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Teltow-Fläming „Brandenburg ist kein Wasserkraftland“
Lokales Teltow-Fläming „Brandenburg ist kein Wasserkraftland“
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12:05 22.08.2014
Per Wasserrad wird an der Dammühle in Wildau-Wentdorf, die Heinrich Kahlbaum gehört, Energie erzeugt. Quelle: Gertraud Behrendt
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MAZ: Seit wann gibt es die Arbeitsgemeinschaft (AG) Wasserkraftwerke Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern? Sind alle Wasserkrafterzeuger Mitglied?
Heinrich Kahlbaum: Die AG gibt es seit 1992 im Brandenburgischen und sie vertritt die Interessen der kleinen Wasserkraftwerksbetreiber. Das war in den ersten Aufbruchzeiten nach der Wende, was zufälligerweise mit einem Aufbruch zu erneuerbaren Energien zusammenfiel, einfacher als heute. Es sind nicht alle Wasserkraftwerksbetreiber Mitglied. Gerade einige Größere nutznießen zwar gerne unsere politische und organisatorische Arbeit, halten sich aber fern. In Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern haben wir 26 Mitglieder, davon 15 mit Wasserkraft und elf Interessierte. Ich bin seit 2004 Mitglied und Vorsitzender seit 2013.

Heinrich Kahlbaum, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft. Quelle: Gertraud Behrendt

Bei Wasserkraft denkt man an imposante Talsperren. Wie groß muss ein Gefälle oder ein Mengendurchfluss pro Sekunde sein, um Wasserkraft zu erzeugen?
Kahlbaum: Brandenburg ist natürlich kein klassisches Wasserkraftland wie die Gebirgsländer, da Wasserkraft ein Ergebnis von Fallhöhe und Wassermenge ist. Dennoch sollten wir jede regenerativ zu erzeugende Kilowattstunde einsammeln, dezentral und klimaschonend. Unsere kleinen Fließgewässer in Teltow-Fläming und Lausitz-Dahme-Spreewald haben nur ein kleines Wasserkraftpotential, was aber seit Jahrhunderten genutzt wird. Die an der Dahme gelegenen gehören mit etwa 300 bis 500 Litern je Sekunde und einem Gefälle von 1,20 bis 1,80 Metern sicher zu den kleinsten Wasserkräften. Ich betreibe eine Wasserkraft an der Havel mit 13,5 Kubikmetern pro Sekunde und 3,20 Metern Fallhöhe. In Brandenburg sind zirka zwei Hand voll Wasserkraftanlagen dieser Größenklasse von 100 bis 500 Kilowatt installierter Leistung in Betrieb. Etwa noch einmal so viele könnten an vorhandenen Wehren gebaut werden, wenn sie nicht aktiv verhindert würden. Die größte Wasserkraftanlage im Land, am Auslauf des Spremberger Stausees, hat ein Megawatt installierte Leistung.

Vier Wassermühlen

In der Gemeinde Dahmetal gibt es vier Wassermühlen. Zwei stehen in Wildau-Wentdorf: die „Neue Mühle“ von Christina Berger und Matthias Kiekbusch sowie die „Dammühle“ von Heinrich Kahlbaum aus dem Jahr 1905, die von 1995 bis 1998 restauriert und umgebaut wurde.

Die beiden anderen Wassermühlen stehen in den Ortsteilen Liedekahle und Görsdorf. In Liedekahle ist Lutz Schulze, der seinen Mühlengarten öffnet, Eigentümer. In Görsdorf hat Frank Zelmer die Bachmühle saniert und dabei eine Pension mit großem Garten und Veranstaltungsraum eingebaut.

Im Juni hieß es, Brandenburg setzt in seiner Energiestrategie 2030 auf Wasserkraft. Im August ruderte Minister Ralf Christoffers (Linke) zurück, weil der Anteil von 0,2 Prozent an der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien zu gering sei, um auf Wasserkraft zu setzen. Sie haben an Gregor Gysi (Linke) geschrieben, um eine Debatte pro Wasserkraft im Bundestag anzustoßen. Haben Sie etwas erreicht?
Kahlbaum: Die Fraktion der Linken hat eine Anfrage an die Bundesregierung gestellt. Es geht unter anderem darum, die großen und kleinen Wasserkraftbetreiber auseinander zu dividieren und die kleinen zu behindern. Das heißt nicht, dass die Linke besonders wasserkraftfeindlich wäre. Der Bruch geht quer durch alle Fraktionen. Als Vorsitzender der AG wollte ich zur Meinungsbildung beitragen, um auf die Vorzüge der Wasserkraft hinzuweisen. Keine Energie ist zum Nulltarif und ohne Umweltverbrauch zu haben. Aber die regenerative Energie kommt ohne Jahrtausende bestehende Endlagerung aus, verursacht keine Erdrutsche und Landschaftssenkungen, keine braune Spree und saure Seen. Und was mir am wichtigsten ist: Keine Kriege um Öl, die uns „zwingen“ Panzer an das haschemitische Königshaus zu liefern. Unsere kleinen Flüsse im Fläming erzeugen global gesehen wenig Energie. Bei mir ungefähr zwischen 4500 und 6500 Kilowattstunden (kWh) im Jahr. Aber diese werden vor Ort erzeugt und sind für die einzelnen Erzeuger sicher auch nennenswert.

Sie reden jetzt von Ihrer Mühle in Wildau-Wentdorf? Reicht der dort erzeugte Strom nur fürs eigene Haus oder zum Einspeisen ins Netz?
Kahlbaum: Die Energie reicht aus verschiedenen Gründen bei mir in Wildau-Wentdorf nicht aus. Manchmal, bei geringem Eigenverbrauch, speise ich aber auch ein ins Netz, etwa ein Drittel.

Welche Genehmigungen sind dafür erforderlich?
Kahlbaum: Um Wasserkraft zu betreiben, benötigt man vor allem eine wasserrechtliche Genehmigung der Unteren Wasserbehörde. Da gibt es verschiedene Formen von der Erlaubnis, gehobenen Erlaubnis bis zur Bewilligung, die den stärksten Rechtsstatus hat. Am besten ist natürlich noch das ererbte oder erworbene Altrecht aus vergangenen Jahrhunderten.
Wird die Erzeugung von Wasserkraft so gefördert wie Wind- und Sonnenenergie?
Kahlbaum: Sie wird einerseits „gefördert“ und andererseits massiv behindert, was zum Beispiel in Sachsen zum Kuriosum geführt hat, dass manche Anlagen mit Steuergeld erst gefördert wurden und jetzt deren Abschaltung verfügt worden ist. Ich erhalte pro kWh 7,67 Cent. Das ist nicht auskömmlich. Andere Anlagen, die nach Erneuerbare-Energien-Gesetz 2009 oder 2012 ökologisch nachgerüstet oder modernisiert wurden, erhalten bis zu 12,67 Cent je kWh. Das kann je nach Randbedingungen auskömmlich sein. In Brandenburg gibt es theoretisch eine Investitionsförderung, die kaum vergeben wird, da fast alle Reaktivierungen oder Neubauten von den Behörden abgeblockt werden. Wind und Solar werden auch kaum noch gefördert beziehungsweise auskömmlich bezahlt.

Interview: Gertraud Behrendt

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