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Brandstifter wird versuchter Mord vorgeworfen

Jüterbog Brandstifter wird versuchter Mord vorgeworfen

Ein halbes Jahr nach dem Brandanschlag auf ein Flüchtlingsheim für Minderjährige in Jüterbog ist der mutmaßliche Täter wegen versuchten Mordes angeklagt. In der Einrichtung sind Mitarbeiter froh über die Anklage. Ihre Schützlinge haben aber mittlerweile ganz andere Sorgen.

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Zwei Brandsätze durchschlugen in der Nacht zum 1. Oktober die Fenster der Unterkunft für minderjährige Flüchtlinge

Quelle: Victoria Barnack

Jüterbog. Seit Februar sitzt der junge Jüterboger, der in der Nacht zum 1. Oktober 2016 einen Brandanschlag auf eine Flüchtlingsunterkunft in Jüterbog verübt haben soll, in Untersuchungshaft in der Justizvollzugsanstalt Wriezen. Wie jetzt bekannt wurde, wird dem heute 21-Jährigen versuchter Mord vorgeworfen.

Vertrauter schildert den Mann als „ziellos“ und „mit rechter Tendenz“

In der Johanniter-Einrichtung für unbegleitete, minderjährige Flüchtlinge im Jüterboger Stadtzentrum ist man über diese Entscheidung froh. „Die Mitarbeiter beschäftigt diese Anklage und ich persönlich befürworte, dass sie auf versuchten Mord lautet“, sagt Leiter Steffen Tholl. „Ich will damit niemanden vorverurteilen, aber es muss intensiv geprüft werden, welche Gründe und Motive hinter dieser Tat stecken“, sagt Tholl.

Ein Vertrauter des mutmaßlichen Täters schildert ihn als ziellosen Menschen „mit rechter Tendenz, der das durch seinen Vater schon im Elternhaus vorgelebt bekommen hat.“ Die Schule verließ er demnach ohne Abschluss und den Versuch, die 10. Klasse nachzuholen, brach er ab.

Betrunken ging er mit dem Benzinkanister zur Tankstelle

Laut MAZ-Informationen war er schon in der Vergangenheit durch kleinere Vergehen wie Sachbeschädigung und Körperverletzung sowie den Besitz von illegalen Feuerwerkskörpern aufgefallen. Zum Tatzeitpunkt lebte er bei Vater, Stiefmutter und Geschwistern, er war arbeitslos – und am Abend des 30. September auch „nicht mehr nüchtern“, wie der Vertraute sagt.

In diesem Zustand soll der Angeklagte mit einem Benzinkanister zu einer Tankstelle im Stadtgebiet gegangen sein, wo er von Kameras gefilmt wurde. Anschließend soll er mit dem Benzin die Molotow-Cocktails präpariert haben und zu der Flüchtlingsunterkunft gegangen sein, die nur wenige Meter von seinem Elternhaus entfernt steht.

Glücklicherweise kam niemand zu Schaden

Die zwei Brandsätze durchschlugen die Scheiben des Flachbaus, in dem zu diesem Zeitpunkt 20 junge Flüchtlinge schliefen. Das Fenster gehörte zum Glück zu einem unbewohnten Lagerraum. Weil die Flammen schnell von Mitarbeitern gelöscht werden konnten, kam niemand zu schaden.

Dieser Glücksfall kommt aber nicht dem Angeklagten zu Gute. Für die Staatsanwaltschaft ist klar, dass der Täter davon ausgehen musste, dass hinter dem Fenster Menschen schliefen, weshalb die Anklage nun auch „versuchter Mord“ lautet.

Die jungen Flüchtlinge fühlen sich in Jüterbog gut aufgehoben

„In den Köpfen der Jungs ist der Anschlag nicht mehr präsent“, sagt Unterkunftsleiter Stefan Tholl über die Schützlinge seines Hauses. „Die haben nun ganz andere Sorgen, wie etwa die schwierige Suche nach Praktikumsplätzen und ihrem Platz in der deutschen Gesellschaft. Dort liegen ihre Ängste“, sagt Tholl. „In Jüterbog fühlen sich die Jungs sehr gut aufgehoben und sie wollen hierbleiben“, fügt er hinzu.

Weil die Einrichtung seit März eine reguläre, stationäre Jugendhilfeeinrichtung ist, freuten sie sich gerade auf deutsche Jugendliche, mit denen sie bald ihre Zimmer teilen werden. Auch das Sicherheitsgefühl der Mitarbeiter sei längst wieder zurückgekehrt, sagt Tholl.

Öffentlicher Prozess beginnt vermutlich im August

Kennengelernt haben die Menschen aus der Einrichtung den Tatverdächtigen nie. Die Anregung der Flüchtlingshilfe Jüterbog, einen Dialog zwischen dem Angeklagten und den Flüchtlingen im Rahmen des Täter-Opfer-Ausgleichs zu führen, wurde vom Angeklagten nicht aufgegriffen.

Voraussichtlich im August wird der Prozess gegen den Mann vor dem Potsdamer Landgericht eröffnet. Da der Angeklagte bei der Tat bereits 20 Jahre alt war und damit als Heranwachsender gilt, wird der Prozess unabhängig von der möglichen Anwendung von Jugendstrafrecht öffentlich sein.

Von Peter Degener

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