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Bronzemodell der Altstadt entsteht

Jüterbog Bronzemodell der Altstadt entsteht

Mit einem Bronzemodell des Stadtkerns bekommt Jüterbog eine künstlerische und touristische Attraktion geschenkt. Der Künstler Egbert Broerken hat bereits viele solcher Modelle für Städte geschaffen. Über die Stiftung der VR Bank Fläming und den Heimatverein Jüterboger Land soll auch Jüterbog in Bronze verewigt werden.

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Anfassen erlaubt! Die Bronzemodelle von Broerken animieren zu einer ganz besonderen Auseinandersetzung mit der Umwelt – egal ob Stadtkern oder Park Sanssouci.

Quelle: Peter Degener

Jüterbog. Enge Gassen, hohe Kirchtürme und eine zu großen Teilen erhaltene Stadtbefestigung aus Mauern, Toren und Türmen prägen die Innenstadt von Jüterbog. Diesen historischen Stadtkern sollen Besucher und Bewohner künftig auf einen Blick erfassen und mit ihren Händen buchstäblich begreifen können. Der westfälische Künstler Egbert Broerken erarbeitet derzeit ein detailliertes Bronzemodell von Jüterbog, das im Frühjahr 2017 aufgestellt werden soll.

Üppige Förderung über Bank-Stiftung

Die Idee geht auf eine Initiative der VR-Bank Fläming zurück und wird größtenteils durch die Stiftung der Bank ermöglicht. „Wir haben ein solches Modell in Wittenberg gesehen, wo unsere Nachbar-Bank das mit weiteren Partnern realisiert hat. Das Modell ist ein Geschenk an die Stadt und wir sind froh, dass hier der Heimatverein Jüterboger Land als Partner dabei ist“, sagt Doreen Jannek von der VR-Bank Fläming.

Der Künstler Egbert Broerken

Der Künstler Egbert Broerken.

Quelle: privat

Die Stiftung der Bank unterstützt das Projekt mit 30 000  Euro – die größte Summe, mit der die Stiftung bislang ein einzelnes Projekt gefördert hat. Der Heimatverein Jüterboger Land hat als Antragsteller das Förderprozedere auf sich genommen und muss zudem einen Eigenanteil über 2000 Euro aufbringen, der durch Spenden finanziert werden soll. Jeweils 3000 Euro kommen zudem von der VR-Bank selbst und aus dem Verfügungsfonds des Sanierungsgebiets.

Von der Liebfrauenkirche bis zur Nuthe

„Ich kenne solche Modelle aus anderen Städten und konnte mir nie vorstellen, das wir uns das als Stadt je leisten könnten“, sagt Falk Kubitza, stellvertretender Vorsitzender des Heimatvereins. Doch der Antrag des Heimatvereins wurde bewilligt, denn die Idee des Modells fand viel Anklang im Aufsichtsrat der Stiftung. Kubitza reiste bereits zu Broerken nach Welvern bei Soest in Nordrhein-Westfalen, um Details wie die Dimensionen der Darstellung zu besprechen. „Wir werden nicht direkt an der Stadtmauer Schluss machen, sondern an allen Seiten etwas darüber hinausgehen“, sagt Kubitza. Von der Liebfrauenkirche bis zur Nuthe und der Schillerstraße bis zur Straße Hinter der Mauer soll das Bronzemodell reichen.

„Dieser Mann hat über 100 solcher Modelle geschaffen. Er spricht nicht viel, sondern hat die notwendige Ruhe und Gelassenheit, um das anzugehen“, beschreibt Kubitza den Künstler.

Künstler hat Jüterbog schon besucht

Egbert Broerken war bereits in Jüterbog zu Besuch. „Wir waren zusammen auf dem Turm der Nikolaikirche und er zeigte sich begeistert von der alten Bausubstanz der Innenstadt“, sagt Kubitza. Noch im August will Broerken wiederkommen und mit der Kamera alle Straßen im Stadtkern dokumentieren.

Hintergrund

Egbert Broerken (1950) hat über 120 Blindentastmodelle aus Bronze geschaffen. Etwa 100 davon stehen in Deutschland, es gibt aber auch Werke im europäischen Ausland.

Angeregt wurde er durch die Schüler und Lehrer der Westfälischen Blindeschule in Soest, mit denen er die optimale Tastbarkeit der Modelle entwickelte, die in einem Wachsausschmelzverfahren entstehen.

In Brandenburg stehen Modelle von ihm im Park Sanssouci in Potsdam und am Schloss Königs Wusterhausen.

Die Modelle zeichnen sich durch einen großen Detailreichtum bei Formen und Oberflächen aus. Sie sind nicht nur für blinde Menschen ein Erlebnis zum Anfassen, sondern bieten auch Sehenden viel Freude, weil sie die Größenordnungen und baulichen Zusammenhänge einer Stadt überschaubar machen.

„Für ein Modell bekomme ich vom Katasteramt Karten zur Verfügung gestellt. Dadurch kenne ich Länge und Breite der Gebäude. Vor Ort fotografiere ich jedes Haus, um die Dachform und die Traufhöhe festzuhalten“, erzählt der Künstler. Details wie Gauben an den Dächern würden beim geplanten Maßstab von 1:650 im fertigen Modell möglichst originalgetreu wiedergegeben. Feine Strukturen lassen Sehbehinderte Straßen, Dächer und Grünflächen unterscheiden. Mit Blindenschrift werden besondere Objekte wie Kirchen oder das Rathaus benannt. Der Künstler erreicht diese Feinheiten durch ein patentiertes Wachsausschmelzverfahren. Insgesamt zehn Monate arbeitet Broerken an dem Modell. Allein zwei Monate dauert der Guss.

Derzeit ist eine Aufstellung im April geplant. Dann wird die etwa zwei Meter lange und 80 Zentimeter breite Bronzeplatte auf einem Natursteinsockel in Jüterbog aufgestellt. Ungeklärt ist allerdings noch der Standort. Falk Kubitza bevorzugt den Mönchenkirchplatz am Kulturquartier. Der liegt nicht nur zentral – von dort gehen auch die Stadtführungen aus. Touristen sollen künftig am Tastmodell einen ersten Überblick über die Stadt bekommen.

Von Peter Degener

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