraft werden.Wer das Leben von unschuldigen Menschen hinterhältig aufs Spiel setzt, muss die volle Härte des Gesetzes spüren.“

Erik Stohn, SPD-Landtagsabgeordneter und SPD-Kreisvorsitzender aus Teltow-Fläming : „Diese Einzeltaten werfen kein gutes und ein falsches Licht auf unsere Heimatstadt Jüterbog. In Jüterbog gibt es viele Menschen, die sich in Flüchtlingsinitiativen engagieren und sich dafür einsetzen, dass das Zusammenleben von Alteingesessenen und Neueinwohnern gelingt. [...] Jüterbog ist seit jeher als gastfreundliche Stadt bekannt. Im nächsten Jahr möchten wir viele Touristen zum Reformationsjubiläum empfangen. Solche Einzeltaten schaden sowohl dem guten Ruf unserer Stadt als auch allen Bürgern und Bürgerinnen von Jüterbog.“

Norbert Müller, Linke-Bundestagabgeordneter aus Potsdam : „Ich verurteile diesen feigen Anschlag auf unbegleitete Minderjährige auf das Schärfste. [...] Wir können von Glück reden, dass niemand verletzt wurde. Der Tod der Bewohner_innen und Angestellten wurde billigend in Kauf genommen. Leider ist dieser Anschlag nicht der erste dieser Art und wird vermutlich auch nicht der letzte sein. Die rassistische Hetze der letzten Monate, wie sie beispielsweise durch die AfD oder auch den Jüterborger Bürgermeister betrieben wurde, ist mitverantwortlich dafür, dass sich potenzielle Täter_innen zu solchen Taten ermutigt fühlen. Diese Hetze muss ein für alle Mal beendet werden.“

Mutmaßlicher Attentäter von Berlin-Buch ermittelt

Nach der Brandstiftung in einer Containerunterkunft für Flüchtlinge in der Groscurthstraße in Berlin-Buch am 8. August haben Polizei und Staatsanwaltschaft einen Verdächtigen ermittelt. Derzeit laufe ein Ermittlungsverfahren wegen schwerer Brandstiftung, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Martin Steltner. Der Verdächtige sitze aber nicht in Untersuchungshaft.

Genaueres zur Brandursache und zu dem Verdächtigen wurde nicht mitgeteilt. Offen ist, wie der Brand gelegt wurde und ob es einen politischen Hintergrund gibt, ob also der Täter möglicherweise aus rechtsextremistischen Kreisen kommt. Oder ob es ein Brandstifter aus dem Flüchtlingsheim war. Ermittelt hatte der für politisch motivierte Straftaten zuständige Staatsschutz der Polizei.

Von MAZonline

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Teltow-Fläming
57811e88-cc1d-11e5-9fb5-3858ea6ed044
Babys aus Oberhavel (6)

Babys aus Oberhavel, Januar/Februar 2016

Sollte Rauchen im Auto verboten werden, wenn Kinder dabei sind?

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg