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Teltow-Fläming „Wir begegnen uns auf Augenhöhe“
Lokales Teltow-Fläming „Wir begegnen uns auf Augenhöhe“
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00:19 29.01.2018
Die beiden Großbeerener Bürgermeister-Kandidaten für die Stichwahl am Sonntag, Tobias Borstel (SPD/l.) und Uwe Fischer (CDU), am Gemeindezentrum. Quelle: Fotos: jutta Abromeit (2)
Großbeeren

Knapp 9000 Großbeerener entscheiden am Sonntag zur Stichwahl zwischen Tobias Borstel (SPD) und Uwe Fischer (CDU), wer in den kommenden acht Jahren an der Rathaus-Spitze steht. Votieren weniger als 15 Prozent, also weniger als 1069 Wähler der 7121 Stimmberechtigten für den Stichwahlsieger, dann entscheidet der Gemeinderat über den neuen Bürgermeister.

Ist die Wahl für Sie gelaufen? Das Freie Bürger-Bündnis (FBB/551 Stimmen am 14.Januar für Michael Voigt) hatte ja eine Wahlempfehlung pro Borstel abgegeben.

Tobias Borstel: Es gibt auch eine Wahlkampf-Empfehlung von der FPD für den CDU-Kandidaten. Die Stichwahl ist also genauso offen wie vor zwei Wochen.

Uwe Fischer: Ich sehe das bei den 23 Stimmen Unterschied, die wir beide ja nur hatten, ähnlich. Und in die Köpfe der Wähler können wir nie schauen.

Beim MAZ-Forum vor Ort war die Stimmung bei Ihnen beiden gut – hat Ihr Verhältnis mit den Ereignissen rund um den Wahlsonntag samt RBB-Falschmeldung, dass Herr Fischer nicht antritt, und folgenden Diskussionen gelitten?

Borstel: Ganz ehrlich  – überhaupt nicht. Wir begegnen uns auf Augenhöhe und respektvoll. Jeder geht seinen Aktivitäten nach. Schärfe bringen andere Leute in den Wahlkampf.

Fischer:
Natürlich war das, was der RBB gemacht hat, überraschend und nicht schön. Aber meine Güte - das können wir beide nicht beeinflussen. Dazu muss sich jeder Wähler sein Bild machen. Die Schärfe auf Facebook ist der Anonymität geschuldet, von Angesicht zu Angesicht würde das so gar nicht laufen.

Die beiden Großbeerener Bewerber zur Stichwahl (28.1.2018) um das Bürgermeisteramt Tobias Borstel/SPD (l.) und Uwe Fischer/CDU beim MAZ-Kandidatengespräch in der Redaktion Ludwigsfelde Quelle: Jutta Abromeit

Sie sind beide keine gebürtigen Großbeerener. Herr Fischer lebt immerhin im Ort, Sie, Herr Borstel, sind da noch zögerlich. Warum engagieren Sie sich beide für Großbeeren?

Fischer: Sicher auch, weil ich nicht nur im Dorf wohne, sondern auch arbeite. Da will ich auch mitgestalten und für viele Belange in die Verantwortung gehen, für die Entwicklung der Gemeinde. Politik auf dieser Ebene ist wohl die bodenständigste. Dieser unmittelbare Kontakt macht die Arbeit wertvoll, denn gemeckert wird schneller als gelobt. Man fasst in der Kommunalpolitik auch ordentlich Kritik ab, das fehlt der Politik weiter oben manchmal.

Borstel: Ich hatte bereits den einen oder anderen familiären Kontakt im Ort, sehe es aber als neue Aufgabe, hier aktiv zu werden und Verantwortung zu übernehmen. Meine bisherige Tätigkeit im Bundestag hört sich vielleicht glamourös an, aber vor Ort für die Bürger da zu sein ist was ganz anderes. In diesem Fall bin ich als jemand von außen gefragt worden, etwas mitzugestalten. Da habe ich mich gleich auf den Weg gemacht. Und inzwischen werde ich gegrüßt und eingeladen. Ich spüre aber auch, dass es zwischen der Urbevölkerung und Neubürgern, die hier nur schlafen und wohnen, ihren Lebensmittelpunkt aber im „großen B“ haben, verschiedene Welten liegen. Vielleicht lässt sich das ändern mit einem Neubürgerempfang, bei dem sich Vereine des Ortes vorstellen können.

Wie sieht Großbeeren nach Ihrer ersten Amtsperiode aus, womit beginnen Sie im Fall Ihrer Wahl?

Fischer: Großbeeren geht es hoffentlich noch besser. Ganz große Themen sind Wohnungsbau und öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV). Beides müssen wir angehen. Wir müssen schauen, die großen Wohnbauflächen Saufichten und Heinersdorf in die Reihe zu bekommen. Der ÖPNV bleibt immer eine Baustelle. Und hält der Bus dann vor der Haustür, ist er zu laut... Also: Egal ob Rufbus oder eine andere Lösung, die Leute müssen wenigstens zum S-Bahnhof Osdorfer Straße kommen. Und Lärm, das Thema ist ganz wichtig, ob allgemein oder im besonderen. Da meine ich nicht nur Flugzeuge. Von der B 101 sind Heinersdorf und Großbeeren betroffen, von der Bahn Diedersdorf. Natürlich ist der Flughafen ein Wirtschaftsfaktor. Aber ich finde es bedauerlich von unserer Landesregierung, dass es möglich wird, den Flughafen ohne Planfeststellung zu erweitern. Mit einer dritten Start- und Landebahn hätten wir noch eine viel größere Verlärmung. Das müssen wir verhindern, ohne Lärm nur auf Nachbarn zu verschieben.

Brostel: Die großen Themen bezahlbarer Wohnraum und ÖPNV werden uns hier ständig begleiten. Aber es geht auch um den noch immer nicht fertigen Hortneubau, eine neue Kita, um Wohnungsneubau An den Saufichten, um das Projekt Osdorfer Straße mit Landesförderung, das hoffentlich in zwei bis zweieinhalb Jahren vollendet ist. Für mich ist Kommunikation in der Verwaltung ganz wichtig, nach außen und innerhalb. Die Bürger sollen bessere Zugänge zu digitalen Medien bekommen. Und ich möchte die Entwicklung des Kulturstandorts mitten im Ort auf dem Gutshof vorantreiben. Zum Beispiel möchte ich auf den Weg bringen, dass sowohl Schüler als auch Senioren dort gern hinkommen, vielleicht mit einem Theater, einer Veranstaltungsstätte. Und für mich liegt der Jugendclub, der früher mal nah am Ort war, inzwischen viel zu weitab. Außerdem will ich Kommunikationsabläufe beschleunigen, um kleine Entscheidungen schneller zu treffen. Zum Beispiel das Pflaster vom Feldweg: Da liegen verschobene Platten, wo sich Wasser sammelt, bei Frost ist es dort teils sehr glatt. Solche kleinen Dinge dürfen nicht wegen der großen liegenbleiben.

Es war von Wachstumsschmerzen die Rede – wie viel Wachstum ist Großbeeren noch zuzumuten?

Fischer: Na klar ist Wachstum was Tolles. Aber mit den GVZ-Erweiterungen Lilograben und Anhalter Bahn müssen wir uns fragen, ob das alles noch der Wille der Bürger ist. Wenn nun auch noch die beiden großen Wohnbauflächen kommen, dann ist es mal gut. 2500 Wohneinheiten auf Berliner Seite werden Auswirkungen auch auf uns haben, aber landschaftliche Freiräume müssen ebenfalls bleiben. Bei noch mehr zersiedelter Fläche sage ich nein. Jetzt haben wir eine gute Struktur für 10- bis 12 000 Einwohner. Das sichert unsere Eigenständigkeit, aber mehr bitte nicht.

Borstel: Man darf mit dem Wachstum nicht die eigene Bevölkerung treffen. Es geht darum, auch Jungen, die dem Elternhaus entwachsen, im Ort eine Perspektive zu geben. Wo da eine Grenze ist, kann ich nicht sagen. Für mich ist wichtig: Wie leben junge Paare im Ort oder wie kommen ältere Herrschaften klar? Wir alle wissen nicht, wie die Situation in fünf Jahren ist, ob das GVZ brachliegt. Mit seinem Erfolg hatte ja auch niemand mehr gerechnet. Deshalb hantiere ich ungern mit fernen Zahlen. Und ich weiß, dass die Nachbarn die gleichen Sorgen haben und dass mit dem Flughafen noch mal ein großer Motor kommt. Deshalb wäre für mich ein Leitbild wichtig: Wo soll Großbeeren in 15 Jahren sein? Darüber müssen wir reden, lange, gemeinsam mit den Bürgern und nicht nur einen Tag.

Sie kommen gut miteinander aus; aber was unterscheidet Sie?

Fischer: Ich bin sehr praxisorientiert. Ist der sprichwörtliche Stein aus dem Weg zu räumen, dann möchte ich das möglichst schnell und nicht immer unbedingt durch alle Instanzen. Da habe ich jahrelange Erfahrung und bin sicher ein Stück weit kreativ. Meine Biografie, mein Arbeitsleben, mein Alter – da entwickelt sich vielleicht eine andere Herangehensweise als bei meinem jüngeren Kollegen. Ich bin relativ nüchtern und sachlich, sage direkt was geht und was nicht.

Borstel: Ich möchte erst mal alles aufnehmen und schauen, was können wir von Nachbarn oder anderen Kommunen – auch weiter weg  – lernen. Da bin ich wirklich offen, weil ich aus der Bürgerbewegung komme, in Potsdam hatte ich am Bürgerhaushalt mitgewirkt. Mein Wunsch ist, dass ein größerer Part als bisher von den Bürgern wahrgenommen wird. Aber ich sehe keine Probleme, sondern Herausforderungen – und ich habe stets ein offenes Ohr.

Stellen Sie sich das Undenkbare vor – Sie verlieren am Sonntag. Bleiben Sie, Herr Fischer, auch unter Herrn Borstel Kämmerer?

Fischer: Schwierig. Ich weigere mich so ein bisschen, mir das vor dem Sonntag vorzustellen. Aber selbst wenn, wir haben uns gegenseitig nicht beschädigt, sondern vielleicht sogar eine gewisse Anerkennung erworben.

Herr Borstel, Sie haben angekündigt, sich über die Wahl hinaus für die Belange der Großbeerener einzusetzen – wie wollen Sie das machen?

Borstel: Inzwischen bin ich Mitglied im Kulturverein, mich beeindruckt die Flüchtlingshilfe. Ich will dort ebenso wie im SPD-Ortsverein weitermachen. Und ich habe in den letzten zwölf Wochen so viele nette Menschen kennengelernt, dass ich diese Kontakte intensivieren möchte. Das hier ist eine sehr interessante Region, in die will ich mich weiter einbringen.

Von Jutta Abromeit und Ekkehard Freytag

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