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Bürger spenden für Licht in der Gemeinde

Rangsdorf Bürger spenden für Licht in der Gemeinde

Eine ungewöhnliche Aktion hat Eric Mentzel aus Rangsdorf, gestartet. Er hat unter den Anwohnern des Akazienwegs mehr als 13.000 Euro für die Reparatur ihrer Straßenbeleuchtung gesammelt. Damit wollen sie einen aus ihrer Sicht teuren und unnötigen Neubau verhindern.

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Streitpunkt: Die Straßenbeleuchtung in Rangsdorf.

Quelle: Christian Zielke

Rangsdorf. Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen. Seit gut einem Jahr leben viele Menschen in Rangsdorf ohne Straßenlaternen. Eric Mentzel, der im Akazienweg lebt, hat sich selbst geholfen – mit einer selbstgebauten Laterne in seinem Vorgarten.

Mit einer weiteren Aktion hat er das Rangsdorfer Rathaus überrascht. Unter den Anwohnern im Akazienweg, im Akazienhain und im Wildgäßchen hat der 41-Jährige mehr als 13.000 Euro gesammelt. Das Geld soll der Gemeinde gespendet werden – allerdings mit einer Bedingung: Die Gemeinde verzichtet auf den Neubau der Beleuchtung in den drei Straßen und repariert die vorhandenen Laternen, die seit mehr als einem Jahr dunkel sind.

Anwohner finden Leuchten aus den 1990er Jahren völlig ausreichend

Was zunächst ungewöhnlich klingt, ist durchaus möglich, sagt Bürgermeister Klaus Rocher (FDP). Die Gemeinde dürfe die Spende annehmen. „Wir dürfen allerdings keine Spendenquittung ausstellen“, sagt Rocher. Das wollen die Anwohner auch nicht. Ihnen geht es darum, den aus ihrer Sicht unnötigen und viel zu teuren Neubau der Beleuchtung zu verhindern. „Wir wollen eine Lösung finden, mit der die Gemeinde entlastet wird, die die Ressourcen schont und den Interessen der Anwohner entspricht“, sagt Eric Mentzel. Aus Sicht fast aller sind die in den 1990er Jahren aufgestellten Laternen noch gut. Lediglich ein Schaltschrank muss versetzt werden – eine Maßnahme, die Eric Mentzel gutheißt, zumal andere Straßen davon ebenfalls profitieren.

Eric Mentzel hat in seiner Nachbarschaft Euro für die Reparatur der Straßenbeleuchtung gesammelt

Eric Mentzel hat in seiner Nachbarschaft Euro für die Reparatur der Straßenbeleuchtung gesammelt.

Quelle: Christian Zielke

Probleme, seine Nachbarn von der Spendenaktion zu überzeugen, hatte er nicht. Im Gegenteil. „Fast alle haben mitgemacht“, sagt er. Statt mit einem Klingelbeutel ist er mit einem Zettel herumgezogen, auf dem jeder seine Bereitschaft erklären konnte, eine bestimmte Summe zu geben. Als die Anwohner vom Wildgäßchen und Akazienhain von der Sammlung erfuhren, klinkten sie sich ebenfalls ein. Zwischen 250 und 400 Euro hat jeder der Anwohner im Schnitt gegeben. Natürlich steht dahinter auch der eigene Vorteil. „Es geht natürlich auch darum, Geld zu sparen“ sagt Eric Mentzel. Bei einem Neubau wären sie – je nach Größe des Grundstücks – mit 1000 bis 2000 Euro zur Kasse gebeten worden. In 64 Petitionen haben sie ihren Unmut gegenüber der Gemeinde zum Ausdruck gebracht, die sich aus ihrer Sicht zu wenig für eine Reparatur stark gemacht habe. „Wir hatten den Eindruck, die Gemeinde will den Neubau unbedingt durchsetzen“, sagt Eric Mentzel.

Wer bekommt das Geld? Wer ist dafür verantwortlich?

Diesen Vorwurf weist Bürgermeister Klaus Rocher zurück, er verweist jedoch auf das Budget von 50 000 Euro im aktuellen Haushalt, das für die Reparatur der Straßenbeleuchtung zur Verfügung steht.

Die Spende aus dem Akazienweg bringt den Verwaltungschef in die Bredouille. Das Wettbewerbsrecht verpflichte ihn dazu, ein Leistungsverzeichnis zu erarbeiten. Aus Sicht der Anwohner kann der Bürger Aufträge unter 20 000 Euro ohne Ausschreibung vergeben. „Es reicht, wenn die Verwaltung drei Angebote einholt und das günstigste nimmt“, sagt Eric Mentzel.

Die Verwaltung ist den Anwohnern rund um den Akazienweg zumindest etwas entgegengekommen und möchte nun deren Sachverständigen mit der Erstellung des Leistungsverzeichnisses beauftragen. Um sicher zu gehen, soll sich die Gemeindevertretung grundsätzlich positionieren, ob sie die Reparatur mit dem Geld der Bürger möchte. In einem Brief möchte der Bürgermeister außerdem geklärt haben, wer über das Geld verfügt. Entweder benennen die Anwohner jemanden oder sie überweisen das Geld an die Gemeinde. Unklar ist auch, was passiert, falls das Geld für die Reparatur nicht ausreicht.

Eric Mentzel ist überzeugt, dass sich auch für diesen Fall eine Lösung findet. Ihn ärgert, dass man im Rathaus eher die Bedenken als die Möglichkeiten der von ihm erdachten Spendenaktion sieht. Doch zumindest unter den Nachbarn hat sie etwas bewirkt. Sollten die Laternen wieder brennen, wollen sie ein Fest in ihren Straßen feiern.

Von Christian Zielke

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