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Bravourös gespielte Verletztheit

Zossen Bravourös gespielte Verletztheit

Der bei Zossen aufgewachsene junge Schauspieler Tristan Göbel brillierte bereits in „Tschick“ und ist nun auch im Berlinale-Wettbewerb vertreten. Eine Szene für seinen Film „Helle Nächte“ wurde auch in Schönefeld gedreht.

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Tristan Göbel und Georg Friedrich als wandernde Zwangsgemeinschaft im Berlinale-Beitrag „Helle Nächte“.

Quelle: Schramm Film/Marco Krüger

Zossen/Schönefeld. Die Szene ist nur kurz, doch markant, denn in ihr mag ein neuer Anfang stecken für diese beiden einander so sehr Entfremdeten, die sich mit Resignation und Scheu begegnen. Am Flughafen Schönefeld wurde für den am Montag im Wettbewerb der Berlinale vorgestellten Film „Helle Nächte“ dieser Moment gedreht, in dem die beiden Protagonisten, Vater und Sohn, nach anspannender Reise mit- und zueinander wieder auseinandergehen. Der jüngere wird von Tristan Göbel dargestellt, der mit seiner Familie auf einem Bauernhof bei Zossen lebt. „Auch am Schluss ist er nicht so 100-prozentig sicher, ob sie sich richtig gut mögen oder halt weiterhin so ein Abstand herrscht“, sagt der Vierzehnjährige über den Jungen Luis, der seinen Vater Michael nach Norwegen begleitet.

Der muss dort seinen Vater, Luis’ Großvater, beerdigen. Zum ersten und eben letzten Mal stehen die beiden im Haus des Mannes, der sich bewusst nicht nur räumlich von seiner in Deutschland lebenden Familie entfernt hat. Dass Michael es ihm ähnlich tat, seinen eigenen Sohn vernachlässigte, über Jahre kaum Kontakt hielt, ist der große Konflikt des Films, den Regisseur und Drehbuchautor Thomas Arslan mit Ruhe und Intensität in bergiger Tundra-Einsamkeit inszenierte.

Berlinale-Premiere am Montag

Zur Berlinale-Premiere am Montag konnte Tristan Göbel den fertigen Film zum ersten Mal sehen. Für den jungen Schauspieler, der vor wenigen Monaten erst mit seiner Hauptrolle in Fatih Akins Verfilmung des Wolfgang-Herrndorf-Romans „Tschick“ seinen Durchbruch erlebte, ein weiterer großer Erfolg. Schon 2006 stand er erstmals vor einer Kamera, vier Jahre später gemeinsam mit drei seiner vier Geschwister in Philipp Stölzls „Goethe!“. Er wirkte in zwei der populären „Rico und Oskar“-Filme mit, war Jördis Triebels Sohn in dem Ausreise-Drama „Westen“ von Christian Schwochow und spielte 2015 in dem Fernsehfilm „Simon sagt auf Wiedersehen zu seiner Vorhaut“ den besten Freund der titelgebenden Hauptfigur. Erneut zu sehen ist die gelobte Komödie am 23. Februar im NDR-Fernsehen. In einer größeren Nebenrolle taucht Tristan Göbel dann am 22. März in der Soko-Wismar-Folge „Der letzte Zeuge“ im ZDF auf.

Wann „Helle Nächte“ bundesweit in den Kinos starten wird, steht noch nicht fest. Das Drehbuch sei klar vorgegeben gewesen, erläutert Regisseur Thomas Arslan. „Es gab kleinere Korrekturen, aber es wurde nicht wirklich improvisiert“, erzählt er über die Arbeit mit seinen Darstellern. Er wollte sich eben mal wieder mehr auf die Beziehung zwischen den Personen konzentrieren, so Arslan. Dramatische Wendungen gibt es nicht, denn Drama ist die Geschichte selbst. Das quälende und hoffende Schweigen der beiden, wie sie sich ertragen, irgendwie.

Zwei hervorragende Akteure

Michael-Darsteller Georg Friedrich ist beängstigend gut. Der österreichische Schauspieler, der in vielen Rollen gern boshaft-zynisch rüberkommt, immer wieder den Haudrauf und Bösewicht geben musste, zeigt hier ein fein nuanciertes Spiel. Sein Michael ist abweisend und verschlossen, dennoch bemüht er sich um seinen Sohn, dessen Verletztheit durch Tristan Göbels verschlossene Miene hindurchscheint. Zwei hervorragende Akteure, die diesen Film bravourös durch Nordnorwegen tragen.

Genaugenommen ist Tristan sogar noch ein zweites Mal auf dem großen Filmfestival dabei, denn „Tschick“ wird in der Reihe „Lola @ Berlinale“ gezeigt, allerdings nur einem ausgewählten Publikum, denn die Lola-Filme sind jene, die in die Vorauswahl für den Deutschen Filmpreis gekommen sind. Die konkreten Nominierungen dafür stehen Mitte März fest, Ende April ist die Preisverleihung. Aber erst einmal können Arslan, Friedrich und Göbel auf Samstag hoffen, wenn die Silbernen und Goldenen Bären der Berlinale vergeben werden.

Von Karen Grunow

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