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Anschlag auf geplantes Asylbewerberheim in Zossen Brandsatz von Rechts

Vor dem geplanten Asylbewerberheim in Wünsdorf-Waldstadt sind drei Mülltonnen in Flammen aufgegangen. Die Täter sind bekannte Neonazis. Der Anschlag auf das Verwaltungsgebäude ist ein politisches Zeichen – und die Stadt Zossen muss sich wieder gegen den Vorwurf wehren, ein Zentrum für rechtes Gedankengut zu sein.

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Drei Mülltonnen gingen in Flammen auf.
 

Quelle: Polizei

Wünsdorf.  Angesengte Blätter wehen über den Vorplatz des Verwaltungszentrums B, auf dem Boden drücken sich die Reste von geschmolzenem Plastik ins Pflaster, Ruß schwärzt die Fassade.In der Nacht zu Sonnabend sind in Wünsdorf-Waldstadt drei Mülltonne in Flammen aufgegangen, was eigentlich nur eine kleine Meldung wäre, wenn diese Mülltonnen nicht vor der geplanten Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge gestanden hätten und wenn die Täter, die von Polizei gefasst wurden, keine einschlägig bekannten Neonazis gewesen wären. Der Sachschaden am Gebäude ist gering, wie hoch der politische Flurschaden ist, lässt sich noch nicht abschätzen.

Stadtsprecher: Zossen ist eine Stadt wie jede andere

Fred Hasselmann, Sprecher der Stadt Zossen, verurteilte den Anschlag, betonte aber umgehend, dass Zossen eine Stadt wie jede andere sei und dass es solche Taten auch woanders in Deutschland schon gegeben hätte. Seit vor einem Monat bekannt wurde, dass das Land Brandenburg in Wünsdorf eine Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge plant, habe Bürgermeisterin Michaela Schreiber (Plan B) viel unternommen, um sich mit den Ängsten und Sorgen der Bürger vertraut zu machen. Dutzende Bürger seien in die Sprechstunden gekommen. „Wir als Stadt haben das Thema offen und transparent begleitet. Ausschließen kann man solche Taten nie“, sagte Hasselmann. Er warnte davor, den Anschlag zu nutzen, um sich politisch zu profilieren. „Alle Demokraten müssen zusammenstehen.“

Landrätin lobt Zossen für Umgang mit Rechtsextremismus

Teltow-Flämings Landrätin Kornelia Wehlan (Linke) lobte ausdrücklich die Bemühungen der Stadt Zossen bei der Suche nach Wohnungen für Flüchtlinge und im Umgang mit Rechtsextremismus. „Dieser Anschlag repräsentiere nicht die Mehrheit der Menschen in Teltow-Fläming“, sagte die Landrätin. Zwar habe es immer wieder Proteste gegen Flüchtlingsunterkünfte gegeben, aber auch viel ehrenamtliche Unterstützung von Bürgern und Vereinen. „Bei den meisten ist eine große Willkommenskultur spürbar“, sagte Wehlan. Ein gefährliches Pflaster für Flüchtlinge sei Teltow-Fläming nicht. „Wir haben gute Grundlagen, um Menschen Obdach zu geben, deren Leben bedroht ist und denen elementare Menschenrechte verwehrt werden“, sagte sie.

Das geplante Flüchtlingsheim

In dem früheren Armee-Gebäude soll nach den Plänen des Innenministeriums ab 2016 ein Erstaufnahmelager für bis zu 1200 Flüchtlinge in Betrieb gehen, von dem aus werden die Asylbewerber auf Kommunen in ganz Brandenburg verteilt werden.

Derzeit sitzt in dem Gebäude noch der Landesbetrieb Straßenwesen.

Auf Facebook wird scharf gegen das geplante Heim gehetzt

Dass längst nicht alle Menschen in Teltow-Fläming die Flüchtlinge willkommen heißen, konnte man in den vergangenen Wochen im Internet nachlesen. In dem sozialen Netzwerk Facebook hatte sich unmittelbar nachdem die Pläne für das Erstaufnahmelager bekannt wurden eine Gruppe von Gegnern gefunden. Mehr als 1600 Anhänger hat die Seite „Wünsdorf wehrt sich“. Nachdem die Initiatoren das Ende ihres Kampfes verkündeten, kam es dort zu heftigen Diskussionen. Jörg Wanke, Stadtverordneter und Sprecher der Initiative „Zossen zeigt Gesicht“, haben diese Aktivitäten im Internet schon seit längerem beunruhigt.

AfD agiert in Zossen ganz weit rechts

Auch wenn die längst nicht mehr so präsent sind wie früher, sieht Jörg Wanke neue bedenkliche Entwicklungen. So konzentriert die AfD offenbar bewusst ihre Aktivitäten in der Stadt. Die aus Wankes Sicht „rechte Partei mit fremdenfeindlichen Grundzügen“ betreibt seit kurzem ihre Kreisgeschäftsstelle in der Berliner Straße. Der Brandenburg-Vorsitzende der Jungen Alternative Jean-Pascal Hohm wohnt in Wünsdorf. Er ist Unterstützer der des Thüringischen AfD-Landesvorsitzenden Björn Höcke, der in der Kritik steht, weil er NPD-Mitglieder nicht grundsätzlich für extremistisch hält. „Die AfD spielt eine Rolle in Zossen, das sieht man schon daran, dass es eine gemeinsame Fraktion mit Plan B auf Kreisebene gibt“, sagte Jörg Wanke. Auch auf kommunaler Ebene können beide Gruppen offenbar gut miteinander. Auf der Stadtverordnetenversammlung am Mittwoch wollen sie zusammen mit der CDU eine Erklärung zum geplanten Erstaufnahmelager diskutieren. „Ich bin gespannt, wohin der Zug geht“, sagt Wanke.

Täter blieben mit Auto im Sand stecken

Unterdessen wurde bekannt, dass die mutmaßlichen Täter, ein 32-jähriger Zossener und ein 23-Jähriger aus Wünsdorf, wieder auf freiem Fuß sind. Gegen sie wird wegen versuchter Brandstiftung ermittelt. Im Auto des Jüngeren fand die Polizei verbotene Feuerwerkskörper, Streichhölzer, Brandbeschleuniger und Plakate mit fremdenfeindlichem Inhalt. Er war der Polizei kurz nach der Tat ins Netz gegangen, als er mit dem Auto fliehen wollte und in einem Sandhaufen steckenblieb. Sein mutmaßlicher Komplize konnte zunächst entkommen. Ihn stellte die Polizei am Sonnabendnachmittag in seiner Wohnung. Beide Männer sind wegen Körperverletzung und Propagandadelikten bekannt. Brandenburgs Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) lobte die Arbeit der Polizei und forderte, die Täter die volle Härte des Gesetzes spüren zu lassen. Der CDU-Kreisvorsitzende Danny Eichelbaum nannte die Tat „feige und beschämend.“

Von Christian Zielke

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