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Teltow-Fläming Brandenburg hat ein Storchen-Problem
Lokales Teltow-Fläming Brandenburg hat ein Storchen-Problem
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00:20 19.08.2017
Pro Brutpaar müssten zwei Jungstörche überleben, um die Storchenpopulation aufrecht zu erhalten. Quelle: Bernd Ludwig
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Dahmeland-Fläming

Bernd Ludwig ist seit 1958 Landeskoordinator für den Weißstorchschutz beim Naturschutzbund (Nabu) Brandenburg. In dieser Funktion koordiniert er die Vogelzählungen in den Altkreisen, sammelt die erhobenen Daten und wertet diese aus. Seine Bilanz für das Jahr 2017 sieht eher düster aus.

Herr Ludwig, wie geht es den Störchen in Teltow-Fläming?

Den Störchen geht’s bei uns seit einigen Jahren schon nicht mehr so gut. 2015 hatten wir in Teltow-Fläming noch 60 Horstpaare. 43 von ihnen bekamen insgesamt 84 Junge. 2016 waren es nur noch 54 Horstpaare. 35 von ihnen bekamen insgesamt 72 Junge.

Und wie sieht es im Altkreis Königs Wusterhausen aus?

2015 hatten wir dort noch neun Horstpaare, fünf von ihnen bekamen insgesamt neun Junge. 2016 hatten wir dann nur noch acht Brutpaare. Sechs von ihnen hatten insgesamt 15 Junge.

Bei so vielen Jungstörchen gibt es jetzt deutlich mehr Störche, oder?

Nein, leider nicht. Aktuell haben wir im Altkreis Königs Wusterhausen neun Horstpaare, sieben von ihnen haben insgesamt 16 Junge. Damit sieht’s dort nicht ganz so schlecht aus wie in anderen Kreisen. Da jedoch nicht alle Jungstörche durchkommen, sind das immer noch zu wenige, um die Population aufrecht zu erhalten.

Warum überleben nicht alle Jungen?

In diesem Jahr vor allem wegen des Starkregens Ende Juni. Zu dieser Zeit sind die Jungstörche schon zu groß, um von ihren Eltern gewärmt zu werden, in der Fachsprache heißt das Hudern. Gleichzeitig haben die Jungen nicht genügend Deckfedern, die sie gegen die Kälte schützen. Zudem können die Eltern aufgrund der Kälte und Nässe nicht so viel Nahrung für die Jungen ranschaffen. Deshalb sind viele Jungstörche klamm geworden und erfroren oder verhungert.

Wie viele Junge müssten überleben, um die Population in der Region aufrecht zu erhalten?

Je Brutpaar müssten zwei Jungstörche durchkommen.

Was sind weitere Gründe für die sinkende Anzahl an Horstpaaren?

Die Weißstörche leiden bei uns vor allem unter dem Nahrungsmangel. Die Feldäser finden auf den Feldern kaum noch etwas zu fressen, da sich die Landnutzung in den letzten Jahren und Jahrzehnten drastisch geändert hat. Es gibt zu viele intensive Monokulturflächen von Mais, Raps und Getreide. Die Störche kommen gar nicht mehr in die dicht bewachsenen und hohen Maisfelder. Hinzu kommen die Pestizidbehandlungen, durch die es in den Feldern kaum noch Insekten gibt.

Was fressen Störche sonst noch?

Amphibien und Reptilien, aber auch Regenwürmer, Feldmäuse und Insekten. Allzu groß ist die Auswahl hier nicht mehr. Die Störche mögen die vielen Grünfrösche nicht besonders. Sie bevorzugen die Braunfrösche. An Insekten fressen sie hauptsächlich Heuschrecken. Die kamen in diesem Jahr aber auch sehr spät. Eigentlich zu spät, denn die Jungstörche ziehen bereits wieder in den Süden ab, um dort dann zu überwintern.

Wie ist die Storchenzählung eigentlich organisiert?

In Brandenburg gibt es Horst-, Kreis-, Regional- und Landesbetreuer. Da die aktuellen Landkreise zu groß für einen Betreuer sind, zählen für uns noch die Altkreise. Die Horstbetreuer sind normalerweise die Anwohner, bei denen die Vögel ihren Horst haben. Diese werden von den Kreisbetreuern aufgesucht. Das sind meistens professionelle Ornithologen, die sich ehrenamtlich für den Weißstorchschutz engagieren. Die Zählungsergebnisse geben sie an die Regionalbetreuer und diese leiten sie an mich weiter. Dabei zählen wir die Brutpaare, wie viele von ihnen Junge bekommen, wie viele Junge sie bekommen und wie sich die Störche entwickeln.

Was machen die Betreuer noch?

Die Kreisbetreuer müssen mindestens zwei Mal im Jahr die Horste abfahren. Von den Horstbetreuern erfahren sie, ob es Kämpfe mit anderen Störchen gab, ob Eier kaputtgingen oder Jungstörche durch den Starkregen verklammt und verendet sind. Diese Informationen sind wichtig für die Fortpflanzung.

Und wie werden die Störche gezählt?

Die Jungstörche werden gezählt, wenn sie noch nicht flügge sind. Früher wurden sie beringt. Da es zurzeit nicht genug ehrenamtliche Beringer gibt und die Ringe auch teuer sind, wird das in der Region nicht mehr gemacht.

Welche natürlichen Feinde hat der Storch?

Bei uns vor allem den Steinmarder und den Waschbär, der die Eier oder die Jungtiere auf Dachhorsten vernichtet. Deshalb errichten sie ihren Horst auch nur noch selten dort.Um sie vor den Räubern zu schützen, werden Nestmasten errichtet.

Was können wir Menschen tun?

Wichtig ist, dass die Landschaften renaturiert werden, wieder Feuchtigkeit zugelassen wird, damit der Storch in Wiesen mit unterschiedlichen Grasarten wieder Nahrung findet.


Von Josefine Kühnel

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