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Bücher, Blut und Böses

Mark und Lydia Benecke sprachen über den Mordfall Scholl und sagten nichts dazu Bücher, Blut und Böses

Alle im Saal wussten, dass Kriminalbiologe Mark Benecke und Kriminalpsychologin Lydia Benecke am Montag in der Aula der Daimler-Oberschule Ludwigsfelde nichts zum Mordfall Scholl sagen werden.

LUDWIGSFELDE. Dennoch begann ihre Lesung zum jüngsten Benecke-Buch „Aus der Dunkelkammer des Bösen“ mit Bildern dieses Prozesses – aus dem Saal des Landgerichts Potsdam, wo seit 18. Oktober und bis voraussichtlich 28. Februar über den Mord an Brigitte Scholl gegen ihren Mann verhandelt wird. Und der Abend endete nach verbalen und optischen Ausflügen in die „Dunkelkammer des Bösen“, so sein jüngster Buchtitel, bei diesem Mord.

Quasselstrippe Mark Benecke hatte trotz der ernstesten Themen wie stets die Lacher auf seiner Seite. Auch, als er quer durch den Blätterwald anhand von Online- und Zeitungsausschnitten der Mordberichterstattung mahnte, auch die offenkundigsten Dinge zu hinterfragen. Ohne den aktuellen Ludwigsfelder Fall zu kennen, fand Benecke zum stets wiederkehrenden und einer berühmten Schauspielerin zugeschriebenen Satz aus dem Scholl-Buch „Wachgeküsst“, an Scheidung habe der Weinhändler nie gedacht, „an Mord schon“: „Von welcher berühmten Schauspielerin stammt das? Oscar Wilde war’s nicht, der war ja auch keine berühmte Schauspielerin.“ Benecke präsentierte Erika Fuchs als Urheberin. Die Übersetzerin hatte amerikanische Comics ins Deutsche übertragen. Dann war Benecke bei eigenen Erkenntnissen zu eigenen Gutachten mit bekannt madigen oder blutigen Details; „wir versuchen Fälle anhand von Sachen zu lösen, die man sehen oder anfassen kann.“

Noch spannender wurde es für die Ludwigsfelder, als seine Frau psychologische Handlungsmuster von Straftätern erklärte. Es erstaune sie immer wieder, dass sich die Welt über Taten wundert von Menschen, denen niemand Böses zutraute. Nach Analysen ist für die Kriminalpsychologin jedoch klar: Serienmörder sind Einzelgänger, die Bestätigung suchen. Und Intimizide sind Morde, bei denen der Intimpartner umgebracht wird, fast ausschließlich bringen Männer Frauen um, oft mit Angriffen gegen den Hals. Motive für den Partnermord: Eifersucht, Rache oder Bestrafung für erlebte Kränkung. Die Täter entwickelten eine Fantasiewelt, „und oft tun sie das Ausgedachte dann bei der Wiederbegegnung nach langer Trennung, um sich zu beweisen, dass sie nicht feige sind“, erklärte Lydia Benecke. Psychologisch interessant am Mordfall Scholl: Der verdächtige Ex-Bürgermeister gab aus der Haft heraus Zeitungsanzeigen auf. Das zeuge von einem verzweifelten Menschen, „der entweder von der Schuld ablenken will oder wirklich verzweifelt ist“. Beides sei nachvollziehbar, beides möglich. „Ich bin froh, dass ich kein Richter bin“, erklärte der Kriminalbiologe. (Von Jutta Abromeit)

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