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Teltow-Fläming Brandstifter wollte für den Vater ein Held sein
Lokales Teltow-Fläming Brandstifter wollte für den Vater ein Held sein
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00:19 16.11.2017
Der Anschlag auf das Jüterboger Flüchtlingsheim missglückte auch, weil die Brandsätze nicht die Fensterscheiben durchschlugen. Quelle: Victoria Barnack
Jüterbog

Schuldfähig ist Chris P., aber er hat auch aus einer Zwangslage heraus gehandelt – so lautet der Tenor des psychiatrischen Gutachtens, das am Montag im Prozess zum Brandanschlag auf ein Jüterboger Flüchtlingsheim vor dem Potsdamer Landgericht vorgestellt wurde. Gutachter Claus Simon, Facharzt für Neurologie und Psychiatrie aus Potsdam, beschreibt den 21-jährigen Jüterboger Chris P. als gesund und normal intelligent – er sei weder psychisch krank, noch sei er in der Nacht zum 1. Oktober 2016 so alkoholisiert gewesen, dass er nicht gewusst habe, was er tue.

Der Täter hat seinen Vater idealisiert und stets gehorcht

Vielmehr sieht der Gutachter das Abhängigkeitsverhältnis zum autoritären Vater Dirk P. als entscheidenden Grund für die Tat. „Er hat seinen Vater idealisiert, insbesondere nachdem die Mutter den Vater verlassen hatte, als der Angeklagte zwölf Jahre alt war“, sagt Simon. Seitdem habe er sich mit dem Vater solidarisiert, der ihm auch mit 20 Jahren noch „Befehle“ gegeben habe.

„Es war für den Angeklagten einfach nicht vorstellbar, dem Vater nicht zu gehorchen“, sagt Simon. So schätze er den jungen Mann als harmoniebedürftig und nicht menschenverachtend ein – doch der Wert, den er der Bedeutung von Familie in Form des Vaters zubillige, lag höher.

In einer gefühlten Zwangslage entschied der Angeklagte sich zur Tat

Dies war ausschlaggebend für die Tat. „Er musste sich entscheiden zwischen seinen eigenen Ansprüchen an seine Persönlichkeit, die in den Augen des Vaters als Schwäche ausgelegt worden wären, und dem Willen des Vaters“, fasste Simon die subjektive Zwangslage zusammen, in der Chris P. entschied, mit seinem Kumpel Felix G. die Molotow-Cocktails auf das Heim zu werfen.

Der Alkoholrausch und die Indoktrination des Vaters führten direkt vor der Tat zu einer eingeschränkten Situation. Vater und bester Kumpel überredeten Chris P. zu der Brandstiftung. „Als eine Entscheidung her musste, schob der Angeklagte alles bessere Wissen beiseite, um für den Vater ein Held zu sein“, sagte Simon.

Der Angeklagte Chris P. mit seinem Strafverteidiger Torsten Kauer im Landgericht Potsdam. Quelle: Peter Degener

Trotzdem geht der Gutachter von einer positiven Prognose aus

Doch das Fazit des Gutachters spricht für Chris P.: „Mittlerweile hat ein Distanzierungsprozess gegenüber dem Vater eingesetzt und ich hoffe, dass der Angeklagte seinen eigenen Weg finden wird“, sagte Simon und gab vor dem Landgericht eine positive Prognose zur Entwicklung des Jungen ab.

Die Jugendgerichtshilfe des Kreises Teltow-Fläming bestätigte den Gutachter. Dort ist der Angeklagte durch kleinere Vergehen bereits seit 2012 bekannt. Die Jugendgerichtshilfe schätzt den Reifegrad von Chris P. noch immer als jugendlich ein. Er lebe in den Tag hinein, habe keinerlei Lebensplanung, sei wirtschaftlich abhängig von seinen Eltern.

Die Kosten des Sachschadens stottert Chris P. jeden Monat ab

Strafverteidiger Torsten Kauer wies das Gericht auch darauf hin, dass sein Mandant während seiner Untersuchungshaft die Verantwortung für den finanziellen Schaden übernommen habe. Seit April zahlt er in monatlichen Raten von 50 Euro den Schaden an Fenster und Fassade von rund 1700 Euro ab.

Am Freitag halten Staatsanwaltschaft und der Verteidiger ihre Plädoyers, am 23. November soll das Urteil fallen. Der Vater des Angeklagten, Dirk P., der seit der Prozesswende im Oktober als Haupttäter gilt, ist weiterhin in Untersuchungshaft. Anklage ist nach Aussage der Staatsanwaltschaft Potsdam aber bislang nicht erhoben worden.

Von Peter Degener

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